Aquaball Die Kraken kommen

"Egal, in welcher Runde: Wir müssen sie schlagen." Münchens Robin Scherbaum (li. vorne) kämpft mit Max Schurig (re.) um den Aquaball-Titel.

(Foto: Toni Heigl)

Dachau und München kämpfen um den DM-Titel im Aquaball - einem Funsport, den man nicht mit Wasserball vergleichen sollte.

Von Marcel Bothe

Der Ball wird in die Höhe geworfen. Vier Menschen in Badehosen schieben das Wasser weg, sie stürmen von rechts heran, sie wollen den Ball. Vier Menschen in Badehosen stürmen von links heran, sie schieben das Wasser weg, sie wollen den Ball. Und am Beckenrand essen kleine Kinder Pommes.

Willkommen beim Aquaball, es geht um die deutsche Meisterschaft. Zu sehen zuletzt beim Internationalen Sparkassenpokal Ende März in Dachau, nur eines von vier Turnieren der Champions-Tour, die den deutschen Meister ermittelt. Das finale Turnier folgt diesen Samstag, es geht nach Ahaus in Nordrhein-Westfalen. Die Ausgangslage könnte knapper kaum sein: Punktgleich thronen die Münchner Kraken und die Bunnyhunters aus Dachau auf Platz eins, je 26 Zähler haben sie gesammelt. Für einen Turniersieg gibt es zehn Punkte, für den zweiten Platz acht, für den dritten Rang sechs. Ab Platz vier gibt es je einen Zähler weniger. "Es kommt auf das Spiel gegen Dachau an", sagt Robin Scherbaum mit Hinblick auf Ahaus, "egal, in welcher Runde: Wir müssen sie schlagen."

Seit acht Jahren spielt er bei den Kraken, die noch immer auf ihren ersten nationalen Titel warten. Ein paar zweite Plätze habe es schon gegeben, erzählt Scherbaum, auch einige bayerische Meistertitel, zuletzt 2016, an die genaue Zahl kann aber auch er sich nicht mehr erinnern. Jetzt soll es endlich bundesweit klappen, "es sah schon oft gut aus" meint Scherbaum, in der Vergangenheit habe man es oft "im letzten Moment verhauen". Oder es lief wie vor sieben Jahren, als sich kurz vor dem Finale ein Spieler die Hand gebrochen habe: "Uns hat das Glück gefehlt", aber: "Dieses Jahr sind wir auch konzentrierter."

"Wir", das sind neben Scherbaum die Brüder Max und Lukas Schurig, dazu Simon Birck und Elvira Hauer. Sie spielen im offenen Modus, also mit beiden Geschlechtern, daneben gibt es noch Wettbewerbe für Frauen und Jugendliche. Seit einem Jahr besteht das Team in dieser Konstellation, "wir kennen uns aus Schulzeiten oder über Freunde von Freunden", erzählt Max Schurig. Er ist auch der Fachwart Aquaball beim Damen-Schwimm-Verein München, dem die Kraken angehören. Anfang der 2000er wurde die Sparte gegründet, nun steht sie vor dem größten Erfolg der noch jungen Geschichte.

Gespielt wird vier gegen vier, Ziel ist es, möglichst viele Tore zu werfen, nur eben im stehtiefen Wasser. Aquaball ist keine Form von Wasserball, sondern eine eigene Sportart, das wird von allen Beteiligten betont. Das zeigt sich auch im Fairplay-Gedanken, Körperkontakt ist nicht erlaubt. "Es ist ein Funsport", sagt Max Schurig.

"Gegen Dachau ist es immer sehr anstrengend", sagt Scherbaum, "andere Spiele sind schöner."

Ende März kam es bereits zum Duell zwischen München und Dachau, im Halbfinale siegten schließlich die Bunnyhunters 2:1. "Gegen Dachau ist es immer sehr anstrengend", sagt Scherbaum, "andere Spiele sind schöner." Auch damals stellte sich Dachau vorwiegend hinten rein, hoffte, kein Gegentor zu bekommen, "die spielen viel auf Zeit und werfen nur, wenn sie sich zu 100 Prozent sicher sind, dass sie treffen", erklärt Scherbaum.

Bei den ersten beiden Turnieren der Champions-Tour hatten die Münchner Kraken noch gewonnen, im November in Haßfurt und im Februar in Soest. In Dachau Ende März kam also im Halbfinale das Aus, im Spiel um Platz drei gegen die Unna Marlins sicherte man sich die sechs Punkte, die nun zum Patt führen. Jetzt geht es zum entscheidenden Turnier nach Ahaus, nahe der niederländischen Grenze, knapp 700 Kilometer entfernt von München. Die Kraken werden wohl mit einem Van hinfahren, erzählt Scherbaum, doch im Falle des Meistertitels sei eines auch klar: "Dann werden wir am Sonntag nicht allzu früh zurückfahren."