Noch im Probebetrieb Fast nigelnagelneu

Einmal Zugführer sein: Horst Seehofer (vorne) und Rüdiger Grube.

(Foto: Stephan Rumpf)

Bahn-Chef Grube zeigt Horst Seehofer den neuen ICE 4

Von Andreas Schubert

Schon was Tolles, so ein neuer Zug. Und wenn Rüdiger Grube, Vorstandschef der Deutschen Bahn AG, dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer den neuen ICE 4 vorstellt, zieht das einen fast so großen Medienauftrieb hinterher wie der Eröffnungsrundgang der Wiesn. Nur fast zwar - aber wenn eine Presserunde im Bordrestaurant eines Zuges stattfindet, wird es mitunter schon mal kuschelig.

Schon seit Ende Oktober verkehrt der neue ICE im Probebetrieb zwischen München und Hamburg, ist also nicht mehr ganz so nigelnagelneu. Trotzdem muss eine Bahnsprecherin eingreifen, als die mit Kameras bewehrte Meute mit ihren Winterstiefeln auf die Sitzbänke steigt, um ein Bild oder einen Tonfetzen vom Grube-Seehoferschen Zwiegespräch einzufangen.

Und natürlich gibt es da - was sonst - Bahnbrechendes zu hören, wenn ein Rüdiger Grube sein "Flaggschiff" anpreist, mit dem in den vergangenen Wochen schon 125 000 Passagiere gereist sind. In der Tat hat der Zug ja so einiges an neuen Ausstattungsmerkmalen zu bieten, dass selbst ein Zugbegleiter bei der Präsentation ins Schwärmen gerät. Eine neue Klimaanlage zum Beispiel hat der Zug, Fahrrad- und Rollstuhlplätze, ein neues Beleuchtungskonzept, neue Anzeigen und kostenloses Wlan. Weil der ICE 4 satte 13 500 PS hat und quasi einen Allradantrieb, preist Grube auch dessen Beschleunigung.

Seehofer lobt ebenfalls die Vorzüge des neuen Zuges und dessen Komfort sowie die Bahn an sich, nicht zuletzt für deren Bestrebungen, den Fernverkehr massiv auszubauen. Auch die Planungen und Arbeiten, den Münchner Flughafen endlich an die Schiene besser anzubinden, ist aus seiner Sicht überfällig - besonders angesichts des "Verkehrsinfarktes" auf den Straßen. "Ich habe von Ingolstadt bis zur Allianz-Arena genauso lange gebraucht, wie von der Arena bis hierher", meinte Seehofer beim Termin am Hauptbahnhof.

Bahnchef Grube formuliert denn auch das Ziel seines Unternehmens: In Deutschland solle der Bahn-Fernverkehr wie eine S-Bahn im Halbstundentakt verkehren. Bis 2018 wolle man auf den ICE-Strecken auch die Telefonie verbessern. Seehofer wiederum preist einen weiteren Vorzug des Zugreisens an, nämlich dass man entspannt während der Fahrt arbeiten könne. Er selbst ist als Ministerpräsident allerdings ziemlich selten mit dem Zug auf Dienstreise - nämlich nie. Für seine Modelleisenbahn allerdings, sagt Seehofer, werde er sich den neuen Zug bald zulegen.