Beachhandball:Akrobaten im Sand

Beach-Handball, Brüder Ismaning

In der Halle zählt Kraft, im Sand sind Leichtigkeit, Sprungkraft und Akrobatik gefragt, wie bei diesem Wurf von Christine Königsmann.

(Foto: Beate Königsmann/oh)

Die "Brüder Ismaning" zählen mit ihren Nationalspielerinnen zu den Favoriten auf den DM-Titel.

Von Raphael Späth

Sommer, Sonne, Strand: Was für viele nach Traumurlaub klingt, sind für die Beachhandballerinnen der "Brüder Ismaning" optimale Wettkampfbedingungen. Selbst bei 36 Grad schmeißen sich die Spielerinnen nach jedem Ball in den Sand. "Alles ist besser als Regen", sagt Christine Königsmann. Die 25-Jährige ist Beachhandball-Nationalspielerin und seit Gründung der Brüder vor fünf Jahren fester Bestandteil des Teams. "Wenn es regnet, wird der Ball rutschig und schwer. Natürlich könnte man dann immer noch spielen, man verzichtet aber auf Trickwürfe und fokussiert sich stattdessen einfach darauf, den Ball im Tor unterzubringen."

Regen ist also, was der Sportart ihren Reiz raubt: Im Gegensatz zum Hallenhandball geht es für die Spieler auf Sand darum, so schnell und spektakulär wie möglich Punkte zu erzielen. Ein Tor zählt doppelt, wenn der Stürmer in der Luft eine Pirouette dreht, auch der sogenannte Kempa-Trick ist beim Beachhandball gleich zwei Punkte wert. Selbst die Zählweise ist anders als beim Indoor-Sport: Nach einer Halbzeit wird der Punktestand wieder auf Null gesetzt - eine Mannschaft muss also beide Halbzeiten gewinnen, um schlussendlich Sieger zu sein. Gewinnt jede Mannschaft eine Hälfte, entscheidet ein Shoot-out den Sieger.

Im Vorjahr war im Viertelfinale Schluss, nun ist das Finale das Ziel: "Dann kann alles passieren."

"Der Handball in der Halle lebt vor allem von Kraftkomponenten", erklärt Bundestrainer Alexander Novakovic. "Das ist etwas, was im Beachhandball aufgrund der körperlosen Spielweise nicht gebraucht wird. Da kommt es eher auf Leichtigkeit, Akrobatik und Sprungkraft an." Deshalb sei "nicht jeder Hallenhandballer automatisch auch auf Sand gut", sagt Christine Königsmann. Die Brüder Ismaning haben den Sport allerdings schon verinnerlicht: "Das ist wie Fahrradfahren. Wenn du die Bewegungsabläufe einmal draufhast, verlernst du das nicht."

Beachhandball ist beim TSV Ismaning inzwischen Leistungssport - und das, obwohl das Projekt eher aus Zufall entstand. "Ich habe damals eine Wildcard für eine bayerische Mannschaft für die deutsche Meisterschaft erhalten" erzählt Novakovic. "Nachdem sich keine Mannschaft gefunden hatte, bin ich einfach selbst mit meiner damaligen A-Jugend hingefahren." Gemeinsam mit Manfred Königsmann coachte er damals die A-Juniorinnen des TSV Ismaning in der Bundesliga, und offensichtlich bewiesen die beiden auch bei der Kaderzusammenstellung im Sand ein goldenes Händchen: Die Juniorinnen gewannen das Seniorenturnier prompt. Den ungewöhnlichen Namen gaben sich die Spielerinnen selbst, erklärt Königsmann: "Aus irgendeinem Jux haben sich die Mädels immer mit 'Hey, Bruder' begrüßt. Daraus ist dann auch der Teamname entstanden. Im Beachhandball ist das mit den Namen eh nicht so streng geregelt." Eine Fun-Veranstaltung ist der Beachhandball aber längst nicht mehr - inzwischen wird die Sportart auch vom Deutschen Handballbund gefördert, selbst eine Aufnahme ins olympische Programm scheint nicht unrealistisch.

Aktuell spielen vier Nationalspielerinnen bei den Brüdern, die seit dem Überraschungscoup 2014 eine Hausmarke im deutschen Beachhandball sind - auch 2016 und 2017 wanderte der Titel nach Ismaning. Im Vorjahr scheiterte das Team im Viertelfinale - der Ehrgeiz ist diesmal dementsprechend groß: "Das letzte Jahr war doch eher enttäuschend für uns. Ziel ist das Finale, und dann kann alles passieren", sagt Christine Königsmann.

Allerdings ist die Konkurrenz hart: "Gerade die jungen Teams haben an Erfahrung gewonnen", weiß Nationaltrainer Novakovic, "die Brüder müssen schon drei starke Tage in den Berliner Sand bringen, um am Ende oben mitspielen zu können." Immerhin: Am Wetter wird es nicht scheitern, fürs Wochenende sind 25 Grad vorhergesagt - kein Regen.

© SZ vom 02.08.2019
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