bedeckt München
vgwortpixel

Schule in München:"Es läuft so einiges schief"

Angela Wanke-Schopf, 46, ist Mutter und Elternbeirätin.

(Foto: oh)

In der dritten Klasse geht der Stress los und die Panik bei den Eltern, sagt Elternbeirätin Angela Wanke-Schopf. Ein Gespräch über Fehler im Schulsystem - und Lehrer, die Lebensentscheider spielen.

Angela Wanke-Schopf, 46, ist Anwältin. Bis zum Sommer war die Mutter von drei Kindern Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der Münchner Grund- und Mittelschulen. Nun ist sie im Elternbeirat des Theresien-Gymnasium

SZ: Frau Wanke-Schopf, sind Sie froh, dass ihr zweitältester Sohn seit Freitag sein Übertrittszeugnis hat?

Angela Wanke-Schopf: Zum Glück ist jetzt der Probenstress vorbei. Mein Sohn ist aber sehr gut in der Schule und hat das alles sehr selbständig gemanagt. Er wird im September ins Gymnasium gehen.

Wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt?

Es gibt Eltern, die versuchen, ihre Kinder durch Nachhilfe dazu zu bringen, gute Noten zu schreiben. Der Durchschnitt 2,33 klingt vermeintlich einfach zu erreichen. Wenn die Kinder aber ein paar Mal einen Dreier geschrieben haben, ist das Thema erledigt. Der Schritt zum Schnitt 2,66 für die Realschule ist auch nicht mehr weit. Die Angst der Eltern, dass es nur noch für die Mittelschule reicht ist da, verbunden mit der Sorge, dass damit Zukunftschancen frühzeitig verbaut sind.

Was läuft denn schief am Schulsystem?

Oh, wie lange haben Sie Zeit?

Vielleicht können wir uns auf die Kernpunkte beschränken?

Es läuft so einiges schief. Kinder werden oftmals in der ersten Klasse kategorisiert in Gymnasialkinder und den Rest. In der dritten Klasse geht der Stress los und die Panik bei den Eltern. Manche Lehrer spielen Lebensentscheider. Es handelt sich aber um neun, höchstens zehnjährige Kinder. Keiner kann beurteilen, ob sie später in der Lage sind zu studieren.

Ein Pädagoge würde Ihnen entgegnen, dass der Druck von den Eltern komme.

Mit Sicherheit sind sie nicht ganz unschuldig. Sie müssen sich aber in deren Lage versetzen. Es gilt als eine Art Statussymbol, wenn das Kind aufs Gymnasium geht. Eltern wollen aber nur das Beste. Das möchte ich ihnen nicht vorwerfen.

Was würden Sie sich denn wünschen?

Ich würde mir für alle Kinder ein längeres gemeinsames Lernen wünschen, bis zur sechsten Klasse mindestens. Und entspanntere Lehrer, die zwar ihr Fach, aber nicht ihre Person so wahnsinnig ernst nehmen. Kinder sollen wieder Spaß in der Schule empfinden.

Wäre es Ihnen lieber, wenn Ihr Sohn für das Abi neun, nicht acht Jahre Zeit hätte?

Die neunjährige Gymnasialzeit ist ein richtiger Ansatz. Dann wäre hoffentlich wieder mehr Zeit für die schönen Dinge, für Kunst, Musik, Theater. Ich glaube aber nicht, dass die reine Umwandlung des G 8 in ein G 9 reicht. Es muss inhaltlich ganz viel passieren. Es wird teilweise noch unterrichtet wie vor 100 Jahren. Wir brauchen Schulen, die die modernen gesellschaftlichen Herausforderungen annehmen.

Also nicht wieder so ein Schnellschuss wie bei der Einführung von G 8?

Um Gottes willen, nein. Allerdings nützt auch eine ewige Diskussion nichts. Schüler und Eltern sind jetzt unzufrieden.

© SZ vom 03.05.2014/afis
Zur SZ-Startseite