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Percy Adlon:Nächster Halt Hollywood

Percy Adlon

Mit dem Film "Zuckerbaby" hatte Percy Adlon 1985 seinen ersten internationalen Erfolg.

(Foto: Carmen Jaspersen / dpa)

Der in München geborene Filmregisseur wird 85

Von Josef Grübl, München / Los Angeles

Nie sah die Münchner U-Bahn neonbunter aus, nie klangen Lautsprecherdurchsagen so sexy. Marianne Sägebrecht spielt in "Zuckerbaby" eine einsame Frau, die sich in die Stimme eines U-Bahn-Fahrers (Eisi Gulp) verliebt, seine Ankündigungen klingen in ihren Ohren wie purer Sex: "Nächster Halt Marienplatz", "Bitte an allen Türen einsteigen" oder "Zurückbleiben bitte". Es kommt dann auch zu körperlicher Nähe in diesem poppigen Filmmärchen aus dem Jahr 1985, der Hauptdarstellerin und ihrem Regisseur Percy Adlon bescherte es den internationalen Durchbruch.

Daher konnten die beiden ihren nächsten Film auch in der Wüste Kaliforniens drehen: Dorthin verschlägt es eine von Sägebrecht gespielte Bayerin; in einem Lodenkostüm samt Trachtenhut steht sie vor einem heruntergekommenen Motel, sie mietet sich ein, krempelt den Laden um und verliebt sich in einen Bühnenmaler (Jack Palance). "Out of Rosenheim" hieß der Film, 1987 war er ein Hit in amerikanischen Programmkinos, in Deutschland lockte er knapp eine Million Zuschauer in die Kinos. Seitdem pilgern Filmfans ins südkalifornische Newberry Springs, um das echte "Bagdad Café" (so der Originaltitel des Films) zu besuchen. Es folgten ein Serienableger mit Whoopi Goldberg und ein Bühnenmusical, Percy Adlon zog mit seiner Ehefrau Eleonore nach Los Angeles. Dort leben sie noch heute, in den Bergen Hollywoods. "Was Hollywood wirklich mit mir gemacht hat, ist, dass ich jetzt viel stärker meine eigenen Wurzeln begreife", sagte er vor ein paar Jahren in einem Filmporträt von Eckhart Schmidt.

Adlons Wurzeln liegen in München, dort wurde er im Jahr 1935 als Paul Rudolf Parsifal Adlon geboren, aufgewachsen ist er am Ostufer des Starnberger Sees, in Ammerland. Seine alleinerziehende Mutter entstammte der berühmten Berliner Hotelier-Familie Adlon, sein Vater Rudolf Laubenthal war Opernsänger. Nach dem Studium und einer Schauspielausbildung in München kam er zum Bayerischen Rundfunk, dort arbeitete er als Autor, Moderator und Sprecher. In den Siebzigerjahren drehte er unzählige Fernsehdokumentationen, unter anderem für die BR-Reihe "Unter unserem Himmel", in den Achtzigerjahren wandte er sich dem Kino zu.

Seinen bislang letzten Spielfilm, das Künstlerdrama "Mahler auf der Couch", drehte er 2010 als deutsch-österreichische Koproduktion mit seinem Sohn Felix Adlon. Dazwischen realisiert er Dokumentarfilme, unter anderem gleich mehrere über den 2017 verstorbenen Bildhauer Fritz Koenig. Dessen ehemaliges Anwesen in Ganslberg bei Landshut wollen seine Freunde Percy und Eleonore Adlon in eine multimediale Erlebniswelt verwandeln. Am 1. Juni wird der vielseitig talentierte Filmemacher 85 Jahre alt. ARD-Alpha widmet Percy Adlon einen Themenabend: Am Freitag, 29. Mai, sind von 20.15 Uhr an vier seiner Dokumentationen zu sehen. Am Montag, 1. Juni, erzählt er von 16 Uhr an in der Talksendung "Eins zu Eins" auf Bayern 2 aus seinem Leben.

© SZ vom 29.05.2020

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