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American Football:Es rührt sich was

Rückkehrer aus Ingolstadt, ohnehin wohnhaft in München: Die alte, neue Cowboys-Offensivkraft Maxim Soujon.

(Foto: Claus Schunk)

Die Munich Cowboys haben die Auswirkungen der Corona-Pandemie bislang vergleichsweise glimpflich überstanden - auch deshalb blickt der Erstligist zuversichtlich auf die Anfang Juni startende Saison.

Von Christoph Leischwitz, München

Klar, Zuschauer werden in den ersten Wochen der neuen Saison wohl nicht dabei sein. Aber man bekommt zurzeit das Gefühl, die Munich Cowboys würden das Stadion auch ganz alleine vollkriegen. Beim Training an der Görzer Straße jedenfalls scheinen schon bald die Kunstrasennähte zu platzen: Rund 100 Footballspieler auf einem Haufen sind eine gewaltige Erscheinung, dazu noch eine zweistellige Zahl an Trainern. Die Ballwurfmaschine mit eigenem Generator funktioniert jetzt einwandfrei, neue Blockschlitten für die Abteilung der Tackle-Spieler gibt es auch, dem Bezirksausschuss sei Dank. "Da rührt sich was", sagt Präsident Werner Maier hoffnungsvoll.

Zwar steht die nächste Bundesliga-Saison noch auf wackligen Beinen: Einige andere Mannschaften haben die Krise und die politischen Machtspiele, die zurzeit in der Sportart ausgefochten werden, nicht so gut überwunden. Maier zum Beispiel zweifelt noch ein wenig daran, dass die Stuttgart Scorpions wirklich zum Münchner Heimspiel am 20. Juni anreisen werden (das erste Heimspiel findet am 5. Juni gegen Frankfurt statt). Doch die Cowboys selbst scheinen fest im Sattel zu sitzen.

Es gibt mehrere Gründe, warum sie zurzeit so viele aktive Spieler haben. Zum einen ist Football unter Jugendlichen weiter beliebt, viele hat auch der fehlende Spielbetrieb nicht zu sehr frustriert. Zweitens trainieren erste und zweite Mannschaft zurzeit zusammen. Außerdem ist noch ungewiss, ob die unteren Ligen überhaupt antreten werden. Wer also im Sommer im Dantestadion auflaufen will, tut das am besten, indem er sich für die erste Mannschaft empfiehlt. Was wiederum die Trainingsqualität deutlich erhöht. Drittens sind einige Spieler zurückgekehrt, gerade weil bei den Cowboys die Zukunft nicht ganz so düster aussieht. Beste Beispiele sind die Offensivkräfte Maxim Soujon und Jakob Wenzel, auch wenn es sich streng genommen nicht um Rückkehrer handelt - die Ex-Ingolstädter wohnen nämlich in München.

Der Cowboys-Präsident wundert sich angesichts großzügiger Hilfe, warum andere Vereine so große finanzielle Sorgen haben: "Wenn kein Spielbetrieb stattfindet, müsste man die Ausgaben ganz stark runterfahren können."

Ursprünglich hatten viele befürchtet, dass die neu gegründete European League of Football (ELF) Ingolstadt zu Bayerns neuer Football-Hauptstadt machen würde. Nachdem die neu gegründeten Praetorians nun im Liga-Gründerjahr aber doch nicht antreten (über die Gründe wurde Stillschweigen vereinbart), gehen nun umgekehrt Ingolstädter Spieler anderswohin - zumal der ursprüngliche Klub, der Bundesligist Ingolstadt Dukes, im Streit komplett aufgerieben wurde: Die stark dezimierte Mannschaft meldet heuer nur in Liga drei.

Cowboys-Präsident Maier ist dankbar für die Förderung aus Bundesmitteln, die seinem Klub zugute kam - mehr als 50 000 Euro hatte der Verein als Umsatz aus dem Ticketverkauf 2019 angegeben, 80 Prozent wurden 2020 ausgezahlt. Der Präsident wundert sich angesichts der großzügigen Hilfe, warum andere Vereine jetzt so große finanzielle Sorgen haben: "Wenn kein Spielbetrieb stattfindet, müsste man die Ausgaben eigentlich ganz stark runterfahren können", sagt er. Man selbst habe obendrein in der spielfreien Zeit die wichtigsten Sponsoren halten, ja sogar noch den einen oder anderen hinzugewinnen können. Weil die Nothilfe-Gelder auch 2021 fließen, könnte man sogar die komplette Saison ohne Zuschauer durchspielen.

Doch auch, wenn man die technischen Voraussetzungen für den Livestream gerade verbessert: Das will natürlich niemand. Schon allein deshalb nicht, weil die Einnahmen aus dem Stadion-Catering erstmals an die Cowboys selbst fließen würden. Das Problem: Für eine ausreichend große Zuschauer-Teststation vor dem Stadion ist zu wenig Platz. Zur Football-Bundesliga werden also wohl erst dann wieder Zuschauer kommen, wenn ganz generelle Lockerungen greifen. Die Spieler haben auch da schon ihre Hausaufgaben gemacht: Das Hygienekonzept der GFL sieht vor, dass die gesamte Mannschaft einmal pro Woche getestet wird. Die Cowboys ziehen das zweimal pro Woche durch, vor jedem Training. Allein das ist schon eine Mammutaufgabe.

© SZ/sewi/lib
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