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Meine Musik:Opernklänge auf der Kirchenbühne

(Foto: Catherina Hess)

Angelika Tasler lädt Kollegen zum Auftritt in St. Anna ein

Von Merle Körber

Die Pfarrkirche St. Anna ist in den vergangenen Monaten zu einem Treffpunkt für Musiker geworden. Nicht nur Orgelklänge erfüllen den Raum bei der Sonntagsmesse. Zusätzlich singen dort nun Opernsolisten, und Geigen, Celli und Oboen erklingen. "Ich habe gesehen, wie es vielen meiner Musikerfreunde während der Corona-Krise ergeht", erzählt Angelika Tasler , Organistin in St. Anna im Lehel. Sie habe sofort gewusst, dass sie etwas tun müsse, um ihnen zu helfen. "Besonders freie Opernsänger sind momentan am meisten betroffen", erklärt sie. Normalerweise arbeiteten diese in langwierigen Projekten an ihren Auftritten. Wenn ein solches Projekt abgesagt wird, fallen gleich einige Monate weg.

Seit Sonntag, 17. Mai, bietet Tasler, die am Mozarteum in Salzburg Kirchenmusik studiert hat und in München parallel dazu Musikwissenschaft, ihren Freunden und Bekannten deswegen in der wöchentlichen Messe in St. Anna eine Bühne. Aus dem Kirchenmusikbudget kann sie die Honorare bezahlen und den Künstlern so wenigstens kurzfristig aushelfen. "Einigen fehlt aber auch einfach das Publikum", weiß die Organistin. Auch die Kirchgänger freuen sich sehr über die neuen Klänge. "Momentan gibt es nicht viele kulturelle Angebote", sagt Tasler. Umso größer sei die Freude über die kleinen Auftritte. Zur Zeit bekommt sie deswegen besonders viele gute Rückmeldungen zu der musikalischen Gestaltung der Gottesdienste - und das, obwohl das Singen in der Gemeinde auf ein Minimum heruntergeschraubt wurde. "Den Menschen fehlt die Musik."

Für einige Musiker war es das erste Mal, in einer Kirche zu spielen. Natürlich ist das eine Umstellung. "Die Stimmen von Opernsängern sind häufig zu groß für Kirchen", verrät Tasler. Zum Glück ist St. Anna geräumig genug, sie verträgt das. Klanglich anpassen müssen sich die Künstler natürlich trotzdem, auch an die Begleitung durch eine Orgel mussten sie sich erst gewöhnen. "Mit welcher Einstellung alle herkommen ist toll", findet Angelika Tasler, und das trotz neuem Repertoire, Extra-Proben und dann auch noch am Sonntagmorgen. Zu sehen, mit wie viel Energie die Musiker die neue Situation angehen, motiviert auch sie selbst, die Kirchen-Konzerte weiter stattfinden zu lassen. "Wir hören erst auf, wenn uns das Geld ausgeht." Spenden für die Kirchenmusik nimmt St. Anna gerne entgegen. Die Auftritte finden immer sonntags während des Pfarrgottesdienstes von 10 Uhr an und manchmal in der Abendmesse von 19 Uhr an in der Kirche am St.-Anna-Platz 5 statt.

© SZ vom 03.08.2020

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