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Deutscher Kinostart:Alles wie immer

Alles ist wie immer - und genau das ist das Ziel der Betreiber. "Es gibt ohnehin keine totale Sicherheit", meint ein Cinemaxx-Sprecher. Um dennoch ein "Sicherheitsgefühl zu erzeugen", hat der Kino-Konzern zusätzlich zur Stammbelegschaft einen externen Security-Mann engagiert, der sich jedoch so diskret im Hintergrund aufhält, dass er selbst bei genauem Hinschauen nicht auffällt.

In den USA ging es mancherorts bei den ersten Batman-Vorstellungen nicht ganz so friedlich zu. In Arizona führte das Verhalten eines offenbar alkoholisierten Mannes dazu, dass 50 Menschen in Panik das Kino verließen. In Maine wurde ein Mann festgenommen, der damit gedroht hatte, einen ehemaligen Mitarbeiter zu erschießen und der Waffen sowie einen Zeitungsausschnitt über die Schießerei in Colorado im Auto deponiert hatte. Und in Südkalifornien soll ein Mann während einer Vorstellung wilde Drohungen geäußert haben - auch er wurde festgenommen.

In München sind auch verkleidete oder gar maskierte Zuschauer kein Problem. "Das können und wollen wir nicht verhindern", sagt der Sprecher. Einzige Ausnahme: Sollte die Maske eines Gastes andere ängstigen, müsste sie abgenommen werden. Und wenn ein Zuschauer auffällig werden sollte, könnten die Mitarbeiter jederzeit eingreifen, sagt der Sprecher - und erzählt dann vom Start der Action-Komödie "New Kids Nitro" Anfang 2012. Dieser Film sei etwas heikel gewesen, weil er etliche Zuschauer angelockt hätte, die den Filmsaal zu einer Partylocation machen wollten.

Auch das Mathäser-Kino am Stachus ist weit davon entfernt, eine Hochsicherheitsanlage zu sein. Während beim zeitgleich stattfindenden Kino-Open-Air am Königsplatz jede Tasche genau gefilzt wird, setzt der zum Kinopolis-Konzern gehörige Filmpalast auf das übliche Sicherheitskonzept. Die Angestellten seien noch einmal für das Thema sensibilisiert worden. Außerdem würden zwei Mitarbeiter einer Securityfirma nach dem Rechten sehen. Eingreifen mussten diese bislang aber nicht, sagt der zuständige Gesamtbetriebsleiter Marcel Kurth. Heikel seien höchstens große Taschen. Aber das habe vor allem damit zu tun, dass aus Brandschutzgründen die Fluchtwege frei gehalten werden müssten.

Die Batman-Fans im Cinemaxx am Münchner Isartor stören sich nicht daran, dass die Kinobetreiber auf strengere Kontrollen verzichten. "Wenn jemand in einem Kino Menschen erschießen will, dann hält ihn auch keine Security auf", sagt ein Besucher. Und ein anderer fügt hinzu: "Man kann es auch übertreiben mit der Sicherheit."

Auf der Leinwand treibt unterdessen Batmans Gegenspieler Bane sein Unwesen. Ein Monster mit Gesichtsmaske, getrieben von einem unbändigen Hass - und von dem Drang, Gotham City zu vernichten. Plötzlich steht ein Mann auf. Prompt drehen sich einige Köpfe, aber der Zuschauer muss nur rasch zur Toilette. 164 Minuten lang geht das so. Um zwei Uhr nachts ist Gotham City gerettet und das 250 Millionen Dollar teure Kino-Spektakel zu Ende. Eine Frau läuft die Treppe nach oben. Gab es wirklich keinen Moment, in dem sie sich unwohl gefühlt hat und an die Schießerei von Aurora denken musste? Nein, sagt sie und lächelt. "Aber ich habe ohnehin nicht alles mitbekommen, weil ich zwischendurch eingeschlafen bin."

© Süddeutsche.de/wib
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