Richard-Strauss-Tunnel:Neue Röhre, neue Staus

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Vor drei Monaten wurde der Richard-Strauss-Tunnel eröffnet - und schon hat er sich zur Staufalle entwickelt. Jetzt muss die Stadt nachbessern.

Florian Fuchs und Dominik Hutter

325 Millionen Euro hat die neue Röhre am Mittleren Ring gekostet - doch zufrieden sind viele Autofahrer, die im und um den Richard-Strauss-Tunnel im täglichen Berufsverkehr im Stau stehen, mit dem Bauwerk nicht. Polizei und Kreisverwaltungsreferat (KVR) finden dennoch, dass es inzwischen ziemlich rund läuft in der Röhre: Drei Monate nach der Eröffnung "hat es sich eingespielt", sagt Dieter Bauer vom Polizeipräsidium.

Richard-Strauss-Tunnel: Der Richard-Strauss-Tunnel hat sich in kürzester Zeit zur Staufalle entwickelt.

Der Richard-Strauss-Tunnel hat sich in kürzester Zeit zur Staufalle entwickelt.

(Foto: Foto:)

Es gibt veränderte Ampelschaltungen und neue Verkehrsschilder, auch die Blitzanlagen im Tunnel sind nun in Betrieb. "Nur eine Stelle ist noch ausgeprägt negativ", sagt Jerzy Petlicki vom KVR, "die Situation an der Ifflandstraße." Über dieses Problem diskutiert der Planungsausschuss am Mittwoch.

Die Ampel vor der Einfädelspur der Ifflandstraße verursacht regelmäßig lange Rückstaus, die bis in den Richard-Strauss-Tunnel hineinreichen. "Es gibt deswegen schon längere Grünphasen am Mittleren Ring, aber da sind die Möglichkeiten ausgereizt und es reicht immer noch nicht", erklärt Petlicki.

Die Ampel sei nicht in der Lage, die Masse an Verkehr an dieser Stelle zu bewältigen. "Und Anwohner und die Hotels am Tucherpark sind nicht gerade glücklich, dass sie jetzt auf der Ifflandstraße noch längere Rotphasen haben."

Nach ersten Untersuchungen des Planungsreferats gibt es nur eine Möglichkeit, die Staus zu verhindern: den Abbau der Ampel. Die Autos von der Ifflandstraße müssten dann "frei" in den Isarring einfädeln. Das allerdings klappt nur, wenn eine lange Einfahrtsspur gebaut wird - was einfacher klingt, als es tatsächlich ist. Denn diese Spur, so steht es in der Vorlage für den Planungsausschuss am Mittwoch, müsste immerhin über einen halben Kilometer bis zur Rampe an der Dietlindenstraße reichen, die unschöne Verkehrschneise durch den Englischen Garten würde also ganz erheblich vertieft.

Ein solches Bauwerk ließe sich zudem nicht von heute auf morgen errichten, zumal die zusätzliche Fahrspur nicht nur einen Radweg und jede Menge Bäume vernichten würde, sondern obendrein einen Bach queren und die Abfahrt Richtung Seehaus/Hirschau passieren müsste. Laut Stadtbaurätin Elisabeth Merk muss für die vermutlich nicht billige Schneise zunächst eine Machbarkeitsstudie erstellt werden - dafür müsse der Ausbau des Isarrings formal in den Verkehrsentwicklungsplan (VEP) aufgenommen werden.

In Merks Vorlage fehlt nicht der Hinweis, dass ihr Referat dies schon vor Monaten für notwendig erachtet hatte, weil sämtliche Prognosen die Staus nach Eröffnung des Richard-Strauss-Tunnels vorausgesagt hatten. Der Stadtrat habe den Ausbau jedoch aus dem VEP gestrichen.

Grünen-Verkehrssprecher Paul Bickelbacher zeigt sich entsetzt über die Fixierung der Behörde auf einen großen Straßenausbau. Stattdessen solle auch über billigere Ideen, etwa verbesserte Ampelschaltungen oder eine Verbreiterung zu Lasten des Mittelstreifens nachgedacht werden. "Stau wird es immer geben", warnt Bickelbacher, "er würde dann einfach nur ein Stück verschoben."

SPD und FDP zeigen sich dagegen offen für die Zusatzspur. "Es gibt ganz klar Optimierungsbedarf", räumt SPD-Fraktionschef Alexander Reissl ein. Auch CSU-Planungsexperte Walter Zöller plädiert für die neue Spur. Allerdings müsse nun alles möglichst rasch gehen - die rot-grüne Verweigerungshaltung habe bereits jahrelange Verzögerungen verursacht.

Einfacher zu verbessern war die Verkehrssituation am Übergang vom Richard-Strauss- zum Effnertunnel. Immer wieder fädeln dort Autofahrer in den Ring ein. Lange Jahre war das legal, jetzt aber ist es erst jenseits des Effnerplatzes erlaubt. "Viele Autofahrer wollen die Ampel am Effnerplatz meiden und fahren deshalb schon vorher in den Tunnel", weiß Dieter Bauer. Bisher hat es nur einen Unfall gegeben - "das wundert mich sehr", sagt der stellvertretende Verkehrschef der Polizei. "Ich hatte gedacht, dass sich das zu einem Brennpunkt entwickelt."

Obwohl das bisher nicht der Fall ist, stuft die Polizei das verbotswidrige Verhalten der Autofahrer als extrem gefährlich ein. Nachdem zusätzliche Schilder, die auf das Abbiegeverbot hinweisen, nur wenig genutzt haben, wurde jetzt die Ampelschaltung am Effnerplatz optimiert. "Sobald die Rampe hin zum Effnerplatz voll war, wollten die Autofahrer nicht warten und sind direkt in den Tunnel abgebogen", berichtet Petlicki. Durch die neue Schaltung soll die Rampe jetzt frei bleiben - und für die Autofahrer so der Anreiz entfallen, in den Tunnel zu fahren. Bleibt das Abbiegeverbot trotzdem unbeachtet, gibt es noch die Möglichkeit, eine Leitschwelle auf der Fahrbahn zu verschrauben.

Eine dauerhafte Verkehrsüberwachung ist nicht möglich. "Da haben wir gar nicht genug Personal dafür", sagt Bauer.

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