Orientierungsstufe in Neuperlach:Gezielte Förderung kultureller Vielfalt

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Dabei spielen Unterrichtsformen wie das Team-Teaching eine bedeutende Rolle. Das sei nicht nur für Kinder, die daheim eine andere Sprache als Deutsch sprechen, wichtig, sagt Gedig. Den Begriff "Migrationshintergrund" vermeidet sie, weil er in Neuperlach, einem Stadtteil mit relativ hohem Ausländeranteil, eher negativ besetzt ist. "Die kulturelle Vielfalt, die gerade Neuperlach bietet, ist für unsere Schule eine Bereicherung", erklärt sie. Die Schüler der Ori kommen aus 50 Nationen.

Korbinian, der wie alle Kinder im Text auf Wunsch der Schulleitung anders heißt, ist in Brasilien aufgewachsen, Lana wurde in Vietnam geboren, Sophias Vater kommt aus Ungarn. Alle drei haben es an der Ori in höhere Kurse geschafft, als ihre Übertrittsempfehlung vorschrieb. "Das macht mich schon stolz", sagt Korbinian. Sophia nickt. All ihre Freundinnen hätten es nach der vierten Klasse auf die Realschule geschafft. "Da war ich erst mal ganz schön traurig", sagt sie. Umso mehr freue sie sich darauf, im kommenden Jahr zu ihnen aufschließen zu können.

Schulleiterin Gedig sagt: "Hier sind die Kinder eine Gemeinschaft und lernen miteinander voneinander." Dabei könnten die stärkeren Schüler die schwächeren motivieren und zugleich Toleranz üben gegenüber jenen, denen das Lernen schwerer fällt. Manche Eltern fürchten allerdings, dass sich die Leistungen ihres Kindes verschlechtern könnten, wenn es von vielen schwachen Schülern umgeben ist - und schicken es daher lieber nicht an die Ori.

Mehr Zeit zum Lernen

Im Erdkunde-Unterricht in der Klasse 5.0 sind die Kinder unterschiedlich schnell. Während die Mitschüler noch eifrig Kontinente notieren, ist Paul bereits fertig. Schunk bittet den Jungen, sein Aufgabenblatt bunt anzumalen. Auf einen Schulgong wartet man vergeblich. "Wir versuchen, so viele Doppelstunden wie möglich einzuplanen, damit die Schüler vertieft lernen können", erklärt Gedig. "Da würde die Klingel nur stören."

Einzig der Gong zur Hofpause hallt um kurz vor zwölf. Lana, Paul und Sophia gehen sofort in den Speisesaal. Sie haben Tischdienst. Mit bunten Bechern, Tellern, Servietten und Besteck decken sie die Gruppentische. "Auch das gehört zur Ori, das kennen viele Kinder nicht von daheim", sagt Gedig. Schulen haben heute viel mehr Aufgaben als die reine Wissensvermittlung. Wahrscheinlich ist es der Rektorin auch deshalb wichtig, das Gemeinschaftsgefühl ihrer 600 Schüler über den Unterricht hinaus zu fördern. Als in der Mensa schon alle essen, dreht sich Paul um. "Ich finde es schade, dass wir nur zwei Jahre hier bleiben", ruft er. Dann bufft er seinen Kumpel freundschaftlich in die Seite und schiebt sich eine große Gabel voll Lasagne in den Mund.

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