BCF Wolfratshausen Die große Leere

Regentanz: Wolfratshausens Marian Knecht (links) und sein Sonthofener Gegenspieler mit scheinbar abgestimmter Choreographie bei schlechtem Wetter während des Bayernligaspiels am Samstag.

(Foto: Manfred Neubauer)

Trainer Marco Stier hadert nach der Niederlage gegen Sonthofen mit der Tatsache, dass seine Mannschaft nun schon wieder in der Abstiegszone gelandet ist.

Von Fabian Swidrak, Wolfratshausen

Als Sonthofen ein Tor aus 60 Metern Entfernung erzielte, ahnte Wolfratshausens Trainer Marco Stier, dass auch dieser Nachmittag kein gutes Ende nehmen würde. Stier, der bis dahin im Regen an der Seitenlinie gestanden hatte, ging zur überdachten Bank der Wechselspieler. Er setzte sich, trank aus einer Wasserflasche und kaute dann angestrengt auf seinen Lippen herum. "Da war Leere in mir drin. Ich war ein Stück weit ratlos", sagte Stier später.

Anthony Butge hatte den Ball in der gegnerischen Hälfte an Sonthofens Hiroki Fukuda verloren. Fukuda sah, dass Wolfratshausens Torhüter Alexander Heep weit vor seinem Tor stand, zog noch deutlich vor der Mittellinie ab und traf (65.). Es war der Treffer zum zwischenzeitlichen 0:2 aus Sicht des BCF Wolfratshausen. Stiers Mannschaft gelang zwar noch der Anschlusstreffer, dennoch verlor sie ihr Heimspiel gegen den 1. FC Sonthofen am Samstag mit 1:2 (0:1).

Von den ersten acht Spielen hat der BCF nur eines gewonnen und vier verloren

"Ich bin niedergeschlagen. Das raubt mir echt viel Kraft. Ich habe heute gar keine große Lust, viel zu erzählen", sagte Stier, der wie meist nach verlorenen Spielen nicht wütend war. Stier schien mitgenommen, so als würde er dieser Tage leiden in seinem Job wie kaum ein anderer Trainer in der Bayernliga Süd. "Wir haben wieder guten Fußball gespielt, bekommen aber immer dumme Gegentore. Uns hat das Glück gefehlt, wie so oft in letzter Zeit."

Bereits vor einer Woche beim 2:2 gegen den ASV Neumarkt hatte Stier mit einer umstrittenen Elfmeterentscheidung gegen seine Mannschaft gehadert. Drei Tage später verlor Wolfratshausen nach schwacher Leistung beim TSV Schwabmünchen (1:2). Von den ersten acht Spielen hat der BCF nur eines gewonnen, vier verloren. In der Tabelle steht er auf einem Abstiegsrelegationsplatz. "Jetzt sind wir schon wieder da unten drin, obwohl es nicht sein müsste", sagte Stier.

Er glaubt dennoch, dass diese Saison anders verlaufen wird als die vergangene. Vor einem Jahr wurde Stier Trainer in Wolfratshausen, sechs Punkte hatte der BCF damals aus den ersten neun Spielen ohne ihn geholt. Die erste Partie mit ihm ging 0:5 verloren. Die Hinrunde beendete der Klub auf dem vorletzten Tabellenplatz. Vor dem Abstieg in die Landesliga rettete Wolfratshausen sich erst in der Relegation. "Das wird nicht wieder passieren. Ich denke, dass das Glück irgendwann wieder auf unsere Seite kommen wird", sagte Stier. Die Mannschaft habe sich im Vergleich zur Vorsaison deutlich weiterentwickelt. "Mich stimmt positiv, dass wir so einen Gegner wie Sonthofen auch mal dominieren können."

Wolfratshausen war am Samstag schon in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft, kam aber kaum zu Torchancen. "Unser Gegner hat komplett defensiv gespielt, ist mit zehn Mann hinten dringestanden. Das war für mich auch Neuland. Für solche Spiele muss ich Lösungsansätze finden", sagte Stier. Seine Mannschaft versuchte zunächst, mit hohen Bällen hinter die Abwehrkette der Gäste zu kommen. Das funktionierte jedoch nicht: Sonthofens Verteidiger waren allesamt deutlich größer als die Offensivspieler des BCF. Die Gäste schalteten nach Ballgewinn immer wieder schnell von Abwehr auf Angriff um, Armin Rausch nutzte so einen Konter zur Führung (22.). "In solchen Situationen sind wir noch zu blauäugig, das müssen wir abstellen", sagte Stier.

Nach der Halbzeitpause setzte Wolfratshausen in der Offensive nicht mehr nur hohe Bälle ein und kam dadurch zu mehr gefährlichen Aktionen im gegnerischen Strafraum. Auf das 60-Meter-Tor von Fukuda (65.) antwortete BCF-Kapitän Angelo Hauk mit einem nicht weniger sehenswerten Treffer. Er traf mit dem linken Fuß aus 30 Metern Torentfernung in den Winkel (67.). Wolfratshausen hatte danach mehrfach die gute Gelegenheit, den Ausgleich zu erzielen. Eine Flanke von Michael Ott sprang im Strafraum auf und über die Verteidiger der Gäste hinweg. Marian Knecht kam dadurch zum Abschluss, schoss überrascht von seiner Chance aber über das Tor (69.). Einen Schuss von Jona Lehr lenkte Sonthofens Torhüter Kilian Stölzle schließlich an den Pfosten (72.).

"Wir waren einfach zu uneffektiv", sagte Kapitän Hauk. Trainer Stier lobte seine Spieler dennoch: "Die Jungs überraschen mich immer wieder. Nach dem 0:2 hätte ich nicht gedacht, dass wir da noch mal so zurückkommen." Gleichzeitig nahm Stier die Mannschaft in die Pflicht: "Wir haben jetzt gegen Kottern und die beiden Aufsteiger Schwaben Augsburg und Kornburg drei wichtige Spiele. Das sind alles Gegner auf Augenhöhe. Da müssen wir mindestens sechs Punkte holen."