6. Münchner Langstreckenschwimmen Robben auf Beutezug

Warten im Wasser: 390 mehr oder weniger ambitionierte Athleten sind am Samstag beim Münchner Langstreckenschwimmen gestartet - so viele wie noch nie.

(Foto: Lukas Barth)

Die Münchner Triathleten Fernando Santana und Janina Lorenz landen beim Langstreckenschwimmen in Oberschleißheim auf dem Treppchen. Die Veranstaltung belebt die Ruderregattastrecke mit neuem Teilnehmerrekord - Spitzensportler fehlen allerdings

Von Maria Kurth, Oberschleißheim

Das Bild erinnerte an eine Raubtierfütterung: Eng aneinander saßen und standen sie da, auf dem Steg, im Wasser, den Blick nach vorn, auf die Regattastrecke in Oberschleißheim gerichtet. Sie glichen einer Schar Robben, geschmückt mit orangefarbenen und grünen Badekappen, gehüllt in schwarze Neoprenanzüge. "Drei, zwei, eins und looos", rief Veranstalter Alexander Fricke ins Mikro.

Die 390 Teilnehmer beim sechsten Münchner Langstreckenschwimmen preschten nach vorn, Ellbogen an Ellbogen, auf der Suche nach der besten Ausgangslage. Passend dazu dröhnte "Take the long way home" von Supertramp aus den Boxen, Zuschauer schrien die Namen ihrer Starter - der Beutezug und damit die Jagd nach guten Zeiten über 4000 und 1000 Meter hatte begonnen.

"Los, Bernhard, los!", brüllte Angela Mahlert nach 100 absolvierten Metern. Mit einer Glocke in der Hand zog sie die Blicke am Streckenrand auf sich, sie wollte ihren Sohn auf der Vier-Kilometer-Distanz förmlich nach vorn läuten. "Ich muss ihn anfeuern, ein Platz unter den ersten 20 ist das Ziel", sagte sie, ehe sie schnellen Schrittes am Ufer wieder ihrem Sohn folgte. Mahlert (SC Landshut) wurde am Ende Neunter.

Aus Münchner Sicht gab es ebenfalls gute Ergebnisse. Erstmals beim Langstreckenschwimmen am Start, wurde Janina Lorenz (MRRC München) Zweite bei den Frauen. "Ich bin auf jeden Fall zufrieden, da ich den Wettkampf nur als schnelle Einheit und gutes Training nutzen wollte", sagte Lorenz. Die Triathletin trug eine orangefarbene Badekappe, startete also über vier Kilometer, und nutzte das Rennen zur Vorbereitung auf die Bundesliga-Saison. Nach 53:37 Minuten war sie im Ziel, 17 Sekunden hinter der Siegerin Larissa Rexin (TV Erlangen). Auf den Plätzen drei und vier landeten Dajana und Melina Schlegel von der SG Stadtwerke München. Letztere hatte bei den Frauen im Vorjahr noch gewonnen. "Diesmal hatte ich vorher nicht so viel trainiert", sagte sie.

Fernando Santana (Exathlon Sport-Club München) verbesserte sich hingegen enorm. Der Triathlet, der sich erst Ende Mai beim Salzburger Masters Meeting in seiner Altersklasse über 200 und 800 Meter Freistil durchgesetzt hatte, wurde Dritter. Nach der Hälfte der Strecke stieg er bei der Zeitnahme als Zweiter aus dem Wasser, wurde am Ende aber noch von Marco Ramseyer überholt. "Ich bin trotzdem sehr zufrieden und hatte auch nicht vor, zu gewinnen", sagte Santana, der im Vorjahr noch auf Rang 21 gelandet war.

Mattia Noche (49:12 Minuten) wollte hingegen genau das. Er schwamm von Beginn an vorne weg und machte mit Ramseyer den Schweizer Doppelsieg für den SC Herisau perfekt. Über die 1000 Meter setzte sich Eric Krüger vom TSV Jahn Freising durch.

Auch aus Sicht von Veranstalter Alexander Fricke verlief die sechste Auflage des Langstreckenschwimmens erfolgreicher denn je: "Wir haben einen neuen Teilnehmerrekord, und das, obwohl auch viele andere Veranstaltungen waren." Vor allem über die kurze Distanz sei ein Teilnehmerzuwachs zu erkennen. "Das Niveau in der Breite wird immer besser. Über die 4000 Meter merkt man hingegen, dass wir nicht die absoluten Spitzensportler haben", sagte Fricke.

Mit seinen Helfern organisiert er im Jahr bis zu zwölf Sportveranstaltungen. "Das ist mittlerweile ein gut eingespieltes Team." Die meisten Sportler sind bereits einige Male in Oberschleißheim an den Start gegangen. "Ich bin zum dritten Mal dabei, und der Wettkampf war bis jetzt immer gut organisiert. Die Temperaturen waren okay, das war für meinen Armzug kein Problem", sagte Florian Bolze (TSV Jahn Freising), der 27. wurde.

Einziger Wermutstropfen waren die Probleme mancher Teilnehmer auf der Zielgeraden. Immer wieder kürzten Schwimmer unbewusst ab. "Das hatten wir noch nie, dass so viele Schwimmer die letzte Boje auslassen", sagte Fricke. Vielleicht sollte er mal über ein Langstreckenschwimmen in der Nacht nachdenken. Schließlich ist bereits seit einigen Jahren bekannt, dass sich Robben bei längeren Strecken vor allem an den Sternen orientieren.