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Mitten in Schwabing:Auf den Spuren der Boden-Painter

Die Gefahrstellen im Verlauf der Potsdamer und der Dietlindenstraße werden durch Farbmarkierungen entschärft - inmitten des täglichen Verkehrsstaus

Glosse von Nicole Graner

Mit aller Seelenruhe fährt er über den Asphalt, die lange Malerrolle an der Stange. Rollt und rollt. Tunkt sie in einen Topf aus knallroter Farbe. Und wieder rauf damit auf die Potsdamer Straße, Kreuzung Ungererstraße. Der Mann in der orangefarbenen Weste, geschützt von anderen Westenmännern und ein paar Absperrhütchen, scheint nichts von dem wahrzunehmen, was um ihn herum passiert: von den Autos, die sich stockend und zuckelnd an den Hütchen vorbeizwängen.

Als ob der Engpass Potsdamer und Dietlindenstraße nicht ohnehin schon täglich für die Autofahrer eine Herausforderung darstellen würde, der man nur mit Geduld begegnen kann, gestalten die Herren des Baureferats im leuchtenden Overall die Straße neu. Mitten im Alltagsverkehr. Ziehen weiße Linien. Ganz gerade, gebogene, gestrichelte. Ganz kreativ.

Warum können die das nicht nachts machen, die fleißigen Boden-Painter? Denkt man sich, und schaut neugierig, was sich in einer Woche Malerarbeiten so getan hat. Eine Busspur vom Isarring stadteinwärts wurde gezogen, damit der Bus leichter an den stehenden Autos vorbeifahren kann, auch wenn er sich dann trotzdem irgendwo wieder in den Stau einzwängen muss. Auch der Fahrradweg ist deutlich herausgearbeitet. Und an allen gefährlichen Stellen von der Potsdamer Straße über die Dietlindenstraße bis zum Isarring gibt es jetzt leuchtend rote Fahrbahnmarkierungen, damit man die Radler nicht übersieht. Sehr gute Idee.

Aber an der Kreuzung Potsdamer Straße/Ungererstraße ist es jetzt schon sehr rot. Fast so, also ob der Mann mit seiner Malerrolle so viel Spaß am Färben gehabt hätte, dass er einfach nicht mehr aufhören wollte. Er hat da fast einen Tennisplatz ohne Sand markiert. Ein bisschen irritiert sucht man sich den Weg durch die Farbe. Und findet ihn. Irgendwie.

© SZ vom 19.11.2020
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