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SZ-Serie: Bühne? Frei!:Treiben lassen

Max Kronseder

Max Kronseder singt und spielt Gitarre in der 2013 in Erding gegründeten Band "DeSchoWieda".

(Foto: DeSchoWieda)

Kultur-Lockdown, Tag 116: Der Musiker gibt die Hoffnung nicht auf

Gastbeitrag von Max Kronseder

War das der Anfang vom Ende oder nur der Anfang? Diese Pandemie hat zwei Seiten. Einerseits bleibt die ständige Sorge, Ungewissheit und allmähliche Resignation aufgrund fehlender Perspektiven. Gleichzeitig hat diese Zwangspause aber auch etwas Besinnliches, und man entdeckt neben neuen Möglichkeiten der digitalen Kommunikation (Stammtisch 2.0) auch die Qualität eines einfachen Spaziergangs oder Brettspiels wieder.

Als Livemusiker kennt man die Wochenenden eigentlich überwiegend gefüllt mit Auftritten, voller Adrenalin und Euphorie auf der Bühne. Man ist oft lange unterwegs und in der Nacht erst spät zu Hause. Aktuell freut man sich über einen "normaleren" Biorhythmus. Zusammen mit den Kindern geht man auch mal früher ins Bett. Man hat tageweise weniger Augenringe, außer man produziert neue Songs bis in die Nacht hinein und muss die verlorene Arbeitszeit vom Vormittag wieder aufholen, weil man als Freiberufler aktuell Lehrer und Kindergärtner in Teilzeit ist.

"Wir haben schöne Zeiten und genießen unsern Weg, wir lassen uns treiben, man weiß nie, wie's weitergeht ..." heißt es nicht nur in einem Lied meiner Band DeSchoWieda, es ist auch ein bisschen unser Motto: Wir wollen musikalisch Hoffnung machen und motivieren, das Beste aus der Situation zu machen.

Das ständige "Schneller-höher-weiter"-Denken unserer Leistungsgesellschaft wurde knallhart ausgebremst. Was nicht unbedingt ungesund war. Die Familie rückt enger zusammen, und man freut sich nach einem anstrengenden Homeschooling- und Home-Office-Tag über die kleinen Dinge im Leben, die doch so groß sein können. Wie zum Beispiel "Die Sendung mit der Maus" - bis heute interessant für Groß und Klein! Wir spielen viel Fußball im Garten, haben spannende Kinoabende, zelebrieren jedes Bayern-Spiel vor dem Fernseher als Highlight der Woche. Und: Wir haben das Damespiel neu entdeckt. Meine Jungs (sechs und neun Jahre alt) zocken ihre Eltern allmählich ab. Jetzt ist Schach an der Reihe. Durchhalten ist angesagt bis zum Frühling, denn wir sind noch lange nicht schachmatt. Freuen wir uns auf ein paar unbeschwerte Stunden im Biergarten. Übrigens die neue Open-Air-Festival-Fläche, die als "Hintergrundmusik"-Location schon letztes Jahr neu entdeckt wurde - für gemütliche Konzerte gepaart mit gesteigerter Lebensfreude.

Die Sonnenstrahlen vom letzten Wochenende und das erste Grillen waren schon Anreiz genug, um die Gedanken in eine positive Richtung zu lenken. Der Anfang für eine unbeschwertere Zeit. Eins ist sicher: Es kommt der Tag, an dem wir lachend an der Isar stehen ... In diesem Sinne: Bleiben wir kreativ positiv und coronanegativ. Werd scho wieda. Hoff-end(t)lich!

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© SZ vom 25.02.2021
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