"Pink" im Zirkus Krone:"Helene Fischer auf Speed"

Eine Newcomerin ist sie nicht mehr, aber was heißt das schon? Die Punk-Popmusikerin Pink begeistert in München mit Liedern von ihrem sechsten Studioalbum. Auch wenn sich manch einer im Publikum an Schlagergesang erinnert fühlt.

Julia Weber

Mehr als zwei Stunden später als geplant kommt sie auf die Bühne. Die Backline, ein Teil der Lautsprecheranlage, war nicht pünktlich aus London gekommen. Wenn es ihr die Fans übel nahmen, die immerhin 60 Euro für die Karten gezahlt hatten, dann nicht lange. Pink sitzt zur Eröffnung der Show selbst am Schlagzeug. Nur wenige Takte, dann spring sie auf, wirft die Drumsticks ins Publikum. In einem schwarzen Lederkleid, Lederjacke, Stiefel, die bis übers Knie reichen und der typischen blonden Pink-Tolle rockt sie die Bühne und die Zuschauermenge.

Pink im Zirkus Krone

US-Sängerin Pink im Zirkus Krone: "Es bedarf keiner Flasche Whisky, um einen Song zu schreiben"

(Foto: dapd)

Fast schon intim ist die Atmosphäre im Zirkus Krone. Das Ganze ist nicht viel mehr als ein Clubkonzert. Es ist das einzige Konzert in Deutschland, neben einem Auftritt in London sogar das einzige in Europa. Die US-Punk-Popsängerin beginnt mit zwei Liedern vom neuen Album "The Truth About Love" - die Wahrheit über die Liebe. Schon beim zweiten Song "How come you are not here" sitzt niemand mehr. Erstaunlich viele Lippen bewegen sich zum Text.

"The Truth about Love" ist, vier Jahre nach "Funhouse", das sechste Studioalbum der aus Pennsylvania stammenden Musikerin. Im Juni letzten Jahres hat Alicia Beth Moore, wie Pink mit bürgerlichen Namen heißt, eine Tochter zur Welt gebracht. "Willow hat mir geholfen weniger ängstlich zu sein. Sie hat mir beigebracht, meine Gefühle zuzulassen und weniger wütend zu sein", sagt Pink auf der Pressekonferenz vor dem Konzert.

"Du bist ein Arsch, aber ich liebe dich trotzdem"

Wer nun befürchtet, Pink sei nach der Geburt ihrer Tochter verweichlicht, der kann beruhig sein. Das enfant terrible der Pop-Musik ist immer noch nicht angepasst, ihre Klänge sind immer noch rotzfrech, ihre Stimme unverkennbar und ihr Lachen immer noch rauchig. Pink erfindet sich mit diesem Album nicht neu, sie bleibt sich treu.

"Ich habe lediglich festgestellt, dass es keiner Flasche Whisky bedarf um einen Song zu schrieben", erzählt sie mit einem Lächeln. Und die Liebe? "Es gibt nur lieben oder fürchten", sagt die 33-Jährige. Sie hat sich entschieden zu lieben - ihren Ehemann Carey Heart. Ihm sind wohl auch Textzeilen wie "Du bist ein Arsch, aber ich liebe dich trotzdem" gewidmet. Nach wie vor gibt sie viel Privates preis, gewährt ihre Fans Einblick in ihr Innerstes.

"Dankeschön" auf Deutsch

Spätestens beim dritten Song, dem bekannten "You and your Hand", haben ihr die Zuschauer den verspäteten Anfang des Konzerts verziehen. Mehr Klassiker wie "Just like a Pill", "Family Portrait", "Dear Mister President", "Funhouse", "Fucking Perfect", "Sober" und eine Version von "Who knew", begleitet nur von einer Akustikgitarre, folgen. Mit dem obligatorischen "Dankeschön" auf Deutsch bedankt sie sich bei den Fans.

Nach 75 Minuten bereits ist die Show vorbei. Pink steigt herab von der Bühne, gibt noch ein paar Autogramme, schüttelt einige Hände. Das Licht in der Halle gibt den Blick frei auf die Fans. Sie sind ein bisschen reifer geworden. Ein Konzertbesucher vergleicht Pink mit Schlagersängerin Helene Fischer: "Es war für alle was dabei. Sie war wie Helene Fischer - nur auf Speed."

© Süddeutsche.de/mikö
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