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Parkettleger Claus Hitzinger:"Top motiviert"

Claus Hitzinger ist der Chef eines Parkettlegebetriebs und sagt, das letzte Mal, dass er einen deutschen Lehrling hatte, sei schon Jahre her.

(Foto: Stephan Rumpf)

Gerade Geflüchtete würden viel Eifer an den Tag legen

Warum er sich dafür einsetzt, dass Geflüchtete schneller einen Arbeitsplatz bekommen? "Wir haben gar keine andere Möglichkeit", sagt Claus Hitzinger. Er ist Chef eines Parkettlegebetriebs in München. Dass letzte Mal, dass er einen deutschen Lehrling hatte, liege Jahre zurück. "Und der ist nach drei Wochen wieder heimgegangen", sagt Hitzinger. Betriebe wie seiner, bei denen auch auf den Knien gearbeitet werden muss, hätten es in ganz Deutschland schwer, einheimische Arbeitskräfte zu finden. In Ländern wie Österreich sei das nicht anders. Hitzinger bezeichnet das Phänomen als ein "reines Erziehungsproblem". Die Eltern, so sagt er, seien "verrückter als ihre Kinder". Die Jugendlichen würden von zuhause mitbekommen, unbedingt studieren zu müssen, um im Leben etwas erreichen zu können. Dabei sei nun mal nicht jeder fürs Studium gemacht. Und finanziell müsse ein guter Handwerker einem Akademiker auch in nichts nachstehen.

Der Parkettleger Hitzinger hat schon mehrfach Geflüchtete aus Afghanistan ausgebildet. Aktuell lernt er gerade wieder drei Männer von dort an, hinzu kommt ein Mitarbeiter aus Nigeria, der als "Mann für alles" im Betrieb mithilft, wie sein Chef sich ausdrückt. Die vier Männer im Alter zwischen 19 und 32 Jahren seien "top motiviert", erzählt Hitzinger - und sie seien sich eben auch für anstrengende Arbeiten nicht zu schade. Diese Motivation mache das Zusammenarbeiten im Betrieb relativ unkompliziert. Selbst Kollegen, die etwas konservativer eingestellt seien, hätten durch das große Engagement der Neuen ihre Bedenken schnell über Bord geworfen.

Durch einen Auftrag kam Hitzinger mit Bellevue di Monaco enger in Kontakt, über die Flüchtlingshelfer erfuhr er dann von der Aktion "Lass mas halt arbeiten" - und wollte mitmachen. Den ersten geflüchteten Menschen in ein Unternehmen zu integrieren sei am schwierigsten, sagt Hitzinger. Doch der erzähle das dann seinen Freunden, die es dann ebenfalls weitersagen. Es erleichtere neuen Geflüchteten den Start, wenn bereits andere Menschen fremder Herkunft in der Firma angekommen seien. "Dann sehen sie, dass wir keine Rassisten sind." Hitzinger meint, gewisse Grundkenntnisse in Deutsch sollten schon vorhanden sein, wenn jemand eine Ausbildung beginnt. Notfalls kommuniziert er mit seinen neuen Mitarbeitern aber auch auf Englisch. Was das Rechnen angeht, muss der Handwerker bei seinen Lehrlingen aus dem Ausland oft ganz von vorn anfangen. Denn Matheunterricht, so sagt er, hätten viele in ihrer alten Heimat nie gehabt.

© SZ vom 12.04.2019
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