200. Formsache Von Hunden und Husten

Elf Fragen, 2200 Antworten: Seit mehr als vier Jahren reden Prominente in dieser Rubrik über Sport. Ein Best-of.

Von Andreas Liebmann

Als Mittelläufer (für jüngere Leser: Das ist kein Teppich, sondern war mal eine Position im Fußball) war Edmund Stoiber mehr Leidenschaft als Talent beschieden. Es habe ihm an Schnelligkeit gefehlt, sagt der Ministerpräsident a. D. Trotzdem ist es natürlich kein Kunststück, einem, der im Aufsichtsrat des FC Bayern sitzt und kaum ein Heimspiel des BCF Wolfratshausen verpasst, ein paar Sätze über Sport im Allgemeinen und Fußball im Besonderen zu entlocken. Vielleicht war Stoiber in diesem Fall deshalb so schnell: Als einer der Ersten beantwortete er jene elf Fragen zum Thema Sport, die wir unter dem Namen Formsache seit mehr als vier Jahren prominenten Nichtsportlern aus der Region stellen.

Und mal ehrlich: Hätten Sie gewusst, dass Moderatorin Ruth Moschner ein Ballett-Stipendium hatte? Dass Schauspieler Max von der Groeben in der zweiten Judo-Bundesliga kämpfte? Und Dolly Dollar, die eigentlich Christine Zierl heißt, eine begabte Florettfechterin war? Eben. Aber Ottfried Fischer? Ralph Siegel? Marianne Sägebrecht? Doch, doch: Sie alle hatten etwas zum Thema Sport beizutragen, oft viel mehr, als man erwartet hätte. Und häufig sogar sehr Witziges. Zur Feier der 200. Ausgabe hier ein Schnelldurchlauf.

Sport ist ...

... das Spüren, dass man lebendig ist. (Schauspieler Uwe Ochsenknecht)

... wenn man sich quält, 100 Gramm abnimmt und als Belohnung ein großes Helles trinkt. (Schauspieler Sky du Mont)

... Charakterbildung. (Geigerin Ann-Sophie Mutter)

... mein ausgleichender Ruhepol (Schauspieler Wayne Carpendale)

Ihr aktueller Fitnesszustand?

Ich war schon ausgeglichener. (Wayne Carpendale)

Mein Hund hatte eine Kreuzband-OP und darf nicht rennen. Ich trotte also auch. (Moderatorin Nina Ruge)

Der Arzt hält ihn für ausgezeichnet. Er muss sich täuschen. (Ökonom Hans-Werner Sinn)

Grottenolm in Winterstarre. (Comedian Tommy Krappweis)

Das ist die unverschämteste Frage, die mir je gestellt wurde. (LaBrassBanda-Tubist Andreas Hofmeir)

Felgaufschwung oder Einkehrschwung?

Bin schon froh, wenn ich mich beim Hüftschwung nicht verletze. (Kabarettist Max Uthoff)

Von Zeit zu Zeit bin ich für Überschwang. (Schauspielerin Marianne Sägebrecht)

Turnen macht mir Angst. (Comedian Wigald Boning)

Ich hasse Gerätturnen. (Astrophysiker Harald Lesch)

Sportunterricht war für Sie?

Zu viel Gerätturnen. (Harald Lesch)

Zeitverschwendung. (Barmixer Stefan Gabányi)

Die ständige Eins im Zeugnis. (Schauspielerin Senta Berger)

Gelegenheit zum Rauchen. (Regisseurin Doris Dörrie)

Die Fortsetzung der Pause mit anderen Mitteln. (Kabarettist Claus von Wagner)

Ihr persönlicher Rekord?

Hochsprung. Mit 16. Schulrekord. Besteht glaube ich heute noch. (Schauspieler und Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl)

Der Schnellste in der Duschkabine. (Moderator Fritz Egner)

Damit will ich keinen Profi in den Schatten stellen. (Berater Roland Berger)

Ein Monat ohne Onanie. (Schauspieler Florian David Fitz)

Stadion oder Fernsehsportler?

Stadion im Wohnzimmer mit schreienden, lachenden, weinenden Männern um mich herum, die meine Söhne und ihr Vater sind. (Senta Berger)

Keins von beiden, ich will selber ran. (Sternekoch Andi Schweiger)

Ich hab noch nie ein Fußballspiel länger als wenige Minuten gesehen, und das auch nur, bis ich die Batterien der Fernbedienung gewechselt hatte. Als Deutschland im WM-Endspiel war, fragte ich einen Freund, ob er mit ins Kino käme. Davon erzählt der heute noch. (Tommy Krappweis)

Bayern oder Sechzig?

Natürlich Sechzig. Meine Leidensfähigkeit grenzt an puren Masochismus. (Iberl-Bühne-Chef Georg Maier)

Gibt's denn außer Sechzgern noch Bayern? (Kabarettist Ottfried Fischer)

Das fragen Sie doch nicht im Ernst! (Alt-OB Christian Ude, 13 Jahre im Aufsichtsrat des TSV 1860)

Sechzig? Ach, die gibt es noch? (Schriftsteller Jan Weiler)

Fuaßboi is ned mei Sach, aba wenn die Bayern verliern, freia me mehra ois wenn die Sechzga gwinna. (Dramatiker Franz Xaver Kroetz)

Ihr ewiges Sport-Idol?

Sepp Blatter ... nein, kleiner Scherz. (Schauspieler Thomas Ohrner)

Hm? Lance Armstrong? (Satiriker Christoph Süß)

Es wäre Boris Becker, wenn es nicht Boris Becker wäre. (Claus von Wagner)

Ritter (Traube Nuss). (Parodist Wolfgang Krebs)

(Anmerkung: Bei den ernst gemeinten Antworten führt Muhammad Ali deutlich mit 28 Nennungen vor Franz Beckenbauer (9), Boris Becker, Steffi Graf (je 8) und Paul Breitner (6). Und natürlich gab es auch einige deutlich ausgefallenere Idole, exemplarisch das folgende.)

John Tarrant. Er war in den 1950ern ein Langstreckenläufer, der gerne boxte und eines Tages auf einer Kirmes 17 Pfund verdiente, weil er gegen den Standkämpfer drei Runden durchhielt. Dann beging er den Fehler, aus Pflichtgefühl den Verband davon zu informieren. Ihm wurde der Amateurstatus abgesprochen. Wochentags rackerte er sich in einer Kalkgrube ab, am Samstag tauchte er in einem langen Mantel bei Rennen auf, mischte sich unter die Zuschauer. Kaum ertönte der Startschuss, warf er den Mantel ab und sprintete in kurzen Hosen hinterher. Oft bog er als Führender kurz vor der Ziellinie ab, um das Band nicht zu durchreißen. Er starb im Alter von 42 Jahren an gebrochenem Herzen.

(Schriftsteller Ilija Trojanow)

Ein prägendes Erlebnis?

Im Ärmelkanal fast ersoffen. (Barmixer Stefan Gabányi)

Auf den Zehnmeterturm raufkraxeln und wieder runterkraxeln. (Sänger Stefan Zauner, ehemals Münchener Freiheit)

Sieben geschossene Tore in einem Jugendspiel als Stürmer des FC Schwabing. (Sänger Lou Bega)

Als Sparwasser 1974 für die DDR das Tor gegen uns schoss, hatten auch Barwassers eine schwere Zeit. (Kabarettist Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig)

In welcher Disziplin wären Sie Olympiasieger?

Pferd von hinten aufzäumen. (Wortverdreher Willy Astor)

So schlecht sind die Olympischen Spiele auch wieder nicht besetzt. (Max Uthoff)

Im 50-m-Heckenschneiden mit 30 cm Papierschere linkshändig. (Marianne Sägebrecht)

Im Dreisprung ohne Bodenberührung. (Hans-Werner Sinn)

Husten vielleicht. Obwohl - auch da gibt es Bessere. (Christoph Süß)

Mit welcher Sportlerin/welchem Sportler würden Sie gerne das Trikot tauschen?

Höchstens mit einem, der nicht mehr aktiv ist, aber noch gute Werbeeinnahmen hat. (Sänger Peter Kraus)

Das würde ich niemandem zumuten, er müsste dann ja meinen Beruf ausüben. († Kabarettist Dieter Hildebrandt)

Mit Sepp Maier. Da müsste ich keinen Sport mehr machen und könnte meinen Beruf als Kabarettist nahtlos weiterführen. (Kabarettist Maxi Schafroth)

Ich habe mich mit meinem Leben abgefunden. (Markus Söder, Bayerischer Finanzminister, CSU)

Unter der Rubrik "Formsache" fragt die SZ jede Woche Menschen nach ihrer Affinität zum Sport. Künstler, Politiker, Wirtschaftskapitäne - bloß keine Sportler. Wäre ja langweilig.