Reitsport Parcours mit vielen Hindernissen

Lediglich acht Renntage gab es in diesem Jahr auf der Galopprennbahn in Riem - der Verein muss auf die Kosten schauen.

(Foto: Robert Haas)

Der Pferdesport hat es nicht leicht in München: Galopper und Traber plagen Geldprobleme, das Publikum verlangt nach Showelementen und den Tieren fehlt der Auslauf

Hoch zu Ross mal eben durch die Leopoldstraße reiten, das schafft nur Tscharlie in den "Münchner G'schichten". In der Stadt ist der Platz knapp für die etwa 4500 in Vereinen registrierten Reiter. Es gibt eine traditionsreiche Galopp- und Trabrennbahn sowie ein olympisch bewährte Reitsportanlage, eine Pferde-Hochburg aber ist München nicht.

Die Rennbahnen

Am kommenden Mittwoch findet auf der Galopprennbahn in Riem der Große Preis von Bayern statt, benannt nach Pastorius, dem Derby-Sieger von 2012. Es ist der achte und letzte Renntag des Jahres. Der Hauptlauf hat Gruppe-1-Status, das ist die europäische Top-Kategorie. Im Vorjahr kamen 7000 Zuschauer zu diesem Saisonfinale. An solchen Tagen lässt es sich kaum erkennen, dass es dem Pferderennsport in München schon mal deutlich besser ging. Man bemerkt es, wenn man fernab der Tribünen die maroden Stallungen besichtigt. Oder eben die Renntage zählt. Acht Veranstaltungen in 52 Wochen sind nicht viel. Doch nur so hat der Münchener Rennverein (MRV) seine laufenden Kosten in den Griff bekommen: Indem er nur noch wenige, aber dafür lukrative Rennen austrägt. Dennoch ist er weit davon entfernt, Darlehen seiner Vorstände zurückzahlen oder gar dringend benötigte Neubauten selbst finanzieren zu können. Es sei denn - das ist der Plan -, er kann sein Trainingsgelände zu Geld machen. Durch einen Verkauf, oder besser noch, indem er die Fläche selbst bebaut und darauf Wohnungen vermietet. Immerhin gibt es diesen Plan. Damit ist der MRV einen großen Schritt weiter als der Münchner Trabrenn- und Zuchtverein (MTZV), dem das Gelände seiner Trabrennbahn in Daglfing schon nicht mehr gehört. Er hat dort ein Bleiberecht bis mindestens zum Jahr 2022, der Rennbetrieb dürfte sicher sein. Seit dem Verkauf ist er schuldenfrei. Daher konnte er einige seiner 22 Renntage erstmals seit langem wieder mit gehobenen Rennen veranstalten. Woher der Verein im Jahr 2022 aber das Geld für eine neue Bahn nehmen soll, ist unklar.

Die Veranstaltungen

In Hamburg oder Schleswig-Holstein seien Reitveranstaltungen immer ausverkauft. Dort überlege niemand, ob er vielleicht nicht doch lieber in die Oper will. In München sei das anders, sagt Kirsten Maier, verantwortlich für die Pressearbeit der "Munich Indoors", einem Spring- und Dressurturnier, das vom 9. bis 12. November in der Olympiahalle stattfindet. "Die Münchner brauchen immer noch viel drum herum." Und dieses Jahr, zum 20. Jubiläum der Veranstaltung, sei da auch besonders viel geboten. Zum Beispiel tritt am Samstagabend der Pferdeartist Lorenzo auf. Außerdem gibt es einen Markt, bei dem nicht nur Reiter fündig werden. Es werden auch Jeans, Tücher, Kunst und Schmuck verkauft. Und wie jedes Jahr findet bei den "Munich indoors" als reitsportlicher Höhepunkt das Finale einer Springturnierserie statt, die zuvor in ganz Deutschland ausgetragen wird. Danach müssen sich Münchner Pferdefreunde bis zur nächsten großen Veranstaltung eine Weile gedulden. Die "Pferd international" mit Turnieren, Schau und Messe, findet vom 10. bis 13. Mai 2018 im Olympia-Reitstadion statt. Zu sehen sind dort mehr als 40 Pferderassen, Poloturniere und artistische Shows.

Reitvereine

Wer sich in München fit halten will, meldet sich häufig im Fitnessstudio an. Einfach deshalb, weil der Platz für Sport in der freien Natur begrenzt ist. Den Münchner Pferden geht es da nicht anders als den Menschen. Weil es nicht genug Wiesen und große Koppeln gibt, stellen manche Besitzer ihre Pferde zum Training aufs Laufband. "Das ist keine Tierquälerei", sagt Michael Hohlmeier, der Geschäftsführer des Bayerischen Reit- und Fahrverbands. Aber die Tiere müssten sich schon erst einmal daran gewöhnen. Generell gelte freilich: Je mehr Grünflächen es gebe, desto besser für das Tier. Nur ist in München eben nicht viel Platz. 38 Reitvereine gibt es in der Stadt und der Umgebung. Nur etwa ein Drittel davon, schätzt Hohlmeier, hat Schulpferde, also Tiere, auf denen Menschen das Reiten lernen können. Reitstunden seien zwar eine gute Einnahmequelle - eine Einzelstunde kann um die 45 Euro kosten -, aber eben auch aufwendig und anstrengend. Doch für Hohlmeier ist klar: "Wenn wir junge Menschen gewinnen wollen, müssen die irgendwo lernen." Das sei gerade im Reitsport wichtig. Münchner Vereine haben etwa 4500 Mitglieder. Diese Zahl sei in den vergangenen Jahren leicht gesunken, so wie in ganz Bayern. Für Hohlmeier kein Grund, Alarm zu schlagen. Er glaubt, das liege am Nachmittagsunterricht und den ganzen anderen Verpflichtungen, die Kinder heutzutage hätten. Trotzdem versuchen die Münchner Vereine, Kinder an den Sport heranzuführen - zum Beispiel mit Ponyreiten. Aber auch das funktioniert eben nur dort, wo es ein bisschen Grün gibt.