Mitten in Schwabing:Den Bach runter

Als Fußgängerin kann man nur staunen, was einem im Englischen Garten so alles entgegenschwimmt

Glosse von Nicole Graner

Die Menschen, die im Englischen Garten am Eisbach entlangspazierten, dürften nicht schlecht gestaunt haben: Da kam plötzlich das Maximilianeum in Klein heruntergeschwommen und viele andere Objekte auch. Wer genau lauschte, hörte sogar die Bayernhymne. Der Bühnenbildner des Tams-Theaters, Eberhard Kürn, hatte die Modelle gebaut, sie waren Teil des Bühnenbildes der Trilogie "Wässerungen".

Nun, seitdem ist viel den Eisbach heruntergeschwommen. Nicht nur die Nackerten, sondern im Winter sogar Mutige im Neopren-Anzug. Das Gesicht ganz rot, hatten sie mordsmäßig Spaß. Und wenig später, dem eiskalten Wasser entstiegen, dampften sie wie frische Brötchen. Auch Mini-Surfbretter schwimmen im Wasser, Hunde, die ihren Stöcken nachpaddeln, manchmal von Eltern liebevoll gefertigte Flaschenpost. Letztens ist eine ans Ufer gespült worden. Der Inhalt ein Lolli und ein kleiner Zettel mit krakeliger Kinderschrift: viel Spaß!

In diesem Jahr, wenn es denn mal eine Woche am Stück schön ist, wird auch der Schwabinger Bach weiter nördlich für Schwimmendes genutzt. Und so kann es passieren, dass man, wenn man von der Osterwaldstraße kommt und über den kleinen Durchgang an der Mommsenstraße in den Englischen Garten geht, an der Brücke zum Schauen Halt machen muss. Da kommen in Reihe einige schwimmende Inseln daher. Zu zweit sitzen sie drin, singen, lachen und lassen es sich mit einem Kaltgetränk gut gehen. Sie winken den Brücken-Voyeuren zu und die zurück. Eine junge Frau prostet herauf. Und muss plötzlich lachen. "Das gibt es doch gar nicht!" Sie wedelt mit der Flasche, deutet auf die Brücke und sagt: "Mensch, hier kann man ja Geld machen!" Wie ist denn das zu verstehen?

Bis man fragen kann, ist die Frau unter der Brücke durch und auf und davon geschippert. Was hat sie nur gemeint? Man will es wissen, steigt ins Gebüsch, geht um die Brücke herum. Und dann muss man selbst lachen: Einige Bootfahrer wollten wohl ihre Flaschen loswerden. Ganz flugs und mit ein bisschen Strecken im wackeligen Untersatz stellten sie die Pullen am Brückensims ab. Sicher 20 Pfandflaschen sind da aufgereiht. Na, da kann man ja richtig Geld machen!

© SZ vom 07.09.2021
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