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Programmüberblick:Vorläufige Jobs, vorläufige Lieben

Bei der 20. Ausgabe des Münchner Festivals "Wortspiele" erzählen junge Autorinnen und Autoren von der Gegenwart.

Von Antje Weber

"An den Wochenenden gingen wir zusammen aus. Wir sagten feiern gehen, obwohl wir nichts zu feiern hatten", schreibt Janna Steenfatt in ihrem Roman "Die Überflüssigkeit der Dinge" (Hoffmann & Campe). Doch die beiden gemeinsamen WG-Bewohner Ina und Falk ziehen diese Feier-Rituale auf St.Pauli eisern durch. So hangeln sie sich durch die Nächte, trinken, rauchen, tanzen, mit einer Bitterkeit, "die wir optimistisch für Ironie hielten".

Janna Steenfatt erzählt in ihrem Debütroman von jungen Menschen, die sich nicht festlegen wollen und gleichzeitig gespannt sind, "wie lange wir so leben würden, in vorläufigen Wohnsituationen, mit vorläufigen Jobs und vorläufigen Lieben". Damit steht diese Autorin, 1982 in Hamburg geboren, in ihrer Generation nicht allein. Auch beim Festival "Wortspiele" in München dürfte sie auf Kolleginnen oder Kollegen treffen, denen es ähnlich geht.

Zum 20. Mal lesen Anfang März wieder 18 junge Autorinnen und Autoren im Ampere des Muffatwerks an drei Abenden aus ihren Romanen; erwartet werden diesmal unter anderen Raphaela Edelbauer, Dana von Suffrin, Tonio Schachinger, Tom Müller und Joshua Groß. Am Ende jedes Abends, nach jeweils sechs Lesungen à 20 Minuten, entscheiden die Zuhörer über einen Tagespreis, am Ende aller drei Tage vergibt eine Jury dazu den mit 2000 Euro dotierten Bayern2-Wortspiele-Preis; auch ein Aufenthaltsstipendium des Goethe-Instituts in Peking ist zu gewinnen.

Sehr unterschiedliche Themen sind zu erwarten: Paula Irmschlers Debüt "Superbusen" zum Beispiel kreist nicht nur um weibliche Körperteile, sondern wirft auch einen ungewohnten Blick auf die Stadt Chemnitz. Christopher Kloeble erzählt eine historische Geschichte um die Brüder Schlagintweit, Amanda Lasker-Berlin von der Kluft zwischen drei Schwestern. Viele Facetten, auch bei Janna Steenfatt: Denn ihr Roman handelt nicht nur vom Feiern, sondern unter anderem auch vom Tod der Mutter, vom Trauern. Auch mit diesem Thema dürfte sie nicht allein sein.

Wortspiele, Festival für junge Literatur, Mi. bis Fr., 4.-6. März, 20 Uhr, Ampere, Zellstr. 4, Infos unter festival-wortspiele.eu

© SZ vom 04.03.2020
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