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Mitten in der Isarvorstadt:Italien, ein Traum

So mancher, der seinen Sommerurlaub am Mittelmeer schon gebucht hat, sieht selbst in einer Muschel am Isarstrand ein gutes Vorzeichen

Kolumne Von Stefan Mühleisen

Als Reiseziel ist derzeit Balkonien in aller Munde, bequem zu erreichen ohne Stau, immer ein Liegestuhl frei - und das Essen schmeckt wie zu Hause. Die Reiseführermarke Marco Polo wusste das schon 2009 ihren Lesern anzupreisen und brachte damals den Band "Balkonien" heraus, der jetzt längst vergriffen sein dürfte. Denn die Handreichungen sind auch für den unfreiwilligen Ferienaufenthalt auf dem eigenen Balkon in der Corona-Krise wertvoll. Kulinarische Empfehlungen etwa, wie auf Schokolade zu verzichten, da diese in der Sonne schmelze (Alternative: Salzbrezeln); oder auch heitere Zeitvertreibtipps wie eine Dia-Show an der Hauswand gegenüber oder Minigolf mit Murmeln. "Traumurlaub auf vier Quadratmetern" verspricht die kleine Fibel. Allein, den Traum von den Sommerferien in Italien vermag das Buch sicher nicht zu vertreiben. Die Reise ist längst gebucht, und, ach, so unwahrscheinlich.

Da schneit eine E-Mail von la famiglia Zanella aus Ca' Savio herein, an die lieben Gäste, die ihren Urlaub schon gebucht haben. Storno sei jetzt bis sieben Tage vor Ankunft möglich, nicht schon bis spätestens 30 Tage davor. Grazie! Das ist die Lizenz zum Weiterträumen bis zur letzten Minute, den Jahresurlaub im August am Adriastrand verbringen zu können. Wenn das mit Corona bis dahin vielleicht doch ... Träumen kann man ja mal. Und muss sich einstweilen mit dem Isarstrand begnügen.

Der ist derzeit nicht ohne Stau erreichbar, Wartezeiten sind einzukalkulieren. Denn um an die Isar-Gestade zu gelangen, muss erst eine Lücke gefunden werden zwischen Jogger-Karawanen und Radl-Konvois, die sich stetig flussaufwärts und flussabwärts bewegen. Im Slalom geht's mit der zweieinhalbjährigen Tochter an den Strand bei der Wittelsbacherbrücke. Glasklares Wasser, funkelnde Wellenkämme. Ach, es ist fast wie ... Nanu, was ist da im Wasser? Muscheln, mindestens ein Dutzend, liegen im Sand! Richtige Meeresmuscheln sind das - misterioso. Wenn das kein gutes Omen ist. Famiglia Zanella, wir geben die Hoffnung nicht auf!

© SZ vom 23.04.2020
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