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Online-Petition:Kippen sammeln

Christoph Dünhuber aus Erding studiert Betriebswirtschaftslehre.

(Foto: Privat)

Christoph Dünhuber will ein Pfandsystem für Zigarettenstummel etablieren

Herr Dünhuber, ganz Deutschland hasst das Einwegpfand. Umweltschützer hätten lieber Mehrweg. Die Industrie würde Plastikflaschen lieber verbrennen. Wie glauben Sie, die Deutschen jetzt auch noch von einem Pfand auf Zigarettenstummel überzeugen zu können?

Bisher ist das Feedback positiv. Von den Nichtrauchern sowieso. Viele sind natürlich skeptisch, dass sich das realisieren lässt. Aber neulich hat sogar eine Raucherin im Internet einen Kommentar geschrieben, dass sie es befürworte, weil sie dann kein schlechtes Gewissen mehr hätte.

Wie groß ist das Problem denn?

In Deutschland werden pro Tag 204 Millionen Zigaretten geraucht. Laut einer amerikanischen Studie werden etwa 80 Prozent davon auf den Boden geworfen, das wären 160 Millionen Zigarettenkippen, die pro Tag auf dem Boden landen. Also etwa eine Milliarde pro Woche, 52 Milliarden im Jahr! Es drohen zwar Geldbußen zwischen 25 und 100 Euro, wenn man Kippen auf den Boden wirft. Aber haben Sie schon mal von jemandem gehört, der bezahlen musste?

Noch nie.

Genau. Deswegen bringt das nicht so viel. Wenn es keinen Druck gibt, passiert nichts.

Was ist Ihr Vorschlag?

Wir wollen pro Zigarette 20 Cent Pfand erheben. Wir haben einen ersten Konzeptentwurf gemacht und sind offen für Verbesserungsvorschläge. Das System muss automatisierbar sein und möglichst einfach.

Moment mal. Dann kostet die große Packung nicht mehr 10 Euro, sondern...

... bei vier Euro Pfand pro Packung wären es insgesamt 14 Euro.

Und wie geben Raucher ihre Kippen zurück?

Wir stellen uns das so vor, dass Raucher mit der Zigarettenpackung beim ersten Mal auch einen Taschenaschenbecher erwerben. Der muss natürlich dicht sein und darf keine Gerüche raus lassen. Der Pfandautomat müsste dann automatisch erkennen, wie viele Kippen drin sind. Entweder optisch oder nach Gewicht.

Lassen sich diese Stummel voller Giftstoffe denn überhaupt recyceln?

Es gibt Unternehmen, die sich auf das Recycling von schwer abbaubaren Stoffen spezialisiert haben. Das geht auch mit Zigarettenfiltern. Die werden eingeschmolzen, und dann die Giftstoffe getrennt. In der Natur sind die sehr schwer abbaubar. Wenn das zum Beispiel in einen Fluss gelangt, dann kommen auch die ganzen Giftstoffe wie Nikotin oder Arsen mit und damit in den Nahrungskreislauf: vom Fluss ins Meer, dort nehmen es die Fische auf und die essen wir wieder. Bei einer Untersuchung von Seevögeln wurden in mehr als 70 Prozent der Tiere Substanzen aus Zigarettenstummeln nachgewiesen.

Wie reagiert denn die Zigarettenindustrie auf Ihre Vorschläge?

Bisher eher negativ. Der Deutsche Zigarettenverband meint, dass die Umsetzung eine große Infrastruktur braucht und viel kosten würde. Wir sagen, aus dem nicht eingelösten Pfand könnte auch ein Gewinn entstehen, davon ließen sich zum Beispiel Reinigungskosten bezahlen. Wenn man sich nachhaltig entwickeln will, sind eben Anfangsinvestitionen notwendig.

Besser wäre gar kein Müll. Pfeife etwa?

Es sind ja neuerdings diese elektronischen Tabakerhitzer auf dem Markt. Aber da stecken leider auch wieder Filter drin, das Problem bleibt dasselbe.

Vor zehn Jahren hat Sebastian Frankenberger per Volksbegehren ein Rauchverbot in Gaststätten erwirkt. Er sagt, er kriegt heute noch Morddrohungen. Haben Sie schon Personenschutz beantragt?

Teilweise kommen wirklich Kommentare, da muss man schon fast Angst haben. Trotzdem hoffen wir, dass die Menschen verstehen, dass der Aufwand gerechtfertigt ist, um die Verschmutzung der Städte und der Umwelt zu stoppen.

Dünhuber hat eine Petition in Internet gestartet unter: bit.ly/kippenpfand