Nationalistische Gruppen beim Volkstrauertag:Gäste vom rechten Rand

Lesezeit: 3 min

Nationalistische Gruppen haben seit Jahren aktiv an der Gedenkfeier zum Volkstrauertag in München teilgenommen. Lange gaben sich die Politiker ahnungslos. Erst jetzt - nach Bekanntwerden der neonazistischen Mordserie - zeigen sie sich peinlich berührt.

Bernd Kastner

Der Innenminister fand klare Worte: "Verfassungsfeinde haben hier nichts zu suchen." So reagierte Joachim Herrmann (CSU) auf die Teilnahme von weit rechts stehenden Gruppen an der Feier zum Volkstrauertag. Die Burschenschaft Danubia war im Hofgarten ebenso angetreten wie die "Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger".

Bruck: Volkstrauertag - Gedenkfeier vor Leonhardi-Kirche

An der Gedenkfeiertag am Volkstrauertag haben nicht nur Bundeswehrsoldaten und Polizisten teil genommen. Offenbar gehörten zu den Gästen auch nationalistische Gruppen.

(Foto: Johannes Simon)

Der Minister selbst war Hauptredner am 13. November und scheinbar ahnungslos, wer da so alles in diversen Uniformen neben ihm stand. Dabei hätte er gewarnt sein können.

Ausrichter der Feier ist der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Freistaat und Stadt kooperieren abwechselnd. Es waren die Nazi-Gegner von Aida, dem antifaschistischen Informationsarchiv, die auf die Gäste vom rechten Rand hingewiesen hatten. Ausgerechnet jener Verein schlug Alarm, der von Herrmann seit Jahren als Verfassungsfeind bekämpft wird.

Doch in diesem Fall muss der Minister Aida recht geben: Es sei "unzumutbar und völlig inakzeptabel", wenn bei der Feier "Leute anwesend sind, die nicht zweifelsfrei auf dem Boden der Demokratie stehen".

Das Ritterkreuz hatte Hitler für Tapferkeit verliehen, an Angehörige von Wehrmacht und Waffen-SS. Im Hofgarten legten die Veteranen einen Kranz nieder mit einer Schleife in Schwarz-Weiß-Rot, den von den Nationalsozialisten missbrauchten Kaiserfarben. Die Danubia stand über mehrere Jahre im Verfassungsschutzbericht des Innenministers, nun traten Danuben im Beisein des Ministers in voller Montur an. Die Burschenschaft Cimbria hatte die Hofgarten-Feier auf ihrer Internetseite angekündigt als "Heldengedenken" - eine Diktion der Nationalsozialisten.

"Bedauerlich" sei es, so Herrmann, dass "keiner" die Präsenz von "Gruppen mit politisch fragwürdigem Hintergrund erkannt" habe. Dabei ist es nichts Neues, dass jeden November genau diese kommen, teils auf Einladung. Neu ist nur der zeitliche Kontext: Zwei Tage nach Bekanntwerden der neonazistischen Mordserie gedachte der Innenminister, in Vertretung des Ministerpräsidenten, vor der Staatskanzlei Seit' an Seit' mit Rechtsaußen der Kriegstoten.

Zur SZ-Startseite