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Schauspiel:Irrfahrt auf der Donau

Zum Ensemble von „Seelenstärke 10“ gehören geflüchtete Jugendliche und einheimische Schauspieler, darunter Ludo Vico als Kapitän (links) und Elvis Atofarati als Gestrandeter.

(Foto: Marieluisa Lenglachner)

Mit "Seelenstärke 10" zeigt die Mohr-Villa ein Stück, das aktueller kaum sein könnte: Ein bayerisches Kreuzfahrtschiff kann wegen einer Pandemie an Land nirgends anlegen.

Von Cora Wucherer

Die Pandemie hat das Theater in seine Grenzen verwiesen. So erging es auch dem Stück "Bayrisch Baklava", das das "Theater Grenzenlos" diesen Sommer eigentlich aufführen wollte. Schon seit fünf Jahren gibt es das interkulturelle Theaterensemble, geleitet von Viktor Schenkel, der gemeinsam mit unbegleiteten, minderjährigen Geflüchteten und einheimischen Schauspielern Theaterprojekte inszeniert. Dieses Jahr schien das zunächst nicht möglich zu sein. Aber manche Grenzen können überwunden werden, mit kreativen, neuen Ansätzen - und so kommt die neue Inszenierung "Seelenstärke 10" an zahlreichen Terminen im August auf die Freilichtbühne der Mohr-Villa in Freimann. Unter Schenkels Regie ist die Tragikkomödie innerhalb von zwei Monaten entstanden.

Thematisch ist die Geschichte beinahe schmerzhaft aktuell: Die "Seelenstärke 10" ist ein bayerisches Kreuzfahrtschiff. Es schippert seit sieben Jahren auf der Donau umher, ohne Ziel und ohne die Möglichkeit, irgendwo anzulegen. Denn das traut sich der Kapitän nicht - wegen einer mysteriösen Pandemie. Bis plötzlich eine Gruppe junger Geflüchteter mit Bleibeperspektive in Bayern auf dem Schiff landet. Die Geflüchteten haben bei einem Wochenendausflug die Kontrolle über ihr Tretboot verloren. Sie überbringen die Nachricht: Die Pandemie ist längst vorbei. Die Besatzung des Kreuzfahrtschiffs und die Geflüchteten merken schnell, dass sie einiges voneinander lernen können.

In der Realität der nicht-überstandenen Pandemie sitzen die Zuschauer sicher und mit Abstand auf insgesamt 100 Plätzen im weitläufigen Garten der Mohr-Villa, beidseitig von der Bühne, die ein Schiffsdeck darstellt.

Der Regisseur möchte dazu anregen, sich mit dem Konflikt von der Integration Geflüchteter und der Pandemie auseinanderzusetzen: Wie handelt man, wenn die eigene Sicherheit bedroht wird? Was verbindet Menschen in einer globalen Krise? Welche Wege lassen sich finden, um sich anzunähern, ohne sich selbst zu gefährden? Und wie geht es jenen, die gerade erst ein neues Leben in Deutschland beginnen wollten, als sie die Pandemie wieder zurückwarf und in die Unterkünfteverbannte?

Der Eintritt zu "Seelenstärke 10" ist frei, anmelden sollte man sich aber auf der Webseite der Mohr-Villa (www.mohr-villa.de). Dort wird man auch informiert, falls eine Aufführung wegen schlechten Wetters ausfallen sollte.

Seelenstärke 10, bis Fr., 23. Aug., 21 Uhr, Garten der Mohr-Villa, Situlistr. 75, Eintritt frei, www.mohr-villa.de und www.theater-grenzenlos.org

© SZ vom 06.08.2020

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