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Mehr als 100 Infektionen:Masern-Alarm in München

Rekordhoch bei Masernfällen: Mehr als 100 Infektionen wurden bereits in München gemeldet, vor allem junge Erwachsene sind betroffen. Ein 26-Jähriger starb bereits. Selbst Ärzte sind nicht immer gegen die Krankeit geimpft.

Katja Riedel

Nach dem Tod eines 26-jährigen Patienten aus Weilheim im Münchner Klinikum Großhadern, warnt das Referat für Umwelt und Gesundheit vor einem Rekordhoch bei Maserninfektionen: Seit Jahresbeginn seien von bundesweit 230 Fällen mehr als hundert Fälle in München gemeldet worden.

Vorwiegend seien junge Erwachsene erkrankt. Auch in zwei der 70 Münchner Krankenhäuser seien Folgefälle unter Patienten und Mitarbeitern aufgetreten, nachdem Masernkranke eingeliefert worden waren. Selbst unter Ärzten und Pflegern seien nicht alle gegen die vermeintliche Kinderkrankheit geimpft - eine Pflicht gibt es für das medizinische Fachpersonal nicht.

Dies beklagt auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, der eine Impfpflicht fordert. Diese könne aber nur der Gesetzgeber erlassen, sagt Philipp Kreßirer, Sprecher des Klinikums Großhadern. Zwar würde der Immunstatus eines jeden Mitarbeiters bei der Einstellung überprüft und seit vergangenem Jahr in einer Datenbank erfasst - mehr als zur Impfung motivieren könne der Arbeitgeber die Mitarbeiter aber nicht.

Problematisch ist das vor allem in den ersten Tagen der Erkrankung, in der Patienten nur Erkältungssymptome zeigen und der typische Hautausschlag noch nicht auf Masern hinweist. Ist die Infektion einmal diagnostiziert, könnten Mitarbeiter, die nicht immun sind, von den Erkrankten ferngehalten werden. Dies soll verhindern, dass sie selbst erkranken oder die Krankheit übertragen. Angesichts des verstorbenen Patienten werde das Klinikum nun aber überprüfen, ob man aus arbeitsrechtlicher Sicht verlangen kann, dass neue Mitarbeiter sich impfen lassen. Für das Personal auf den Kinderstationen verlange das Klinikum schon jetzt die Impfung, da das Risiko, Krankheiten wie Röteln, Mumps und Masern an die kleinen Patienten weiterzureichen, zu groß sei, sagt Kreßirer.

Obwohl Masern zu Lungen-, Hirnhautentzündungen und somit zum Tod führen können, sehen immer mehr Deutsche Impfungen kritisch. Von 11361 untersuchten Kindern in Bayern seien zur Einschulung 93,9 Prozent einmal geimpft worden. Zum Zeitpunkt der nötigen zweiten Impfung waren es nur noch 85,8 Prozent.

© SZ vom 03.05.2011/tob

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