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Olympia 2018:Willy Bogner und der Ein-Euro-Olympiajob

"In Bayern, in Deutschland und in der Welt bekannt": Willy Bogner wird überraschend Chef der Bewerbungsgesellschaft.

Jan Bielicki

Für den vergangenen Donnerstag hatten die beiden Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft München 2018 eigentlich einen Termin mit Willy Bogner vereinbart. Richard Adam und Bernhard Schwank wollten den Modeunternehmer als Sponsor der Münchner Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2018 gewinnen. Bogner ließ das Treffen kurzfristig absagen. Am Freitag saß er Adam und Schwank dann aber doch gegenüber - als ihr neuer Chef.

Bogner Olympia 2018

Mit Bogner bekommt die Bewerbung ein international bekanntes Gesicht.

(Foto: Foto: dpa)

"Um ein Zeichen zu setzen", so verkündete hinterher Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hatten die Gesellschafter der Bewerbungsgesellschaft Willy Bogner auf ihrer Versammlung im Rathaus einstimmig zum Vorsitzenden der Geschäftsführung bestellt.

Bereits in zehn Tagen will Bogner ein Büro in den Räumen der Olympia-Planer beziehen und von dort aus - für das budgetfreundliche Gehalt von einem Euro - die Münchner Bewerbung steuern, bis das Internationale Olympischen Komitee (IOC) im Juli 2011 über die Vergabe der Winterspiele 2018 entscheidet.

"Wir werden ihn nicht extra vorstellen müssen", pries Bach seinen neuen Mann an. "Mit Bogner", so schloss sich Oberbürgermeister Christian Ude diesem Urteil an, "bekommt die Bewerbung ein international bekanntes Gesicht". Tatsächlich ist Willy Bogner als Unternehmer, Filmregisseur und ehemaliger Skirennläufer (siehe unten) "in Bayern, in Deutschland und in der Welt bekannt, renommiert und geschätzt", wie der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon lobte.

"Er ist der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt", erklärte DOSB-Chef Bach die Personalie. Denn nach der offiziellen Erklärung der Münchner Kandidatur gehe es nun "in einer neuen Phase unserer Bewerbung verstärkt darum, nach außen national und vor allem international für unser Konzept zu werben". Mit Willy Bogners Ernennung, so Bach, "wollen wir Aufbruchstimmung signalisieren".

Das ist nicht nur nach Ansicht der Gesellschafter nötig. "Mit der Bewerbung musste jetzt etwas passieren", sagt ein Olympiawerber. Zwar liegen die Planer beim Zusammenstellen der Bewerbungsunterlagen gut im Zeitlimit und haben das so genannte Mini Bid Book, das München beim IOC einreichen muss, so gut wie fertig.

Doch das Stricken eines internationalen Lobby-Netzwerks, das stark genug ist, um die 115 IOC-Mitglieder von Münchens Kandidatur zu überzeugen, trauten die Gesellschafter der bisherigen Mannschaft nicht zu. Dazu kommt: Zwar konnte Geschäftsführer Adam verkünden, die Werber könnten demnächst einen weiteren Großsponsor vorstellen. Doch damit wären erst, so Adam, "gesichert 14, fast gesichert 17 Millionen Euro" des auf 29,7Millionen Euro veranschlagten Bewerbungsbudgets festgezurrt.

Darum waren die Gesellschafter sehr erleichtert, als Bogner vor knapp drei Wochen seine Bereitschaft erklärte, als Ein-Euro-Jobber anzutreten. "Damit stellen wir die Bewerbung auf eine höhere Ebene", sagt ein Aufsichtsrat. Bogner spreche "auf Augenhöhe mit Vorstandsvorsitzenden der Großunternehmen, der muss sich nicht mit den Marketingchefs herumschlagen". Eine Bitte Bogners um einen Termin werde national wie international "kaum jemand abschlagen können".

Zwei Aufgaben kommen jetzt auf Münchens neuen Oberolympioniken zu - und eine dritte hat er sich selber ausgesucht: Erstens soll er die für die Bewerbung noch fehlenden Sponsoren-Millionen eintreiben. Zweitens soll er, so formuliert er selbst sein wichtigstes Ziel, "beim IOC Begeisterung für die Münchner Bewerbung wecken".

Und dann will er drittens noch ganz persönlich in Garmisch-Partenkirchen jene Olympia-Zweifler überzeugen, die in dem für die Ski-Wettbewerbe vorgesehenen Ort bereits mit Bürgerbegehren drohen. Garmischs Bürgermeister Thomas Schmid und sein Münchner Kollege Ude erteilten Rufen nach Bürgerentscheiden eine klare Absage: "Dazu", so Ude, "ist es jetzt viel zu spät."

© SZ vom 07.11.2009/sonn
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