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Münchner Nahverkehr:Alle zahlen mehr

Die Preise für die Tickets im MVV steigen im Schnitt um 3,6 Prozent.

(Foto: Robert Haas)

Die Landräte setzen sich im Streit um neue MVV-Tarife durch: Nicht nur für Pendler werden die Tickets teurer, sondern auch für Münchner Fahrgäste. Im Schnitt steigen die Preise um 3,6 Prozent.

Von Marco Völklein

Die Preise im Münchner Nahverkehr steigen von Mitte Dezember an nun doch um durchschnittlich 3,6 Prozent - allerdings werden die Tarifsteigerungen bei den Wochen- und Monatskarten nach Angaben des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV) "über alle 16 Ringe möglichst ausgewogen verteilt". In der Tat liegen die Steigerungen bei den regulären IsarCard-Wochen- und Monatskarten je nach Zahl der Ringe zwischen 2,9 Prozent (Wochenkarte mit zwei Ringen) und 3,6 Prozent (Wochenkarte mit 14 Ringen).

Gelegenheitsnutzer werden dagegen künftig sehr viel tiefer in die Tasche greifen müssen: So steigt der Preis für die Streifenkarte um vier Prozent, der für die Partner-Tageskarte (Gesamtnetz) um 4,7 Prozent und der für die Kurzstrecke (Einzelfahrkarte) sogar um 7,7 Prozent. Lediglich die Preise für das Kinder-Einzelticket und die Kinder-Tageskarte bleiben unverändert. Darauf haben sich die Stadt, der Freistaat und die acht MVV-Landkreise geeinigt.

Die Entscheidung fiel einstimmig. Vor knapp einer Woche waren die Gesellschafter noch im Dissens auseinandergegangen, weil sich die Landkreise gegen die ursprünglich geplante Erhöhung um 3,6 Prozent gewehrt hatten. Sie hatten sich aber weniger an der Höhe der Preissteigerung, sondern vielmehr an der überproportionalen Belastung der Fernpendler gestört. Stadt und Freistaat hätten zwar die Landräte mit ihrer Mehrheit überstimmen können, suchten dann aber doch eine einvernehmliche Lösung.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wertete denn auch die Einigung als "gute Basis für die künftige Zusammenarbeit zwischen Stadt, Freistaat und den Gemeinden im Umland." Der Sprecher der Landräte, der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU) erklärte, ihm sei es wichtig gewesen, "keine Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen Fahrgästen aus Stadt und Umland zu schaffen".

Zudem beauftragten die Gesellschafter den MVV damit, einen Index zu entwickeln, an dem sich künftige Tarifsteigerungen orientieren sollen. In diesen werden unter anderem Lohn-, Energie- und Investitionskosten einfließen. Einen ähnlichen Index wendet etwa der Nürnberger Verkehrsverbund bereits seit Jahren an. Fahrgastverbände indes kritisierten die Preiserhöhung als "völlig unangemessen". So sei die "Bedienungsqualität" insbesondere bei der S-Bahn, aber mehr und mehr auch bei der U-Bahn "nicht mehr zumutbar", befand Berthold Maier vom Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr (AAN).

Auch Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste zeigte "angesichts ständiger Störungen, Verspätungen und Zugausfälle kein Verständnis für Steigerungen in dieser Größenordnung". Zudem habe es der MVV erneut versäumt, attraktive Angebote zu entwickeln, um neue Kunden in Busse und Bahnen zu locken, "ohne dass man gleich wieder Kapazitätsprobleme bekommt". Nagel brachte ein vergünstigtes "Guten-Abend-Ticket" ins Gespräch, um Nachtschwärmer direkt anzusprechen.

© SZ vom 26.09.2014/ahem

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