Mehmet Scholl: Neues Musiklabel "Wir sind bestimmt nicht auf der Suche nach Schnellschüssen"

Und Ihre Aufgabe, Herr Scholl?

In gewohnter Pose: Mehmet Scholl vor vier Jahren im Trikot des FC Bayern München.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Scholl: Ich gebe meinen Senf dazu. Ich bin Musikliebhaber mit einem eigenwilligen Geschmack, lasse mich aber gerne überzeugen. Ich bin hauptsächlich der Konzertbesucher und schaue, was bei mir ankommt. Wenn eine Band auf der Bühne ist, dann will ich etwas spüren.

Sie repräsentieren also den Blick von außen, der vielen Labels fehlt?

Scholl: Ja. Und was uns alle drei vor allem auszeichnet: Wenn wir eine Energie spüren, dann ist nicht der erste Gedanke "Könnte das ein Hit sein?" oder "Wie könnte man das verändern, dass es einer wird?". Wir glauben daran, dass die Bands, die wir haben, sich ihr Publikum live erspielen müssen. So wie sie sich uns erspielt haben.

Baumann: Es geht auch darum, dass man eine Bindung zu den Künstlern hat - auch eine menschliche Bindung. Der Idealzustand wäre eine langfristige Zusammenarbeit. Wir sind bestimmt nicht auf der Suche nach Schnellschüssen.

Bei den Majors ist es aber üblich geworden, Verträge nach Erfolg abzuschließen.

Baumann: Ja, das ist aber gleichzeitig auch deren Todesurteil. Immer öfter haben die Majors Bands abgelehnt, um sich zwei Jahre später kräftig zu ärgern. Da hat der Mehmet zum Beispiel eine großartige Intuition. In seiner Radiosendung (jeden ersten Freitag des Monats mit Achim Bogdan im "Nachtmix" auf Bayern 2, Anm. d. Red.) hat er oft Bands präsentiert, nach denen zu dem Zeitpunkt kein Hahn gekräht hat, die dann aber später ganz groß wurden.

Gibt es einen Masterplan, wie viele Bands das Label aufnehmen will und wie viele Produktionen es im Jahr werden könnten?

Baumann: Eigentlich nicht. Wir müssen erst einmal mit den Aufgaben mitwachsen. Wir sind ja alle drei Label-Frischlinge und wollen erst einmal bescheiden und langsam anfangen - auch wenn der Paukenschlag der Eröffnungsparty anders wirkt. Auf keinen Fall wollen wir möglichst viele Produkte auf den Markt werfen, um die wir uns dann nicht ausreichend kümmern können.

Scholl: Und wir sind keine Kindergärtner. Wir lassen den Bands sehr viel Eigenverantwortung und Kreativität. Wir nehmen ihnen nicht alles ab. Die Künstler sollen das machen, was sie am besten können: Musik.