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Mehmet Scholl: Neues Musiklabel:"Wir sind keine Kindergärtner"

Ein Mann, viele Talente: Ex-Kicker Mehmet Scholl macht gerade nicht nur seinen Trainerschein, er hat auch - zusammen mit Kleinkunst-Dogen Till Hofmann und Produzent Gerd Baumann ein Musiklabel gegründet.

So ein Plattenlabel hat es wohl noch nicht gegeben: Mit dem Ex-Fußballstar und Musikliebhaber Mehmet Scholl, dem Kleinkunst-Dogen Till Hofmann und dem Produzenten und Filmmusiker (zum Beispiel alle Rosenmüller-Werke) Gerd Baumann hat Millaphon drei denkbar unterschiedliche Gründer. Und mit den Hip-Hop-Soulbläsern Moop Mama, dem urwüchsigen bayrischen Liedermacher Keller Steff und den intelligenten Indie-Jazzern Baloon Pilot stehen bislang gerade mal drei - natürlich ebenfalls höchst unterschiedliche - Bands im Katalog. Trotzdem war die rauschende Gründungsparty in der Freiheizhalle rekordverdächtig. Und brachte die Gelegenheit, Scholl und Baumann zu dem Projekt zu befragen.

Millaphon Gründer Gerd Baumann, Mehmet Scholl, Till Hofmann

Der Produzent, der Fan und der Stratege: die Labelgründer Gerd Baumann, Mehmet Scholl und Till Hofmann (von links).

(Foto: oh)

Wie entstand die Idee zu Millaphon?

Baumann: Till und ich hatten Moop Mama produziert und standen vor der klassischen Situation: Wie gehen wir es an? Welches Label - Major oder Independent? Aus allen Überlegungen war dann rasch klar, es selbst zu machen, auch weil über die Jahre der Wunsch erwachsen war, ein Label zu gründen. Die glückliche Fügung war dann, dass der Till und der Mehmet sich gut kennen, und wir zu dritt dastanden. Man wird dann natürlich trotzdem erst langsam gewahr, was man eigentlich angezettelt hat.

Bleibt die Arbeit nicht ohnehin an Ihnen hängen. Mehmet Scholl macht gerade seinen Trainerschein. . .

Scholl: Es ist jetzt nicht so, dass so viel tägliche Arbeit anfällt, oder man vor Ort sein muss. Im Moment ist alles noch recht locker. Wir haben auch sehr entspannte Bands, die uns nicht stressen. Und wir sind auch entspannt.

Und wenn Sie später einen Trainerjob haben, bleibt da noch die nötige Zeit, fürs Label zu repräsentieren?

Scholl: Das sieht man ja schon, dass es geht. Einmal hat der Till keine Rücksicht auf meine Termine genommen, da habe ich erst zwei Tage vorher vom Moop-Mama-Release erfahren und konnte nicht. Natürlich steckt alles noch in den Kinderschuhen und muss sich noch einspielen. Wir sind aber alle drei bereit, einen Part zu übernehmen.

Wie ist die Aufgabenverteilung?

Baumann: Im Moment haben wir ja drei Übernahmen, also von den Bands fertig produzierte Aufnahmen. Aber falls wir in der Zukunft Newcomer produzieren, bin klarerweise ich derjenige, der da dann aktiv mitarbeitet. . .

Scholl: Der Gerd ist ja der einzige von uns, der das kann. Der konkret sagen kann, es fehlt da und da. Er ist der Fachmann.

Baumann: Das ist meine Antriebsfeder. Das ist das, was ich kann. Ich habe nichts mit Marketing am Hut, da bin ich komplett talentfrei, das ist dem Till seine Aufgabe. . .

Scholl: Der Till ist unser Stratege. Der Geschäftsmann, der auch weiß, wann was wo zu platzieren ist.