bedeckt München 19°
vgwortpixel

Netzwerk:München gehört zu den aktivsten Städten auf nebenan.de

Es geht nicht nur darum, wie Hoerpel Leute mit gleichem Hobby zu suchen. Die Nachbarn sollen sich austauschen und gegenseitig helfen. So laden die einen zum Beispiel zum Sonntagsfrühstück ein, andere suchen Putzhilfen oder Hebammen. Das Netzwerk bietet auch einen Marktplatz. Stöbert man hier in den Angeboten, sieht man Klamotten oder Konzerttickets, aber auch Dinge wie ein Nasenspülset, eine Toilettensitzverkleinerung oder den kompletten Inhalt eines Kinderzimmers.

Stähler-Schöpf erzählt, dass eine Nachbarin einmal Quitten zu verschenken hatte. Sie habe sofort geschrieben und sei vorbeigegangen. "Und wer macht mir die Tür auf? Eine, die ich vom Chor kenne. Das war wirklich lustig." Weil sie auf nebenan.de nur den Vornamen gesehen habe und nicht wusste, wo ihre Chorkollegin wohnt, habe sie damit nicht gerechnet.

Große Nachfrage

Das Thema Nachbarschaftshilfe hat längst die Kommunalpolitik erreicht. Vor allem die SPD-Stadtratsfraktion hat, teilweise gemeinsam mit dem Kooperationspartner von der CSU, in den vergangenen Monaten einige Vorstöße gewagt, um insbesondere ältere Menschen zu unterstützen, die nicht mehr ohne fremde Hilfe einkaufen, putzen oder andere Dinge im Haushalt erledigen können. Schon jetzt kommen Hilfsdienste nicht ohne Ehrenamtliche aus. Ohne die Freiwilligen könnte die große Nachfrage nach bezahlbarer Unterstützung nicht annähernd befriedigt werden. Das Sozialreferat soll nun darstellen, welche Angebote es bereits gibt und wo diese verbessert werden könnten. Zudem sollen die Helfer entlastet werden. Denkbar wäre, so argumentieren SPD und CSU, eine Notrufnummer, die abends und am Wochenende durchgehend erreichbar ist, um schnell Unterstützung zu organisieren, wenn diese dringend nötig sei. Die Sozialdemokraten wollen zudem bereits bestehende Angebote der Nachbarschaftshilfe für Senioren, wie sie etwa die Vereine Nachbarschaftshilfe Aubing oder Wohnen im Alter im Cosimapark machen, auch auf andere Stadtteile ausweiten. Die Stadtverwaltung soll dazu noch in diesem Jahr Stellung nehmen. mest

Für Leute wie Stähler-Schöpf geht Vollmanns Vision also auf - und auch, wenn man nach den Zahlen geht: Das Netzwerk ist mittlerweile seit gut drei Jahren online. Bereits im vergangenen Herbst wurde die Marke von einer Million Nutzern geknackt. In Deutschland wird nebenan.de in allen großen Städten, aber auch in kleinen Dörfern genutzt. Zudem ist das Netzwerk in Frankreich, Spanien und Italien vertreten. Laut den Betreibern ist München mit mehr als 80 000 Nutzern eine der aktivsten Städte. Die lebendigsten Nachbarschaften sind dabei das Glockenbachviertel, das Franzosenviertel und Alt-Sendling. Dort gibt es jeweils deutlich mehr als 1000 Nutzer.

Seit kurzem kümmern sich Vollmann und sein Team verstärkt um das Thema Refinanzierung. Wie Facebook Daten sammeln und Werbung schalten, das wollen sie auf keinen Fall, sagt Vollmann. Bisher wurde das Startup von Investoren gestützt. Inzwischen können auch Nutzer freiwillige Förderer werden. Zudem gebe es vermehrt Kommunen, die den Mehrwert von nebenan.de erkennen, sagt Vollmann. Oftmals klopfen auch kleinere Gemeinden an und seien bereit, sie zu unterstützen, damit das Netzwerk auch in ihrer Gegend aufgebaut werden könne. Anfangs konnten sich nur Einzelpersonen anmelden. Jetzt dürfen auch Gewerbetreibende gegen ein Entgelt ein Profil erstellen und Veranstaltungen posten - auch die bereichern die Nachbarschaft, findet Vollmann.

Clara Holzheimer ist Koordinatorin im Stadtteilkulturzentrum Guardini90 in Hadern, welches niederschwellige Kulturangebote schafft. Für das Zentrum hat sie ein Profil auf nebenan.de erstellt. "Wir nutzen die Plattform, um unsere Veranstaltungen bekannt zu machen", sagt Holzheimer. So habe man eine neue Zielgruppe erreichen können. Ehrenamtliche für ihr Kulturzentrum habe sie aber nicht über nebenan.de rekrutiert. Wenn es um langfristiges Engagement geht, schaue sie sich zum Beispiel eher auf der Münchner Freiwilligenmesse um.

Doch Holzheimer nutzt die Plattform auch privat. Sie findet, dass die Seite für eine Vernetzung auf lokaler Ebene viel besser geeignet ist als Facebook. Für Hoerpels Soundpainting-Aktion stellt sich nebenan.de ebenfalls als hilfreich heraus. Nach zwei Tagen hat er schon genügend Leute beisammen, mit denen er sich jetzt zum Improvisieren treffen kann.