Protest gegen Neonazi-Aufmarsch in München:Rote Karte gegen Braun

Am Samstag haben sich Neonazis in München zu einer Demonstration angemeldet. Aber es gibt auch zwei Gegendemonstrationen. Die Polizei rechnet mit "viel Arbeit".

Florian Fuchs und Silke Lode

Die kurzfristig für diesen Samstag angekündigte und genehmigte Demonstration der Neonazis vom Freien Netz Süd ist in der Münchner Stadtgesellschaft auf deutlichen Widerspruch gestoßen. Gleich zwei Gegendemonstrationen sind am Freitag angekündigt worden, SPD und Grüne riefen zur Unterstützung dieser Aktionen auf. Erst Ende November waren in München Neonazis nach einem Katz-und-Maus-Spiel mit Justiz und Behörden in München aufmarschiert. Für diesen Samstag stellt sich die Polizei darauf ein, dass sich Rechte und Linke auf der Straße begegnen werden. "Wir rechnen mit viel Arbeit", sagt Polizeisprecher Wolfgang Wenger.

Oberbürgermeister Christian Ude sprach von einer "unerträglichen Provokation durch den harten Kern der Neonaziszene", die sich offensichtlich durch die Enthüllung der rechtsextremen Mordserie in keiner Weise verunsichert fühle. Es sei "schmerzlich", dass es keine rechtliche Handhabe gegen den Aufmarsch gebe. Das Kreisverwaltungsreferat bestätigte, dass man die Veranstaltung nicht verbieten könne. Ude bezeichnete vor diesem Hintergrund Gegenprotest als "verständlich und gerechtfertigt" und hofft, dass die Gegenaktionen friedlich bleiben. "München ist bunt, und hier sind die Nazis unerwünscht", erklärten die Grünen-Chefs Katharina Schulze und Sebastian Weisenburger. Sie riefen die Bürger dazu auf, "diesem Aufmarsch die rote Karte zu zeigen". Auch SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann forderte seine Parteifreunde auf, auf die Straße zu gehen.

Die Neonazi-Gegner treffen sich um 12 Uhr am Stachus vor dem Hotel Königshof - "direkt an der Route der Nazis", wie Grünen-Fraktionschef Siegfried Benker betont. Die Polizei rechnet mit etwa 50 Teilnehmern, Benker hofft auf mehrere hundert. Bereits von 11 Uhr an findet eine Kundgebung vor dem Kafe Marat an der Thalkirchner Straße statt. Ganz in der Nähe soll die Abschlusskundgebung der Neonazis stattfinden.

Ein Sprecher des Vereins "Zeit, Schlacht und Raum", der Räume im Tröpferlbad nutzt, wertet dies als "Einschüchterungsversuch". Seit Monaten sei der von der Stadt geförderte linke Jugend- und Kulturverein Ziel von Anfeindungen durch die NPD. "Nachdem die von Karl Richter geführte Kampagne gegen das Kafe Marat im Stadtrat gescheitert sei, versuchen die Neonazis es jetzt offenbar auf der Straße", sagte er. Erst in der Nacht auf Mittwoch hatten Unbekannte die Wände des Kulturzentrums beschmiert. Die Täter hatten literweise rote Farbe an die Wand gekippt und Parolen wie "NS Jetzt" und "Anti-Antifa" an die Fassade gemalt. Auch Türschlösser sollen zugeklebt worden sein.

Den rechten Aufmarsch unter dem Motto "Für mehr nationale Freiräume, Patriotisches Begegnungszentrum schaffen" hat der Ottobrunner Neonazi Norman Bordin angemeldet. Die Neonazis wollen sich laut Polizei um 13.30 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz treffen. "Es haben sich etwa 50 Teilnehmer angesagt, diese Zahl halten wir auch für realistisch", sagt Polizeisprecher Wenger. Um 14 Uhr beginnt der Marsch, der zunächst über Bayer- und Sonnenstraße zum Sendlinger Tor führt, wo eine Zwischenkundgebung geplant ist. Die Rechtsextremen wollen dann über die Lindwurmstraße zum Goetheplatz und dort eine zweite Kundgebung abhalten. Dann marschieren sie über die Häberlstraße zur Kapuziner Straße/Ecke Thalkirchner Straße. Dort soll zwischen 18 und 18.30 Uhr eine Abschlusskundgebung stattfinden. Etwa 700 Einsatzkräfte werden vor Ort sein, um den Marsch zu bewachen.

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