Premiere Altrömische Gspaßettl

Björn Puscha ist häufig mit einem Strohhut bekleidet, mit einem leichten Dreh ins Strizzihafte.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Björn Puscha zapft Bier im Schwabinger Vereinsheim und hatte auch schon mal einen Würstelstand auf der Wiesn. Vor allen Dingen aber übersetzt er fließend vom Bairischen ins Lateinische. An diesem Donnerstag präsentiert er sein erstes abendfüllendes Bühnenprogramm "Latin Lover"

Von Franz Kotteder

Schüler, die Latein lernen, finden das meistens überhaupt nicht lustig. Manchmal kommen ihnen die Lehrer entgegen und versuchen, etwas Humor in den Unterricht zu bringen, indem sie ihre Schüler eine Komödie der altrömischen Dichter Terenz oder Plautus übersetzen lassen. Aber deren Witze, seien wir ehrlich, haben doch schon ziemliche Bärte. Und so darf man froh sein, wenn die Geplagten nach kurzer Befragung des Google-Translators nicht antworten mit: "Rideat me potest pedem meum et dilacerant!" So übersetzt die seelenlose Maschine jedenfalls den schönen bayerischen Ausspruch, der gerne fällt, wenn man sagen will, dass etwas nicht besonders lustig ist: "Reiß mir einen Fuß aus, damit ich lachen kann!" Was Google daraus macht, ist allerdings ein rechter Schmarrn, denn die wörtliche Rückübersetzung ins Deutsche lautet: "Er möge mich lachen kann meinen Fuß und sie zerfleischen."

Björn Puscha setzt da andere Maßstäbe. Er füllt, wenn man so will, eine Marktlücke in der Münchner Kabarettszene aus. Denn sein Thema ist die lateinische Sprache, die er live auf der Bühne übersetzt. Das ist richtig lustig, was meistens allerdings nicht am Latein selbst liegt, sondern an der Art und Weise, wie Puscha das macht. Denn er erklärt die Sache im schönsten Bairisch und mit derartig lässigem Mutterwitz, dass man ihm einfach sehr gerne zuhört. Normalerweise sagt man über so jemandem, er könne auch aus dem Telefonbuch vorlesen, ohne zu langweilen, aber in Björn Puschas Fall ist es nun einmal Latein geworden.

An diesem Donnerstag bestreitet er damit sogar einen ganzen Soloabend im Schwabinger Vereinsheim an der Occamstraße. "Latin Lover" heißt das Programm, "wie auch sonst?", sagt Puscha. Drängt sich förmlich auf, der Titel. Besonders, wenn man mit einem Lateinprogramm sein Bühnendebüt gibt. Und eines Tages beschlossen hat, Latein zu studieren, obwohl man daheim auf dem Gymnasium in Burghausen als letzte Lateinnote in der elften Klasse einen Fünfer im Zeugnis gehabt hat.

Insofern kann Puscha aus eigener Erfahrung ganz gut verstehen, dass die Begeisterung vieler Gymnasiasten für Latein im Lauf der Zeit, sagen wir mal, nachlässt. "Anfangs ist das noch interessant, mit Kolosseum und Wagenrennen und so weiter. Aber dann kommt irgendwann Gerundium, Gerundiv und AcI. Schnarch!" Das sei wenig attraktiv, wenn es auf die Pubertät zugeht: "Die haut's ja dann auch hormonell ganz schön durcheinander."

Puscha weiß also, wovon er spricht. Bei ihm kam die Wende mit den Nachhilfestunden, die er seinem Cousin geben sollte. Da wurde die Sprache auf einmal dann doch interessant. Und nachdem die lange Phase zu Ende war, während der er sein bestandenes Abitur feierte - "darin war ich richtig gut!" -, ging er nach München, um zu studieren. Erst Politik, Geschichte und Literatur, aber das war es doch nicht so ganz. Latein kam für ihn auch noch in Frage, da musste man am Anfang in der Uni einen Einstufungstest machen, obwohl davon gar nichts in der Studienordnung stand. Er fragte nach, und die Dozentin sagte "Ach, das machen wir eigentlich nur, damit wir was zu lachen haben!" Die Antwort beeindruckt ihn noch heute: "Da hab' ich g'wusst: Hier bin ich richtig!"

Richtig lag er offensichtlich aber auch mit seinem Studentenjob. Anfangs bedienter er im Lustspielhaus, 2009 wechselte er nach vorne ins Vereinsheim. Das hatte gerade aufgemacht, hatte aber noch niemand, der sich hinter den Tresen stellte. Also sprang Puscha ein. Am Montag gab es dort die Mixed Show "Blickpunkt Spot", der Kabarettist Hannes Ringlstetter war damals noch der Moderator und lud alle möglichen Künstler zu dieser Show ein. "Irgendwann saß ich mal am Montagnachmittag da und habe Besteck gewickelt", erzählt Puscha, "der Hannes hat gerade auf einen Künstler gewartet, um den Ablauf zu besprechen. Dann fragte er mich, was ich sonst mache, wenn ich nicht Besteck wickle." Puscha sagte, er studiere Latein. "Es kam die normale Reaktion: ,Bist du narrisch?!' Ein normales ,Aha' oder was Neutrales gibt es nie." Ringlstetter war beeindruckt und meinte: "Hast du Bock und kommst nach der Pause auf die Bühne? Dann machen wir irgendeinen Schmarrn!"

Puscha hatte Bock, und sie machten irgendeinen Schmarrn. Er durfte live einen bairischen Satz ins Lateinische übertragen, in dem das Wort "Aufsitzrasenmäher" vorkam. Es war wie ein Sprung ins kalte Wasser, Puscha erinnert sich noch gut dran, dass er rot anlief und die Übersetzungsleistung bescheiden war: "In der Uni hätt' ich damit nicht punkten können." Im Vereinsheim kam er gut an, beim Bierzapfen und auf der Bühne, stets mit schwarzer Strickmütze oder Strohhut bekleidet, mit einem leichten Dreh ins Strizzihafte. Sein Kurzauftritt nebst Lateinübersetzung wurde zum festen Bestandteil der Show. Er überträgt: "I bin doch ned auf da Brennsuppn dahergschwomma" ebenso ins Lateinische wie: "D'Kellnerin hot's Bsteck z'spat bsteid." Dazwischen erläutert er, warum es in diesem oder jenem Satz einen Ablativ braucht. "Keine Sau weiß natürlich, was ein Ablativ ist", sagt er, "aber so hat sich mit der Zeit eine eigene Absurdität entwickelt."

Was soll man sagen? Er blieb in der Show, auch als Ringlstetter die Moderation abgab, und das Bayerische Fernsehen die Sendereihe "Vereinsheim Schwabing" auszustrahlen begann. Seither wird er schon mal auf der Straße aufgehalten und gefragt, ob er "der Lateiner aus'm Fernsehen" sei. Manchmal fragen Schüler, ob dieser oder jener Satz richtig übersetzt sei. Dabei hat er sein Studium schon vor sechs Jahren abgebrochen, als seine Tochter auf die Welt kam. Da ging es erst mal darum, Geld zu verdienen; Puscha war mit einem Würstelstand auf der Wiesn und der Auer Dult vertreten, beim Sommer- und beim Winter-Tollwood. Inzwischen arbeitet er drei Tage die Woche an einer Schule in der Mittagsbetreuung.

Irgendwann dachte er sich, während er so am Tresen stand und Bier zapfte und auf der Bühne die Show lief: "Das könnt' ich auch mal probieren." Klar war, einen ganzen Abend nur mit Latein, das ging nicht, es musste schon ein richtiges Programm sein. Er erkundigte sich bei Könnern des Fachs, die er bewunderte. Der eine sagte: "Setz' dir einen Termin, sonst wirst du nie fertig!" Der andere meinte, auf die allererste Premiere angesprochen: "Freu dich drauf!", aber auch beruhigend: "Es wird an diesem Abend nichts Weltbewegendes passieren."

So fasste er sich ein Herz und sprach die Herrin über die Termine im Lustspielhaus und im Vereinsheim im vergangenen August an, als wegen des Biergartenwetters gerade wenig zu tun war: "Kannt ma ned vielleicht einen Termin pro forma ausmachen, nur unter uns, so in etwa zwei Jahren?" Klar, meinte sie, wie wäre es mit dem 10. Dezember? Viel zu früh, auch Rom wurde schließlich nicht an einem Tag erbaut. Okay, dann 10. Januar ... Man einigte sich schließlich auf den 14. Februar 2019.

Nun ist es also soweit, Puscha sagt sich mantramäßig vor, was ihm das bewunderte Vorbild über den Start gesagt hat. Das Programm ist noch nicht ganz fertig, klar, aber die Vorstellung ist ausverkauft.

Lässt sich soweit ganz gut an, Puschas Solokarriere. Die ist wirklich ziemlich solo: Er hat keinen Regisseur, keinen Agenten, keine Homepage, nur die E-Mail-Adresse b.puscha@web.de, über die man ihn buchen kann. Bleibt noch zu hoffen, dass ihn am Donnerstag niemand bittet, er möge ihm doch einen Fuß ausreißen, zu Lachzwecken. Übersetzen könnte Björn Puscha diesen Satz selbstverständlich mühelos, nämlich so: "Evelle pedem meum, ut rideam!"