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Urbane Zukunft:Wo die Smart City heute schon Realität ist

Fünf Beispiele, wie intelligent genutzte Daten das Leben der Münchner leichter machen können.

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Online-Bürgerservice:Im Internet Papierkram erledigen

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Quelle: Robert Haas

Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) und die Schlange, sie bildeten lange Zeit ein unglückseliges Paar. Das eine mit all seinen Dienstleistungen wie etwa dem Ausstellen eines Reisepasses war ohne die andere, also dem stundenlangen Anstehen, nicht vorstellbar. Nun gibt es seit Januar auch in der KVR-Zentrale eine Online-Terminvergabe. Der Bürger setzt sich zuhause an den Rechner, klickt sich zu seinem Anliegen und der benötigten Viertelstunde im Amt durch und spart damit beim Besuch viel Zeit und Nerven. So soll es künftig sein. Die Stadt hat mit diesem neuen Service ihr digitales Angebot erweitert. Auch wenn sich München damit nach wie vor im Mittelfeld der großen kommunalen Online-Service-Dienstleister befindet, so manches Anliegen lässt sich über das Internet bereits regeln. Die Bürger können etwa den Ferienpass bestellen, ihr Wunsch-Kennzeichen reservieren oder einen Kita-Platz suchen. Dazu gibt es die Möglichkeit, sich über die Plattform "Soziales Wohnen in München online" (Sowon) für eine öffentlich geförderte Wohnung zu bewerben. Einen Überblick über die digitale Hilfe und die Angebote der Stadt im Internet gibt es auf der Seite muenchen.de, dort muss man nach Online-Services suchen.

Heiner Effern

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Intelligente Straßenlaternen:Laternen melden Wetterdaten und Staus

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Quelle: Robert Haas

Knapp 100 000 Straßenlaternen gibt es laut einer Schätzung des Baureferats in München. Sie stehen überall, an großen Straßen, auf Brücken, in Parks. Findige Menschen kamen auf die Idee, die Masten nicht nur als Lampen-Träger zu nutzen, sondern sie intelligent zu machen, was in diesem Fall heißt, sie mit Sensoren und Sendern auszustatten. Ein Pilotprojekt läuft derzeit in Neuaubing-Westkreuz; dort wurden an Limes-, Bodensee- und Wiesentfelserstraße sowie in einem Park 60 Lichtmasten aufgestellt, die teilweise ein kostenloses Wlan bieten und Daten zum Wetter und zu Schadstoffen erfassen. Manche Sensoren messen Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windrichtung, Windgeschwindigkeit, Luftdruck und Niederschlag; andere Stickoxide und Feinstaub. Demnächst werden weitere Sensoren installiert, die den Verkehr zählen und freie Parkplätze registrieren. Auf die Daten kann jeder per Handy zugreifen; am einfachsten über die muenchen.de-App. Licht spenden die Masten natürlich auch. Seit wenigen Tagen laufen auch Experimente mit Bewegungsmeldern, wie Bernhard Klassen, der Leiter des Projekts "Smarter Together", erklärt: "Die Lampen werden automatischer heller, wenn sich jemand nähert."

Silke Lode

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Handyparken:Handy ersetzt Parkscheinautomat

Die Stadt München stellt das neu eingeführte Parken per Smartphone vor, Maximilianstraße 2, München, 19.10.2018.

Quelle: Jan A. Staiger

Seit vergangenem Oktober können Autofahrer ihre Parkgebühr nun auch in München mit dem Smartphone entrichten. Über die App "Handyparken München" registriert man sich mit Bezahldaten (Kreditkarte oder Kontolastschrift) und Autokennzeichen. Das war's im Prinzip. Die Stadtwerke München haben die App entwickelt und erledigen als kommunales Unternehmen auch den Bezahlvorgang, die Parkgebühren fließen in die städtische Kasse, zusätzliche Gebühren für den Autofahrer fallen nicht an. Die App steht für die Betriebssysteme iOS ab Version 11 und Android ab Version 4.4 kostenlos zum Download zur Verfügung. Es gibt zwei verschiedene Bezahlmodelle: Eines nennt sich "Fix-Parken", das andere "Flex-Parken". Bei ersterem Modell zahlt der Autofahrer einen digitalen Parkschein mit festgelegter Parkdauer. Beim Flex-Parken startet und beendet er in der App seine Parkzeit, dann wird minutengenau abgerechnet. Vergisst man die Parkzeit zu beenden, werden nur die Gebühren für die Höchstparkdauer von zum Beispiel zwei Stunden tagsüber in der Innenstadt fällig. Und wer Fix-Parken gewählt hat, kann sich von der App daran erinnern lassen, dass die Parkzeit abläuft.

Andreas Schubert

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Mobilitätsstationen:Nahverkehr trifft Leihräder und Carsharing

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Quelle: MVG

Wer im Zentrum wohnt, erlebt jeden Tag, wie voll die Stadt ist. Vor allem Menschen, die nicht auf ein Auto verzichten wollen, kurven bei der Parkplatzsuche oft lange um den Block. Das ist nicht nur vergeudetet Lebenszeit, sondern auch eine immense Belastung für die Umwelt und eine ziemliche Verschwendung urbanen Lebensraums. Mit sogenannten Mobilitätsstationen will die Stadt dagegen vorgehen und eine Alternative zum eigenen Auto bieten. Im Rahmen der Projekte City2Share und Smarter Together sind bereits Mobilitätsstationen entstanden, unter anderem an der Münchner Freiheit, am Westkreuz, im Glockenbach- und im Schlachthofviertel. An diesen Stationen kommen verschiedene Verkehrsmittel zusammen. Sie kombinieren Leihradstationen mit Carsharing-Parkplätzen und Ladesäulen für Elektroautos. Dazu kommt die Nähe zu einer ÖPNV-Haltestelle. Zusätzlich reduzieren erste Paket-Verteilzentren den motorisierten Lieferverkehr, indem die Boten mit Elektrolastenrädern von dort aus die Pakete aus zuvor angelieferten Containern an Haushalte in der näheren Umgebung bringen. Ein Überblick findet sich hier und hier.

Andreas Schubert

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Smart Meter:Nie wieder Strom ablesen

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Quelle: SZ

Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt steht ein wesentlicher Teil der Münchner Infrastruktur vor einer grundlegenden Modernisierung: das Energienetz. Seit eineinhalb Jahren verbauen die Stadtwerke digitale Stromzähler, sie sollen irgendwann in allen Haushalten hängen. Den entscheidenden Unterschied macht aber ein zweites Gerät, das zunächst nur bei Großverbrauchern eingebaut wird: das sogenannte Gateway, ein Kommunikationsmodul. Dieses Kästchen macht den Zähler zum "Smart Meter", einem intelligenten Stromzähler. Eine sukzessive Umstellung ist gesetzliche Pflicht, sobald genügend Modelle marktreif sind - bis zum Sommer dürfte es soweit sein. "Die Messwerte werden dann alle 15 Minuten gespeichert und alle 24 Stunden an den Versorger übertragen", erklärt Christian Schembor von den Stadtwerken. Da die Daten auch zur Steuerung der Stromnetze genutzt werden, gelten bei der Übertragung sehr hohe Sicherheitsstandards. "Diese Sicherheit ist für den Verbraucher der Hauptmehrwert", meint Schembor. So könnten neue Produkte wie Ladesäulen für Elektrofahrzeuge entstehen, an denen Verbrauchs- und Bezahldaten über die besonders geschützten Kanäle übertragen werden.

Silke Lode

© SZ vom 28.01.2019/vewo
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