Meine Woche Willkommen im Wohnzimmer

Foto: Alessandra Schellnegger

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Wirt Dietmar Holzapfel weist zur Stadtteilwoche keinen Besucher ab

Von Birgit Lotze

Dietmar Holzapfel (Foto: Alessandra Schellnegger) führt ein in der homosexuellen Szene renommiertes Haus: die "Deutsche Eiche" an der Reichenbachstraße. Choreograf John Cranko hielt sich dort auf. Queen-Frontmann Freddy Mercury zählte zu den Stammgästen. Für Regisseur Rainer Werner Fassbinder, der in den Siebzigerjahren im gegenüberliegenden Haus wohnte, war das damals eher einfach geführte Hotel eine Art Wohnzimmer. Während der Stadtteilwoche in der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt will der Wirt des Kult-Treffs eine Woche lang jeden Tag Besucher ins Hotel lassen. "Sonst kommt man ja hier als Anwohner nicht rein", sagt er. An fünf Tagen (10., 13., 14., 15. und 16. Juni) trägt Dietmar Holzapfel morgens um 10 Uhr zur Geschichte des Viertels und des Hauses vor. Danach führt er durch das Hotel und auf das Dach - ein begehrter Ort für Filmteams, die über das Viertel berichten wollen, wie kürzlich eines aus Uruguay. Am Wochenende lädt er nachmittags um 15 Uhr zu Lesungen auf die Dachterrasse: Er selbst liest Anekdoten aus einem Buch über die "Deutsche Eiche", Autorin Violetta Meier präsentiert eine selbst verfasste Kurzgeschichte über Fassbinder (Anmeldung unter Telefon 231 16 60).

Holzapfel macht ab und an Führungen, aber nicht so häufig - und wenn, dann oft auf Anfrage. So hatte die Seniorenbörse ihn kürzlich gebeten. Inzwischen sei man bereits bei der sechsten, sagt der Wirt. Mit dem täglichen Projekt bei der Stadtteilwoche will Holzapfel zum Gemeinschaftsgefühl im Quartier beitragen, das er als ausgesprochen stark bezeichnet "Wir sind noch mehr eine Einheit als andere Viertel, wir fühlen uns wie ein Dorf in der Stadt." Die Zusammengehörigkeit könne man nach außen auch an der politischen Vertretung erkennen. Dass der Kandidat der Rosa Liste, Alexander Miklosy, mit den Stimmen der CSU zum Vorsitzenden gewählt wurde, sei woanders kaum möglich.

Dietmar Holzapfel freut sich auf den Beginn der Stadtteilwoche am kommenden Freitag. Um neun Uhr sei er dann zur Vorbereitung des Vortrags im Hotel. Dieser dauere bis um halb eins, "dann bin ich meist ziemlich alle". Oft blieben die Teilnehmer auch noch zum Mittagessen, danach gehe er nach Hause zu seinem Hund. "Den kann ich nicht mit hierher nehmen, weil der sonst nur in der Küche hockt." An der Stadtteilkulturwoche will er auch als Besucher teilnehmen. Ihn interessieren viele Veranstaltungen, aber eine will er keinesfalls verpassen: den Vortrag über den Arzt Martin Hirschfeld und über homosexuelles Leben um 1900 am Dienstag, 14. Juni, im Sub.