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Olympiapark München:Riskante Spiele

"Da muss man von vornherein mit Organisationskosten von 70 bis 80 Millionen Euro rechnen", sagt Hartung. Das ist der Stadt und den Steuerzahlern gewiss schwer zu vermitteln. "Auch als der Eurovision Song Contest nach dem Sieg von Lena nach Deutschland ging, waren wir interessiert", sagt Hartung. Doch die hohen Anforderungen - lange Nutzungszeit bei allenfalls symbolischer Miete - haben viele Hallenbetreiber abgeschreckt. "Sechs bis acht Wochen die Halle zumachen, keine Miete kriegen, da finde ich es richtig, dass München auch mal Nein sagt."

Überhaupt, die Finanzen. Im Jahr 2011 erwirtschaftete die Olympiapark GmbH einer stabilen Auslastung zum Trotz ein Defizit von 16 Millionen Euro, das von der Stadt München aufgefangen wurde. Diesem Betrag stehen noch einmal 469 Millionen Euro gegenüber, die für die notwendigen Sanierungsarbeiten der unter Denkmalschutz stehenden olympischen Anlagen voraussichtlich benötigt werden. So zumindest sieht es eine Aufstellung der Stadtverwaltung vor, die dem Stadtrat Anfang des Jahres zugeleitet worden ist. Die Zahl liegt damit noch einmal um 70 Millionen Euro höher als in der vorausgegangenen Schätzung ein Jahr zuvor.

Vor sechs Jahren wurde mit den ersten Arbeiten begonnen, seitdem sind im Olympiapark bereits etwa 111 Millionen Euro verbaut worden. Sie sind in der Schätzung enthalten. Die derzeitige Planung der Stadtverwaltung reicht nun bis ins Jahr 2032 hinein. Ob der Stadtrat in dieser Zeit alle Sanierungsmaßnahmen in voller Höhe genehmigt, ist aber offen. Doch selbst wenn sich die Stadträte für abgespeckte Sanierungsprogramme aussprechen, werden die Belastungen für die Stadt gewiss nicht unerheblich sein. Das wurde in jüngster Zeit wieder deutlich: Erst im April hatte der Wirtschaftsausschuss des Stadtrats beschlossen, die jährlichen Zuschüsse an die Olympiapark GmbH von 37,5 auf 40 Millionen Euro zu erhöhen.

Der Olympiapark GmbH bleibt also kaum etwas anderes übrig, als einen möglichst großen Anteil der Kosten durch Einnahmen wieder reinzuholen. Dabei konzentrieren sich die Betreiber vor allem auf die großen Sportstätten: An 115 Veranstaltungstagen war die Olympiahalle im Jahr 2011 belegt, auf das Stadion entfielen 35 Tage. Bei der Halle sei man damit bis auf acht oder zehn Veranstaltungstage am Maximum des Machbaren, sagt Hartung. Beim Stadion sei noch Luft für etwa vier oder fünf Veranstaltungen mehr pro Jahr. Die reine Tagesmiete für die Halle liegt bei 20 000 Euro, für das Stadion werden 50 000 fällig. Am lukrativsten sind vor allem die Jahreshauptversammlungen großer Konzerne wie die von BMW am vergangenen Dienstag. Sie bringen der Gesellschaft etwa 100 000 Euro ein - immerhin halb so viel wie seinerzeit ein großes Champions-League-Spiel im Olympiastadion.

Der Olympiapark muss deshalb auf neue Veranstaltungskonzepte wie etwa die X-Games setzen, die Ende Juni stattfinden. "Sahnehäubchen" nennt sie Arno Hartung - weil sie wichtig fürs Image der Anlage seien. Das Spiel ist riskant, denn zuletzt bei der DTM entpuppte sich die Sahne hinterher als allzu sauer.

Wie viel Kommerz verträgt der Park? "Das ist in der Tat eine Gratwanderung", sagt Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD), die Vorsitzende des Aufsichtsrats der Gesellschaft ist. Für sie ist die Grenze des Machbaren dort, "wo die Erholungsfunktion des Parks dauerhaft eingeschränkt würde". Geht es nach der Betreibergesellschaft, dann ist eine Menge möglich. "Das Gelände ist für eine intensive Nutzung gebaut worden, das verträgt der Park auch", sagt Ralph Huber. Auch für Hartung soll der Park eines nicht sein: "Ein zweiter Englischer Garten."

© SZ vom 18.05.2013
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