Smartphone-Trend Museen verbieten Selfie-Sticks

Selfie-Sticks sind nicht nur bei Touristen beliebt. In vielen Münchner Museen sind sie jetzt allerdings verboten.

(Foto: dpa)
  • Immer mehr Münchner Museen verbieten die Mitnahme von Selfie-Sticks in die Ausstellungsräume.
  • In der Nähe wertvoller Kunstgegenstände sei die Gefahr einer Beschädigung der Exponate durch die Aluminiumstangen zu groß.
Von Franziska Gerlach

In den Uffizien in Florenz sind sie längst verboten, im Metropolitan Museum am New Yorker Central Park sowieso. Nun verbannen auch immer mehr Münchner Museen den Selfie-Stick aus ihren Ausstellungsräumen. In der Nähe wertvoller Kunstgegenstände, so die Argumentation, hätten diese Aluminiumstangen, auf die man das Smartphone beim Fotografieren klemmt, nichts zu suchen. "Es ist ganz selbstverständlich, dass spitze Gegenstände jedweder Art in Gemäldemuseen verboten sind", sagt etwa Tine Nehler, Sprecherin der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Regenschirme und Gehstöcke sind in den Pinakotheken ohnehin bereits untersagt - nun müssen auch die Selfie-Sticks draußen bleiben.

Touristen und ihre Selfie-Sticks

Reisen am Stock

Dabei waren die gut anderthalb Meter langen, ausfahrbaren Aluminiumstäbe, mit deren erweiterter Perspektive sich eine ganze Reisegruppe mit dem Smartphone selbst verewigen kann, erst im vergangenen Jahr so richtig bekannt geworden in der Stadt: am Viktualienmarkt, vor dem Rathaus, vor dem Monopteros im Englischen Garten - überall sieht man Touristen und Einheimische mit der künstlichen Armverlängerung hantieren.

"Dieser Stock wird wie ein Stativ behandelt und ist somit nicht erlaubt"

"Das Phänomen greift immer mehr um sich", sagt Anja Scherz, Sprecherin des Münchner Stadtmuseums. Immer wieder seien diese Stäbe in der jüngsten Zeit dort aufgetaucht. Das Aufsichtspersonal hat deshalb erst vor Kurzem folgende Anweisungen für den Umgang mit Besuchern bekommen, teilt Scherz mit: "Dieser Stock wird wie ein Stativ behandelt und ist somit nicht erlaubt." In erster Linie zielt die neue Vorschrift darauf ab, die Exponate vor etwaigen Pannen beim Fotoshooting zu schützen. Würden versehentlich noch andere Besucher auf der Aufnahme verewigt, könnten aber auch die Persönlichkeitsrechte angemahnt werden, so Scherz.

In der Alten Pinakothek sind Selfie-Sticks unerwünscht.

(Foto: Robert Haas)

Auch aus dem Selfie-Schnappschuss vor van Goghs Sonnenblumen in der Neuen Pinakothek wird nichts werden, zumindest wenn man das Smartphone auf einen Stab stecken will. Denn diese gehören zu den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Normales Fotografieren ohne Blitz sei in den Pinakotheken erlaubt, sagt Sprecherin Nehler. Will jemand aber ein größeres Stativ aufstellen, muss er das ein bis zwei Tage zuvor anmelden. Für die Selfie-Sticks gibt es keine Ausnahmeregelungen.

Jegliche Form des Fotografierens untersagt

Anders sieht es im Museum Brandhorst aus, das ebenfalls zu den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gehört. Zwar sieht Nehler in fotobegeisterten Besuchern, die sich vor Gemälden in Position bringen und die Sicht versperren, generell keine Beeinträchtigung für andere Besucher. "Dann wartet man eben", sagt sie. Das müsse man schließlich auch, wenn eine Gruppe bei einer Führung längere Zeit vor einem bestimmten Gemälde stehe. Seit im Brandhorst vor einigen Jahren Besucher bei dem Versuch, zwei Exponate im Erdgeschoss und Untergeschoss abzulichten, in eben diese stolperten, ist dort aber dennoch jegliche Form des Fotografierens untersagt. "Die Kunstwerke mussten restauriert werden", sagt Nehler.

Es gibt aber auch Museen in München, die bislang kein großes Problem im Selfie-Trend erkennen können. In der Villa Stuck an der Prinzregentenstraße etwa sind die Stöcke noch gar nicht groß gesichtet worden. "Insofern war das bislang noch kein Thema", sagt Sprecherin Birgit Harlander. Im Lenbachhaus sind die Selfie-Sticks momentan noch erlaubt, teilt Sprecherin Claudia Weber mit. Man beobachte die Entwicklung aber wachsam: Die Angestellten versuchten Besucher mit Selfie-Stock im Gespräch für einen vorsichtigen Umgang zu sensibilisieren. "Bei zukünftiger Zunahme des Gebrauchs könnte es zu einem Verbot kommen", so Weber.

Respekt vor dem Original mahnt auch die Kunsthalle der Hypokultur-Stiftung in den Fünf Höfen an der Theatiner Straße an: Selfie-Sticks, Stative und Blitz - alles verboten. Zur Ausstellung "Münchner Rokoko von Asam bis Günther" ist jetzt aber erstmals zumindest das Fotografieren gestattet, dasselbe gilt für die Keith-Haring-Ausstellung, die dort vom ersten Mai an zu sehen sein wird. Dabei handele es sich aber nicht um eine grundsätzliche Erlaubnis, betont Sprecherin Leonie Mellinghoff. Vielmehr sei man als Ausstellungshaus auf die Zustimmung des jeweiligen Leihgebers angewiesen. Immerhin könnte die lockere Regelung Vorteile haben: Wenn die Besucher ihre Bilder im Internet posten, könnte das der Kunsthalle einen hübschen Werbeeffekt bescheren. "Das wird man abwarten müssen", sagt Mellinghoff.