Spende:Anonymer Moschee-Geldgeber: Schweigen wäre unklug

Lesezeit: 1 min

Spende: So sieht das Model für die Moschee in der Dachauerstraße aus.

So sieht das Model für die Moschee in der Dachauerstraße aus.

(Foto: Catherina Hess)

Er will Millionen für das Münchner Moschee-Projekt spenden - anonym. Doch Transparenz wäre auch im Interesse des Münchner Forums für Islam.

Kommentar von Bernd Kastner

Es ist viel mehr als ein Gotteshaus, was da an der Dachauer Straße entstehen soll. Das Gemeindezentrum des Münchner Forum für Islam (MFI) ist ein Integrationsprojekt, wie es diese Stadt noch nicht kennt. Dort will eine bedeutende Religionsgemeinschaft endlich einen repräsentativen, ihr zustehenden Ort in München schaffen. Dort will Imam Idriz beweisen, dass ein europäisch geprägter Islam lebt.

Das ist in Zeiten, da Terroristen Angst vor Muslimen schüren, nötiger denn je. Damit ist "die Moschee" aber auch ein gesellschaftliches und politisches Projekt, und als solches darf es diskutiert werden. Ja, es ist zu wünschen, dass sich die Münchner dafür interessieren, was Idriz plant.

Welchen religiösen oder politischen Antrieb haben die Großspender?

Das schließt die Frage ein, wer das Vorhaben finanziert. Aus welchem Land kommt das Geld? Welchen religiösen oder politischen Antrieb haben die Großspender? Dieses Interesse ist nicht gleichzusetzen mit der Unterstellung, dass sich dunkle, arabische Mächte einen Stützpunkt bauen wollen. Transparenz ist der Wunsch vieler, die dem MFI nur das Beste wünschen, aber wissen wollen, wem sie dieses Herzensprojekt zu verdanken haben.

Gewiss, verpflichtet ist das MFI nicht, Auskunft zu geben. Die jetzt beginnende Diskussion lässt sich aber nicht mit juristischen Argumenten verhindern. Schweigen wäre unklug, wenn das Geld da ist. Dann würden auch Wohlmeinende fragen, warum die Macher so geheimnisvoll tun. Haben sie etwas zu verbergen?

Sicherlich nicht. Deshalb müssen die Moschee-Bauer offensiv agieren. Müssen einerseits den Münchnern erklären, dass es für gläubige Muslime keineswegs selbstverständlich ist, über ihre guten Taten zu reden. Müssen aber auch ihren Finanziers erklären, wie groß das Interesse an Transparenz ist. Ohne diese Offenheit könnte es das MFI schwer haben, dort hinzukommen, wo es hin will und hin gehört: in die Mitte Münchens.

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