Obermenzing Gordischer Knoten

Ein runder Tisch im Pasinger Rathaus soll Bewegung bringen in die verfahrene Situation um die Erweiterungspläne für das russisch-orthodoxe Kloster in Obermenzing, doch die meisten Behörden bleiben dem Treffen fern

Von Jutta Czeguhn, Obermenzing

Konrad Fischer war schon mit vielen Sakralbauten und deren Sanierung befasst. Die St.-Marien-Kirche in Berlin-Mitte etwa oder die Klosteranlagen Reichenstein und Waldsassen. Seit einigen Jahren kümmert sich der Architekt aus Oberfranken um ein vergleichsweise kleines Projekt, das ihm und allen Beteiligten jedoch überproportional viel Kopfzerbrechen bereitet. Plan um Plan hat er für die Mönche vom russisch-orthodoxen Kloster des heiligen Hiob von Počaev in Obermenzing entworfen. "Nichts Überzogenes, denn Gold wächst nicht vom Himmel", sagte Fischer jetzt bei einem runden Tisch im Pasinger Rathaus, wo die Mönche ihre Nöte und Ideen für eine Sanierung und Erweiterung ihrer denkmalgeschützten Anlage vorstellten. Es geht um einiges: Sollten sie dieses Projekt nicht verwirklichen können, müssten die langbärtigen Männer in Schwarz den Klosterbau nahe Schloss Blutenburg nach 73 Jahren aufgeben.

Den prunkvollen Kirchenraum kann man am kommenden Sonntag, 16. September, besichtigen. Das Kloster öffnet von 11.30 bis 16 Uhr seine Türen.

(Foto: Florian Peljak)

Der Bau, ein ehemaliges Heim der Hitlerjugend, ist marode. Und die aktuell elf Mönche dieses einzigen russisch-orthodoxen Männerklosters in Westeuropa, unter ihnen zwei Erzbischöfe, leben in sehr beengten Verhältnissen: in Sechs-Quadratmeter-Zellen unter einem zugigen Dach, ohne WC und Bad. Sie selbst sprechen von "Pfadfinder-Niveau" mit dem "Wohnkomfort von Zelten im Wald". Als Diözesan- und Bischofssitz fehlen dem Kloster zudem Versammlungs- und Gästeräume, und auch die Werkstätten für Druckerei und Wachsfertigung sind räumlich längst an ihren Grenzen angekommen.

Derzeit leben dort die Mönche in sehr beengten Verhältnissen. Ihre Zimmer haben weder Bad noch WC.

(Foto: Florian Peljak)

Problem für die Mönche und ihren Architekten: Weder das Münchner Planungsreferat, genauer die Lokalbaukommission (LBK), noch das Landesamt für Denkmalpflege stehen ihren Plänen wohlwollend gegenüber, weshalb sie offensichtlich auch der Einladung an den runden Tisch nicht gefolgt waren. Die Begründung des Planungsreferats: Man habe der russisch-orthodoxen Diözese sowie dem Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing die baurechtliche Situation bereits umfänglich erläutert. Es gebe nur die Möglichkeit zu einer behutsamen Sanierung des denkmalgeschützten Klostergebäudes, bestenfalls in Verbindung mit einem dazu kleineren Ergänzungsbau. Auch die Denkmalschützer kommunizierten einen Absagegrund: Da bisher die Planung der Erweiterung des Klosters noch nicht genug fortgeschritten sei, sei es für das Landesamt im laufenden Verfahren noch zu früh, sich zu beteiligen. "Bisher wurden keine konkreten Pläne vorgewiesen, die abstimmungsfähig wären."

Wie eine Brosche soll sich laut Architekt Konrad Fischer der Neubau um das alte Klosterdenkmal legen.

(Foto: Konrad Fischer/oh)

Pläne, die nun im Pasinger Rathaus vorgestellt wurden. Er habe jeden Quadratmeter mit den Mönchen diskutiert, sagte Architekt Fischer, der auch bei den Behörden schon des Öfteren vorstellig war. Sein aktueller Entwurf zeigt "eine Brosche um das historische Herz des Klosters, mit Respekt vor dem Grünzug". Will heißen, der Altbau wird saniert, in dem heute verschachtelten kleinen Kirchenraum soll später das Refektorium untergebracht werden. Die Kirche, versehen mit einer Kuppel, zieht in den Mitteltrakt eines E-förmigen Neubaus an der Westseite des Geländes. In dessen Seitentrakten sollen die Mönchszimmer und Gästeräume unterkommen. Laut Fischer - und dieser Hinweis ging an die ebenfalls abwesende Schlösser- und Seenverwaltung - werden die Sichtachsen zwischen den Schlössern Blutenburg und Nymphenburg nicht verletzt. Da der Baumbestand im Wesentlichen erhalten bleibe, werde auch weiterhin kaum etwas von der Klosteranlage sichtbar sein. Problem: Bislang führt die Zufahrt zum Kloster über den kleinen Schirmerweg, was die LBK aus feuerpolizeilicher Sicht ablehnt. Die Erschließung ist also nicht gesichert.

Das scheint auch der Knackpunkt zu sein bei einem höchst interessanten Angebot, das Christian Donauer den Mönchen am runden Tisch machte. Der Mann von der Immobilien Freistaat Bayern, der das Klostergrundstück gehört, war der einzige Behördenvertreter am Tisch. Die Immobilien Freistaat Bayern wären bereit, der russisch-orthodoxen Diözese das Erbbaurecht für das Grundstück zu übertragen, sagte Donauer. Grundvoraussetzung für einen solchen Vertrag aber sei eine genehmigungsfähige Planung samt Erschließung und Feuerwehrzufahrt. Der Freistaat wolle das Kloster in seinem Bestand erhalten und die Mönche in ihren Erweiterungsplänen unterstützen. Das will auch der Bezirksausschuss, dessen Mitglieder verärgert und enttäuscht über die Absagen der Behörden waren. "Es fehlt offensichtlich am politischen Willen auf höherer Ebene", sagte Frieder Vogelsgesang (CSU), der das Thema nun in den Stadtrat tragen möchte. Wie genau der "gordische Knoten" gelöst werden könnte, blieb beim runden Tisch letztlich offen. Fest steht, dass die Mönche wie auch die Politiker in Pasing und Obermenzing um das Kloster kämpfen werden.