Münchner Stadtteile: Moosach Geschichte, Daten, Fakten

Seit fast 4000 Jahren ist Moosach besiedelt. Seitdem hat sich viel verändert - aus dem Bauerndorf ist eine eher gesichtslose Vorstadt geworden. Doch inzwischen bemühen sich die Moosacher, zumindest einen Teil des Dorfes zu retten.

Von Anna Fischhaber

Moosach zählt zu den ältesten Orten rund um München: Frühgeschichtliche Funde belegen eine Besiedlung seit 1800 vor Christus. Erstmals urkundlich erwähnt wird Moosach aber erst im Jahr 807 nach Christus. Der Name des ehemaligen Dorfs geht auf die Moosach - einst ein bedeutendes Flüsschen zwischen Isar und Würm, das heute zum Reigersbach verkümmert ist - zurück. Moosach heißt so viel wie Moor und Gewässer und spielt auf die wenig fruchtbare Ebene an, in der Moosach liegt.

Mehr als gesichtslose Vorstadt: Inzwischen gibt es Bemühungen, zumindest das Gebiet um die alte St.-Martin-Kirche in Moosach zu erhalten.

(Foto: Anna Fischhaber)

Im Mittelalter bestand das ehemalige Bauerndorf aus etwa zwei Dutzend Häusern. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts übernahmen zunehmend wohlhabende Münchner Bürger die Herrschaft dort, 1686 wurde das Dorf schließlich zur Hofmark erhoben, ein Schloss gebaut und eine erste eigene Schule. 1809 zog der erste Unternehmer nach Moosach und gründete eine Tuchfabrik. Erst mit dem Eisenbahnanschluss 1892 siedelte sich aber mehr Industrie an und aus dem Bauerndorf wurde eine Arbeitervorstadt, die 1913 von München geschluckt wurde. Hatte Moosach 1825 noch 325 Einwohner waren es 1920 immerhin schon 2515.

In dieser Zeit setzte eine rege Bautätigkeit entlang der Dachauer Straße ein. Erwähnenswert ist die zwischen 1924 und 1930 errichtete Mustersiedlung "Borstei", die heute unter Denkmalschutz steht. Auch der Dorfbereich geriet in den zwanziger Jahren allerdings unter erheblichen Entwicklungsdruck, ein altes Gebäude nach dem anderen musste weichen. In den fünfziger Jahren entstanden zusätzlich viele große Verwaltungsgebäude und Reihenhausanlagen. Mit den Olympischen Spielen 1972 kamen nochmals 900 Wohnungen dazu, zudem wurde das Olympiaeinkaufszentrum (OEZ) gebaut - damals das größte Shoppingcenter Europas. Die Bahn veränderte auch die Landschaft zwischen Moosach und Feldmoching, bis 1942 wurden 5,5 Millionen Kubikmeter Kies hier bewegt.

Heute zählt Moosach nicht gerade zu den schönsten Vierteln der Stadt - der Bezirk wirkt ein wenig gesichtslos. Zudem bringt die Dachauer Straße viel Durchgangsverkehr hierher. Inzwischen gibt es aber auch Bemühungen, zumindest das Gebiet um die alte St.-Martin-Kirche zu erhalten. Wenn Dorf- und Maibaumfest hier ist, dann kann man zumindest ein Stück des individuellen dörflichen Charmes erahnen, der früher hier allgegenwärtig war. Kino, Theater oder ein Nachtleben sucht man in Moosach allerdings vergeblich. Dafür gibt es zahlreiche Vereine: Ehemalige Soldaten, Mütter, Faschingsnarren, Schachspieler, Sportler, Schützen, Feuerwehrmänner oder Kaninchenzüchter haben sich zusammen geschlossen und tauschen regelmäßig Erfahrungen aus. Und auch das nachbarschaftliche Leben in Moosach funktioniert gut: Hier kennt man sich noch, lädt sich zum Grillen ein oder lässt die Kinder zusammen spielen.

Daten und Fakten:

Fläche: 1109, 36 Hektar ist Moosach groß. Nur 180,47 Hektar, 16 Prozent, davon sind Erholungsfläche

Bevölkerung: 48.421 Menschen leben in Moosach. Der Ausländeranteil ist mit 26 Prozent relativ hoch

Verkehrsanbindung: Seit die U3 verlängert wurde, hält in Moosach nicht nur die S-Bahn, sondern auch die U-Bahn

Kultur und Bildung: Kulturell hat Moosach wenig zu bieten - gerade einmal zwei Bibliotheken gibt es hier, aber kein Museum, kein Kino und kein Theater

Kinderbetreuung: In nur 30 Einrichtungen werden 1871 Kinder betreut

(Stand: 31.12.2009, mit freundlicher Unterstützung des Statistischen Amtes der Landeshauptstadt)

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