Sperrzeiten in Tram und S-Bahn:Radler wollen mehr Rechte in der Bahn

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Bahnsteig in Weßling

Bislang können Fahrräder nur außerhalb der Hauptverkehrszeiten in den U- und S-Bahnen in München mitgenommen werden.

(Foto: Franz X. Fuchs)

Platz gibt es selten und die Fahrradkarte kostet in München mitunter mehr als das Ticket für den Radler: ADFC und Bund Naturschutz fordern, die Mitnahme von Fahrrädern in Bussen und Bahnen zu erleichtern - und stoßen damit auf wenig Gegenliebe.

Von Marco Völklein

Wenn Martin Glas vom Radfahrerverband ADFC in andere Städte schaut, wird er mitunter ganz wehmütig. "In Berlin zum Beispiel gibt es keine Sperrzeiten für die Fahrradmitnahme in U- und S-Bahnen." Zudem können Radfahrer in der Bundeshauptstadt ihre Gefährte meist ohne größere Probleme in der Trambahn transportieren, ebenso im badischen Karlsruhe oder im nordhessischen Kassel. "In München ist das undenkbar." Allerdings nicht für den Radaktivisten Glas. Und ebenso wenig für Martin Hänsel vom Bund Naturschutz (BN). Beide plädieren für spürbare Verbesserungen für Radfahrer im Münchner Nahverkehr.

So sei es "ein Unding, dass ein Radfahrer, der beispielsweise auf einer Kurzstrecke sein Rad mitnehmen möchte, ein Fahrrad-Tagesticket für 2,50 Euro kaufen muss - und damit die Radmitnahme fast doppelt so teuer ist wie die Kurzstreckenfahrt", findet Glas. In Berlin zum Beispiel können Vielnutzer eine Monatskarte für die Radmitnahme erwerben. In Hamburg wiederum können Käufer einer Gruppen-Tageskarte entscheiden, ob sie damit bis zu fünf Personen transportieren wollen. Oder aber statt Menschen lieber ein oder zwei Fahrräder darauf mitnehmen.

Kein Fahrrad in der Tram

Auch BN-Mann Hänsel ist der Meinung, dass "die Fahrradmitnahme im MVV einfacher und besser werden muss, vor allem auch in der Hauptverkehrszeit". Dazu allerdings, das räumen beide Radaktivisten ein, sei es erforderlich, deutlich mehr Kapazitäten in den Fahrzeugen zu schaffen. "Ich kann jeden Pendler verstehen, der sauer ist, wenn jemand versucht, sich mitsamt Fahrrad in die eh schon übervolle S-Bahn zu quetschen", sagt Hänsel.

Eine Abschaffung oder Lockerung der Sperrzeitenregelung lehnen die Verantwortlichen bei den Nahverkehrsunternehmen daher auch strikt ab. Dass derzeit morgens und am Nachmittag Fahrräder in den U- und S-Bahnen nicht erlaubt sind, sei "aufgrund der Auslastungssituation während der Hauptverkehrszeiten dringend erforderlich", sagt Martin Schenck vom Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV).

In den Trambahnen sind Velos grundsätzlich untersagt - auch weil im Münchner Netz aus historischen Gründen Niederflurstraßenbahnen mit maximal 2,30 Meter Breite zugelassen sind, ergänzt Matthias Korte von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Die Räder würden nicht nur viel Platz wegnehmen, sondern auch noch "Zugangs- und Bewegungsflächen unakzeptabel verstellen".

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