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Deutscher Kinostart:Entspannt in Batmans Premiere

Kann man nach dem Amoklauf von Aurora 164 Minuten Batman ohne flaues Gefühl überstehen? Seit Donnerstag läuft der neue Batman-Film auch in deutschen Kinos. Besuch einer Filmpremiere in München.

Ist es möglich, sich den neuen Batman-Film im Kino ohne ein flaues Gefühl anzuschauen? Ja, sagt Andrea. "Ich habe keine Angst vor Amokläufen." Ja, sagt auch Andreas. "So etwas passiert bei uns doch nicht." Ja, sagt ebenfalls Thomas. "Wir haben am Tag des Unglücks entschieden, den Film anzuschauen. Davon lassen wir uns nicht beeinflussen."

Kinostarts - 'The dark knight rises'

Kinostart von "Batman - The Dark Knight Rises": In Münchner Kinos hatte niemand Angst.

(Foto: dpa)

Im Cinemaxx-Kino am Münchner Isartor warten am Mittwochabend um 22:45 Uhr etwa 200 Batman-Fans auf Einlass. Gespannt ist die Stimmung hier - aber nicht wegen der Schießerei in den USA, sondern wegen der Vorfreude auf den Film. Angst vor einem Amoklauf in einem deutschen Kino hat hier niemand. Sie habe heute noch mit ihrer Arbeitskollegin über die Sache gesprochen, erzählt Carolin, eine junge Frau, die mit ihrem Freund gekommen ist. Aber ein komisches Gefühl? Nein.

Rückblende: Am frühen Morgen des 20. Juli 2012, gegen halb ein Uhr in der Nacht, stürmt ein 24 Jahre alter Mann namens James Holmes einen Kinosaal in Aurora im US-Bundesstaat Colorado. Er zündet eine Tränengas-Granate und schießt in die Menge. Zwölf Menschen sterben, mehr als 60 werden verletzt. Der Film läuft erst einmal weiter. Er heißt: "Batman: The Dark Knight Rises".

Die Bild-Zeitung hat den Attentäter längst "Batman-Killer" getauft - nicht nur, weil er seine Tat während der Premiere des neuesten Batman-Streifens geplant hat, sondern auch, weil er maskiert war und sich bei seiner Tat mutmaßlich als Batmans Erzfeind "Joker" ausgab. Ein Schatten liegt seitdem auf dem dritten Teil der Kino-Saga, in dem der Held zurückkehrt, um Gotham City vor einer nuklearen Katastrophe zu bewahren.

Viele junge Menschen sind an diesem Abend ins Münchner Cinemaxx gekommen. Die meisten von ihnen sind nicht älter als 35. Männer trinken in Ruhe ihr Bier. Eine Frau stößt aus Versehen ihren Begleiter, so dass der sein Popcorn auf den mit rotem Sternchenteppich ausgelegten Boden fallen lässt. Weitere Zwischenfälle? Keine. Die ziemlich jungen Cinemaxx-Mitarbeiter tragen weiße Polohemden und sind gut beschäftigt mit dem Kontrollieren der Tickets. Niemand schaut in mitgebrachte Taschen.

Alles wie immer

Alles ist wie immer - und genau das ist das Ziel der Betreiber. "Es gibt ohnehin keine totale Sicherheit", meint ein Cinemaxx-Sprecher. Um dennoch ein "Sicherheitsgefühl zu erzeugen", hat der Kino-Konzern zusätzlich zur Stammbelegschaft einen externen Security-Mann engagiert, der sich jedoch so diskret im Hintergrund aufhält, dass er selbst bei genauem Hinschauen nicht auffällt.

In den USA ging es mancherorts bei den ersten Batman-Vorstellungen nicht ganz so friedlich zu. In Arizona führte das Verhalten eines offenbar alkoholisierten Mannes dazu, dass 50 Menschen in Panik das Kino verließen. In Maine wurde ein Mann festgenommen, der damit gedroht hatte, einen ehemaligen Mitarbeiter zu erschießen und der Waffen sowie einen Zeitungsausschnitt über die Schießerei in Colorado im Auto deponiert hatte. Und in Südkalifornien soll ein Mann während einer Vorstellung wilde Drohungen geäußert haben - auch er wurde festgenommen.

In München sind auch verkleidete oder gar maskierte Zuschauer kein Problem. "Das können und wollen wir nicht verhindern", sagt der Sprecher. Einzige Ausnahme: Sollte die Maske eines Gastes andere ängstigen, müsste sie abgenommen werden. Und wenn ein Zuschauer auffällig werden sollte, könnten die Mitarbeiter jederzeit eingreifen, sagt der Sprecher - und erzählt dann vom Start der Action-Komödie "New Kids Nitro" Anfang 2012. Dieser Film sei etwas heikel gewesen, weil er etliche Zuschauer angelockt hätte, die den Filmsaal zu einer Partylocation machen wollten.

Auch das Mathäser-Kino am Stachus ist weit davon entfernt, eine Hochsicherheitsanlage zu sein. Während beim zeitgleich stattfindenden Kino-Open-Air am Königsplatz jede Tasche genau gefilzt wird, setzt der zum Kinopolis-Konzern gehörige Filmpalast auf das übliche Sicherheitskonzept. Die Angestellten seien noch einmal für das Thema sensibilisiert worden. Außerdem würden zwei Mitarbeiter einer Securityfirma nach dem Rechten sehen. Eingreifen mussten diese bislang aber nicht, sagt der zuständige Gesamtbetriebsleiter Marcel Kurth. Heikel seien höchstens große Taschen. Aber das habe vor allem damit zu tun, dass aus Brandschutzgründen die Fluchtwege frei gehalten werden müssten.

Die Batman-Fans im Cinemaxx am Münchner Isartor stören sich nicht daran, dass die Kinobetreiber auf strengere Kontrollen verzichten. "Wenn jemand in einem Kino Menschen erschießen will, dann hält ihn auch keine Security auf", sagt ein Besucher. Und ein anderer fügt hinzu: "Man kann es auch übertreiben mit der Sicherheit."

Auf der Leinwand treibt unterdessen Batmans Gegenspieler Bane sein Unwesen. Ein Monster mit Gesichtsmaske, getrieben von einem unbändigen Hass - und von dem Drang, Gotham City zu vernichten. Plötzlich steht ein Mann auf. Prompt drehen sich einige Köpfe, aber der Zuschauer muss nur rasch zur Toilette. 164 Minuten lang geht das so. Um zwei Uhr nachts ist Gotham City gerettet und das 250 Millionen Dollar teure Kino-Spektakel zu Ende. Eine Frau läuft die Treppe nach oben. Gab es wirklich keinen Moment, in dem sie sich unwohl gefühlt hat und an die Schießerei von Aurora denken musste? Nein, sagt sie und lächelt. "Aber ich habe ohnehin nicht alles mitbekommen, weil ich zwischendurch eingeschlafen bin."

© Süddeutsche.de/wib
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