bedeckt München

Mitten in Unterschleißheim:Mit Stern, Herz und Corona

An Halloween wie an Heiligdreikönig dürften sich viele Hausleute fragen: Klopft auch das Virus an die Tür?

Kolumne Von Michael Morosow

Ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier - dann steht der Lockdown vor der Tür. Jetzt, da dieses Lichtlein an der von unserem Landesvater Markus Söder neu entwickelten Corona-Warnampel auch im Landkreis München dunkelrot leuchtet, sollten sich jedenfalls selbst die optimistischsten Zeitgeister damit anfreunden, auch den Rest des Jahres und darüber hinaus auf große gesellschaftliche Lustbarkeiten und lieb gewonnene Traditionen verzichten zu müssen. Auf Glühwein am Christkindlmarkt, aufs Skifahren in Südtirol, auf den Nikolaus, die Weihnachtsfeier im Betrieb, die Silvesterparty.

Eine Spaßbremse ist das Virus insbesondere für alle Mumien, Zauberer und Monster, mithin für alle Kinder, die an Halloween gerne wieder als zuckersüße Erpresser von Haus zu Haus gezogen wären, heuer sogar mit Gesichtsmaske wie echte Bankräuber. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) hat dazu aufgerufen, in diesem Jahr auf Halloween-Bräuche zu verzichten. Eine gruselige Entscheidung aus Sicht der Buben und Mädchen. Auf der anderen Seite rechnet Huml die Klingeltouren der Kinder zu den Super-Spreading-Events und sieht vor dem geistigen Auge wohl Aerosole in den Hausfluren tanzen, wenn die kleinen Virenschleudern aus voller Brust "Geister schreien, Hexen lachen, gebt uns Süßes, sonst wird's krachen!" plärren.

Es drängt sich nun die Frage auf, ob für Caspar, Melchior und Balthasar am 6. Januar das Gleiche gelten wird wie für Mumien, Zauberer und Monster in wenigen Tagen. Die Situation vor den Haustüren wird dieselbe sein. Wenn die maskierten Sternsinger, wahrscheinlich unter warmem Nieselregen, mit einer Stimme rufen: "Das Jahr geht an mit weißer Pracht. Drei König stapfen durch die Nacht!", dann wäre es für die Hausleute gut zu wissen, ob bei einem aus dem Trio das Virus mitstapft. Müssen die Kinder dann einen Corona-Negativtest vorzeigen, bevor sie "C+M+B" über die Haustüren schreiben und traditionell Spenden zugunsten benachteiligter Kinder in der Welt sammeln dürfen? Wie auch immer, die Kirchengemeinden in Unterschleißheim organisieren der Corona-Pandemie zum Trotz - oder gerade deswegen, wie sie schreiben - die Sternsingeraktion 2021. Das Motto: "Sternsingen - aber sicher." Ihr Aufruf: "Helden mit Herz und Krone suchen Verstärkung." Krone steht dabei hoffentlich nicht für Corona.

© SZ vom 29.10.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite