Münchner Modepreis Ein bisschen Paris

Die 24-jährige Nathalie Laureen Schenkel (rechts) von der Mediadesign Hochschule belegt beim Münchner Modepreis den ersten Platz.

(Foto: Robert Haas)

Das erste Mal wird die Auszeichnung an den Nachwuchs vergeben. Anders als viele Kollegen zieht es die Gewinnerin nicht in die Ferne.

Von Franziska Gerlach

Da steht sie nun also neben Bürgermeister Josef Schmid (CSU) und Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen Vogue, im Blitzlichtgewitter, lächelt scheu und hält den Kameras ihre Urkunde entgegen. Manchmal kann es für Berufseinsteiger beängstigend schnell gehen: Eben noch war Nathalie Laureen Schenkel eine von neun Nominierten eines Wettbewerbs für Nachwuchsdesigner, im nächsten Moment wird sie gefeiert - als Gewinnerin des ersten Münchner Modepreises.

Dass die Absolventin der Mediadesign Hochschule gleich zwei Mal abgesahnt hat, war für so manchen Münchner, der am Dienstagabend die Preisverleihung samt Modenschau im Saal des Alten Rathauses verfolgt hatte, eine kleine Sensation. Und auch die 24-jährige Designerin schien nicht so recht mit ihrem Erfolg gerechnet zu haben. "Allerhöchstens mit dem dritten Platz, wenn überhaupt, die Konkurrenz war wirklich stark", sagt sie und macht einen Schritt nach vorne, als hinter ihr ein Kellner ein Tablett voller Getränke durch die Gäste balanciert.

Unter die haben sich neben Vertretern aus Handel und Stadt auch bekannte Münchner Modemacherinnen wie Susanne Wiebe oder Lola Paltinger gemischt. Doch Schenkel bekam nicht nur den ersten Preis in Höhe von 10 000 Euro von der fünfköpfigen Fachjury zugesprochen, zu der neben Arp etwa auch Daniel Wingate, Fashion Director bei Escada und Susan Wrschka, Senior Designerin bei s.Oliver und Vizepräsidentin des Netzwerkes deutscher Mode- und Textildesigner (VDMD), zählten.

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Beim Publikumspreis (2000 Euro) entschieden sich auch die meisten Münchner für ihre Kollektion, die das Modehaus Lodenfrey zuvor zehn Tage lang ausgestellt hatte. Den mit 7000 Euro dotierten, zweiten Preis erhielt Chen Jerusalem von der Akademie Mode und Design (AMD), als Drittplatzierte gewann Yurt Christine Mermer von der Deutschen Meisterschule für Mode 3000 Euro.

Amsterdam hat die Landeshauptstadt schon überholt

Sinn und Zweck der Auszeichnung hat Josef Schmid, Leiter des Wirtschaftsreferates und Schirmherr des neuen Preises, eingangs dem Publikum erläutert - mit Verweis auf den kürzlich vorgestellten Datenbericht der Kultur- und Kreativwirtschaft in der Metropolregion München. Demnach habe man mittlerweile Amsterdam überholt, die EU-Kommission nenne München inzwischen sogar "in einem Atemzug mit London und Paris".

Dieses kreative Potenzial wolle man mit dem neuen Preis sichtbarer machen - zugleich wolle man einen "Input" geben, um die jungen Talente in der Stadt zu halten und so den Standort weiter zu stärken.

Bei aller Freude am kreativen Aufschwung darf allerdings nicht übersehen werden, dass München gerade modisch auch Rückschläge hinnehmen musste: Anfang 2015 stellte die Luxusmarke Rena Lange den Betrieb ein, auch Laurèl war mit kriselnden Zahlen in die Schlagzeilen geraten, und nun zieht auch noch Modeschöpfer Marcel Ostertag, der München in Interviews gerne gelobt hatte, nach Berlin.

Thema ist das an diesem Abend nicht, es geht ums Hier und Jetzt - und das kann sich durchaus sehen lassen. Bernadette Zdrazil bringt mit ihrer textilen Interpretation von "Peter Pan" Humor auf den Laufsteg. Nathalie Jäckles Kreationen machen nachdenklich. Die AMD-Absolventin hat meterweise Stoff zu Röcken aufgebauscht und diese mit Aufnahmen von den Schmerz verzerrten Gesichtern bedruckt, die nach dem Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza entstanden sind.

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Als schließlich Schenkels Models auf dem Catwalk sind, reckt eine Mittdreißigerin prompt den Hals. "Das Schwarz mit dem Gold ist toll", sagt sie, "und nicht zu auffällig." Inspiriert von einer Installation der brasilianischen Künstlerin Lygia Pape hat die junge Modemacherin eine Kollektion abgeliefert, die man vom Fleck weg für ein Hochglanzmagazin ablichten könnte.

Gepflegt, elegant und bei aller Raffinesse wie goldenen Fäden oder Schnallen trotzdem bodenständig ist die Kollektion - wenn man so will - ein ideales Pendant zum teuren München, wo das Kreative immer auch wirtschaftlich funktionieren muss. Wie sich die Kollektion verkaufen könnte, war für die Fachjury aber kein Kriterium.

"Man hat nicht jeden Tag die Möglichkeit, vor ihr zu präsentieren"

Die Auswahl der Stoffe und Farben spielte etwa eine Rolle, das Styling, aber auch wie zukunftsorientiert die Entwürfe sind. "Und natürlich auch die Interaktion mit der Jury", sagt Modedesignerin Susan Wrschka. "Wie lebt der Designer seinen Beruf, wie sieht er ihn?"

Nathalie Laureen Schenkel war vor allem von der Zusammenkunft mit Jury-Mitglied Arp angetan. "Man hat nicht jeden Tag die Möglichkeit, vor ihr zu präsentieren", sagt sie, "immerhin hat sie schon Sachen gesehen, die viel bedeutender sind." Die beiden anderen Preisträger, Chen Jerusalem und Yurt Christine Mermer, haben ganz im Sinne einer modernen Designerbiografie die Stadt bereits verlassen.

Eine Rückkehr lassen sie derzeit offen - der eine hat in den vergangenen Monaten in Australien für ein Label gearbeitet, die andere sattelt ein Studium in Bamberg obendrauf. Schenkel erklärt dagegen, über kurz oder lang an der Isar arbeiten zu wollen, auch ein eigenes Atelier sei denkbar. "Nur was ich zwischendrin an Erfahrungen sammeln will, das wird vielleicht außerhalb von München sein."

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