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Mitten in Bogenhausen:Baggerschauen mit Banane

Baustellen-Fahrzeugen bei der Arbeit zuzugucken, macht glücklich. Vor allem, wenn es sich um gelbe Raupenbagger handelt

Glosse von Nicole Graner

Jakob macht ganz große Augen. Er zeigt mit seinen kleinen Fingerchen auf den großen, gelben Raupenbagger, der einen Erdhaufen nach dem anderen aushebt und auf die Seite kippt. Auf dem Arm von Opa Alfred ist er sicher, und Alfred erzählt ihm leise, was das brummende Ungetüm so macht. "Jakob, jetzt musst schauen! Schau, wie die Schaufel jetzt nach oben geht! Und wie sie sich drehen kann!" Und Jakob schaut. So glücklich, wie Kinder nur schauen können, wenn sie solche Momente beseelen.

Es ist nicht nur dieser Bagger, der auf der riesigen Baustelle am Salzsenderweg Erde und Kies verschiebt. Auf dem Gelände, auf dem das neue sechszügige Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium entsteht, wird gerade überall geschaufelt. Große Gesteinsbrocken liegen noch herum, Erdreich und die Wurzelstöcke des Aushubs am Salzsenderweg. An dieser Stelle soll zum Beispiel einmal der Platz für viele Fahrradstellplätze entstehen. Man staunt nur. Denn jetzt wird einem die Größe des Areals noch bewusster, auf dem das Gymnasium im Fideliopark bis 2024 stehen wird: 18 800 Quadratmeter Bruttogrundfläche, abgesteckt mit blau und rot gekennzeichneten kleinen Pfosten. Eine große Fläche im Klimapark, genau der Kritikpunkt der Standortgegner.

Jakob hat sich einen guten Platz ausgesucht, denn nur am Salzsenderweg auf Höhe der Knappertsbuschstraße ist der sonst ewig lange Holz-Bauzaun aufgebrochen, und ein Metallzaun erlaubt Durchblicke. Direkt vor einer Sitzbank. Plötzlich fährt ein weißer Wagen auf das Gelände, und Jakob fragt, ob der das überhaupt darf. "Darf er", sagt Opa Alfred und reicht seinem Enkel zur Stärkung vom Baggerschauen eine Banane.

Das Gelände des direkt an die Baustelle grenzenden Bike-Hügels vom Verein Tretlager und die Wagen des Naturkindergartens verschwinden hinter dem Zaun. Die Stadt hatte versprochen, zum Beispiel auf Höhe des Naturkindergartens Guckfenster in den Zaun zu machen. Die sind allerdings noch nicht zu sehen. Und natürlich klagen die Anwohner bereits über den Lärm und den Dreck, den die Lkw machen, die mit Schutt beladen aus der Baustelle fahren. Der Bezirksausschuss Bogenhausen hatte deswegen eine Waschanlage gefordert. Da sie noch nicht da ist, fordert die CSU sie in der jüngsten Sitzung gleich noch einmal.

Jakob jedenfalls kann das alles egal sein. Hauptsache, er sieht seine Bagger. Vor allem den gelben Raupenbagger. Denn den, verrät Opa Alfred, hat Jakob in klein zu Hause im Kinderzimmer.

© SZ vom 24.06.2021
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