Soziales Engagement in München:Weg mit Ellenbogenhausen

Soziales Engagement in München: Platz für Lichtblicke! Tausende Ehrenamtliche kümmern sich in München um benachteiligte Mitbürger.

Platz für Lichtblicke! Tausende Ehrenamtliche kümmern sich in München um benachteiligte Mitbürger.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Leben in der ach so reichen Stadt können sich immer mehr Menschen nicht mehr leisten. Eigentlich Anlass genug für soziale Konflikte - doch die sind in München kaum wahrzunehmen: Weil es hier Tausende Bürger gibt, die sich nicht mit der Not anderer abfinden wollen.

Von Christian Krügel und Sven Loerzer

Eine Milliarde Euro. Darunter macht es München nicht. Wer eine Milliarde Euro als Vermögen zur Verfügung hat, der hat es in dieser Stadt wirklich geschafft. Der gehört zu den ganz großen Familien, zu den Quandts und Klattens. Eine Milliarde Euro - das ist aber auch in etwa die Summe, die die Stadt München jedes Jahr für Sozialleistungen ausgeben muss. Das Leben in der ach so reichen Stadt können sich immer mehr Menschen einfach nicht mehr leisten.

Fast jeder fünfte Münchner ist arm oder von Armut bedroht, wobei in der teuren Landeshauptstadt die Risikoschwelle dafür schon bei 1000 Euro angesetzt wird, die jemand monatlich zur Verfügung haben muss. Rund 260.000 Münchner leben an oder unter dieser Grenze, knapp 120.000 sind auf staatliche Unterstützung in irgendeiner Form angewiesen - dramatische Zahlen, da sich gleichzeitig der Reichtum immer mehr auf immer weniger konzentriert: Ein Fünftel der Münchner verfügt inzwischen über knapp die Hälfte des gesamten monatlichen Grundeinkommens.

Eigentlich Anlass genug für soziale Konflikte in der Stadtgesellschaft. Doch die sind in München kaum wahrzunehmen - weil es in dieser Stadt Tausende Menschen gibt, die sich nicht mit der Not anderer abfinden wollen. Sie engagieren sich auf ehrenamtlicher Basis in Nachbarschaftshilfen, Betreuungseinrichtungen, in der Jugendarbeit, für Kranke, Alte und Behinderte. Sie spenden Geld für Hilfswerke und Zeit für Mitmenschen, sie gründen Stiftungen und entwickeln in Eigeninitiativen Projekte für Randgruppen, die andere noch nicht einmal wahrnehmen.

Diese Tausenden Ehrenamtlichen sind echte Macher in München: Sie machen eine kalte, konsum- und wirtschaftsorientierte Metropole dann doch noch irgendwie liebens- und lebenswert. Oberbürgermeister Christian Ude hat dafür einen recht passenden Spruch erfunden, den er gerne bei Ehrungen für diese freiwilligen Helfer sagt: "Sie sorgen dafür, dass München mehr ist als Ellenbogenhausen."

Ude weiß dabei sehr wohl, dass auch der Erfolg seiner rot-grünen Regierungszeit immer sehr davon abhing, dass dieses soziale Gleichgewicht noch einigermaßen austariert wurde, auch durch die städtische Sozialpolitik. Die Bedeutung, die seine langjährige Stellvertreterin Gertraud Burkert (SPD) und der frühere Sozialreferent Friedrich Graffe dabei hatten, kann da gar nicht überbewertet werden. Burkert ist für viele Münchner bis heute eine Art städtische Übermutter, die immer ein offenes Ohr für jedes Projekt und jede Initiative hatte. Ihre Nachfolgerin Christine Strobl (SPD) bemüht sich darum, ihr es gleich zu tun, an die Wärme und Herzlichkeit Burkerts reicht sie aber gewiss nicht heran.

Ähnlich geht es Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) mit ihrem Vorgänger Graffe. Der hatte das Gesicht der sozialen Stadt maßgeblich geprägt, durch den Aufbau der Sozialbürgerhäuser oder die Erhöhung der Sozialhilfe. Meier hat in der Stadtverwaltung bei weitem nicht den Stand, den sich Graffe erkämpft hatte. Viele sagen, ihr fehle das Durchsetzungsvermögen und die klare Linie ihres Vorgängers, sie nehme zu viel Rücksicht auf die Positionen des OBs und der SPD-Stadtratsfraktion.

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