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Schulsanierung in München:Werkeln bis zum Schulanfang

Schulzentrum an der Grandlstraße

Die Pavillons werden ungefähr zwei Jahre die Grundschüler der Grandelstraße beherbergen.

(Foto: Sonja Marzoner)

München nutzt die Sommerferien, um Schulhäuser wieder auf Vordermann zu bringen und neue zu bauen. Insgesamt wird in 95 Gebäuden repariert und umgebaut - unter Zeitdruck. Ein Besuch auf einer Schulbaustelle.

Männer in Latzhosen laufen über das Gelände, teilweise sind sie mit weißer Farbe besprenkelt. Draußen liegen Leisten, Farbeimer, Werkzeugkisten stehen herum. Die auffälligen anthrazitfarbenen Kästen hier an der Grandlstraße wirken wie Fremdkörper, vor allem die rote Kletterspinne im Innenhof irritiert. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Aufenthaltsgebäude für Bauarbeiter, ist selbst eine Baustelle. Die Container, an denen gerade so viel gearbeitet wird, sollen bald die Grundschüler der Grandlschule beherbergen. Zumindest für einen gewissen Zeitraum.

Die alte Grundschule, die sich ein Areal mit der Realschule an der Blutenburg teilt, wird abgerissen - allerdings erst im Oktober. Zuvor muss die komplette Schule umziehen. Der Entsorgungscontainer steht schon vor dem Gebäude aus den Siebzigerjahren, in den Klassenräumen warten die gepackten Umzugskisten. Ungefähr zwei Jahre wird der Neubau des Schulgebäudes und der Turnhalle an der Grandlstraße in Pasing dauern, inklusive Sanierung der Realschule. In dieser Zeit werden die Grundschüler vorübergehend in den Pavillons auf der gegenüberliegenden Straßenseite untergebracht.

Bei den Kästen handelt es sich um sogenannte mobile Schuleinheiten - versetzbare Klassenräume, die als Ausweichmöglichkeit für Schulen während Umbauarbeiten gedacht sind. Die Kosten für die Kurzzeitunterkunft belaufen sich in Pasing auf 8,7 Millionen Euro, die Container können anschließend wiederverwendet werden. "Wir haben derzeit so viele Baumaßnahmen, irgendwo werden die Elemente einen Platz bekommen", sagt Susanne Breuer vom städtischen Bildungsreferat.

Schulsanierung in der Grandlstraße

Die Ferienarbeiter

Dass die Bauarbeiten für die Pavillons an der Grandlstraße in den großen Ferien beginnen, ist kein Zufall. Schulsanierungen müssen so geplant werden, dass sie den Unterricht möglichst wenig beeinträchtigen. Und wenn Klassen ganz ausgelagert werden müssen, stehen die Experten im Rathaus vor großen Herausforderungen. "Sie können ja eine Schule nicht einfach zusperren", sagt Bildungsreferats-Sprecherin Ursula Oberhuber. Große Sanierungen werden deshalb oft in mehrere Bauabschnitte unterteilt, Fachlehrsäle als Ausweichquartiere benutzt - oder eben Interimsgebäude wie an der Grandlstraße aufgestellt. Die Schule in Pasing ist kein Einzelfall. "Es gibt an mehreren Stellen in der Stadt mobile Bauteile", sagt Breuer.

Während Schüler, Lehrer und Eltern sich in den Ferien erholen, ist einiges los an den Schulen in Stadt und Landkreis München. Im Landkreis werden in diesen Sommerferien gleich mehrere Großprojekte fertig: So eröffnet in Grünwald das neue Gymnasium, in Unterschleißheim die neue Fachoberschule und in Garching soll bis dahin der Ganztagsbereich für das Gymnasium fertig werden. Ottobrunn ist noch nicht ganz so weit: Hier werden gerade Teile des Gymnasiums abgebrochen - die Schüler sind in Höhenkirchen-Siegertsbrunn untergebracht.

In der Stadt hat das Bildungsreferat, das für den Unterhalt der Gebäude zuständig ist, bis zum Schulbeginn an 95 Einrichtungen insgesamt 121 Baumaßnahmen veranlasst. Diese Zahl umfasst kleinere Schönheitskorrekturen wie die Montage neuer Spiegel oder Waschbecken, das Abschleifen von Parkettböden, das Anbringen neuer Geländer an der Treppe, die Erneuerung des Sonnenschutzes oder von Bodenbelägen sowie Malerarbeiten. Dazu zählen aber auch komplette Fassaden- und Dachsanierungen oder der Umbau von Räumen, Maßnahmen zur Verbesserung von Brandschutz und der Akustik, WC-Sanierungen und Umbauten für Ganztagsangebote.

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Die Grundschule an der Bergmannstraße in der Schwanthalerhöhe bekommt einen Raum für die Ganztagsklasse und eine neue Küche. Gleichzeitig wird das Dach erneuert. Das Förderzentrum an der Rothwiesenstraße im Norden der Stadt darf sich über zwei neue Intensivierungsräume freuen. Dazu teilen die Bauarbeiter ein großes Klassenzimmer in zwei kleinere - die Schüler können dann in mehreren Gruppen unterrichtet werden. Im innerstädtischen Theresiengymnasium bauen Handwerker gerade neue Brandschutztüren ein, die Grund- und Förderschule an der Dachauer Straße erhält neue Toiletten. Die Schüler der Erich-Kästner-Realschule im Hasenbergl haben es bald leiser: Bei ihnen wird die Akustik verbessert. Unter Zeitdruck stehen die Arbeiter auch im Beruflichen Schulzentrum an der Liebherrstraße: Dort entsteht eine neue Orthopädiewerkstatt.

Läuft alles nach Plan, sind die Handwerker in diesen Schulen im September längst wieder abgezogen. Das gilt freilich nicht für die Grandlstraße oder das Schulzentrum Moosach an der Gerastraße, wo die Gebäude von Grundschule, Realschule und Gymnasium saniert werden. In Pasing müssen Grund- und Realschüler noch bis 2018 warten. Erst dann werden sie ihre neuen Räumlichkeiten komplett nutzen können. Bis dahin bleiben ihnen die Container.

Noch wirkt das Innere der Interimsgebäude unfertig, aber Breuer sagt: "Am 8. September ist der Umzug." Zunächst wird mit den alten Schulmöbeln umgezogen, das neue Grundschulgebäude soll aber modern ausgestattet werden. "Es ist eine Interimsmaßnahme, da hat es keinen Sinn, das Gebäude auszustatten wie eine normale Schule", sagt Breuer. Im Pavillon gibt es bereits einen fertigen Raum: ein großer, leerer Saal, in dem eigentlich nur der Ausblick auf die Kletterspinne und der orangefarbene Vorhang auffällt. "Die Farbe passt gut zum unauffälligen Anthrazit des Gebäudes", sagt Oberhuber. Auch Stadtschulrat Rainer Schweppe zeigt sich begeistert: "Die Pavillonschule hat alles, was eine Schule braucht." Wenn die Bauarbeiten endgültig abgeschlossen seien, "werden wir an der Grandlstraße ein zukunftsfähiges Schulzentrum haben - mit einem modernen Raumkonzept, das innovative Unterrichtsformen und die bedarfsgerechte Entwicklung von Ganztagsangeboten ermöglicht".

© SZ vom 30.08.2014/infu
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