Lokalrunde:Olympia und der Edelschick

Auffallen um jeden Preis: Nach dem langen Gastro-Lockdown ist das gar nicht einfach

Von Franz Kotteder

Lokalrunde - Auster

Auch mit einer Auster lässt sich so allerhand anstellen, wenn man kreativ ist.

(Foto: JG Schnabel/www.danp.co.il)

Wenn alle froh sind, dass wieder etwas Normalität einzukehren scheint, dann ist das ein Problem für die PR-Agenturen. Denn schließlich leben die vom Unnormalen, sprich: Besonderen, denn nur damit lässt sich Aufmerksamkeit gewinnen. Dieser Tage braucht es da schon etwas Chuzpe, und der erste Preis dafür gebührt momentan in der Münchner Gastronomie wohl dem Izakaya, dem Restaurant mit Bar des Luxushotels Roomers und seiner japanisch-südamerikanischen Fusionsküche. "Tokyo ist nur eine Taxifahrt entfernt!", jubelt die jüngste Verlautbarung und bezieht sich dabei auf die Olympischen Spiele in Japan, die am Wochenende beginnen. In stark eingeschränktem Rahmen, da ohne Zuschauer, aber das sei ja kein Grund, auf Sushi, Sashimi, Gemüse und Fleisch vom traditionellen japanischen Robata-Grill zu verzichten. Zwar gibt es im Izakaya sonst nichts, was mit Olympia zu tun hat, Live-Übertragungen verbieten sich ja schon wegen der Zeitverschiebung. "Go for gourmet gold" genüge - eine steile These! Obendrein kann man gleich noch eine weitere Attraktion ankündigen, von der man bisher wenig wusste: Am 5. August ist angeblich "Tag der Auster", nicht nur im Izakaya, aber dort besonders. Es gibt hier nämlich eine aufgebrezelte Version des Meerestiers - ausgelöst mit etwas Sauce in der Schale serviert, unter einem Dach aus feinsten frittierten Reisnudeln, mit Crème fraîche und etwas Kaviar. Einfälle muss man halt haben, nicht nur in der PR-Agentur (Izakaya, Landsberger Straße 68, Dienstag bis Samstag 17-1 Uhr, Telefon 122 23 20 00, www.izakaya-restaurant.com).

Lokalrunde: Hübsche Handarbeiten mit rohem Fisch: Im Izakaya versteht man sich auf die Kunst des Sashimi.

Hübsche Handarbeiten mit rohem Fisch: Im Izakaya versteht man sich auf die Kunst des Sashimi.

(Foto: JG Schnabel/www.danp.co.il)

Auch das Steakrestaurant im Künstlerhaus am Lenbachplatz, The Grill, hat wieder geöffnet und tatsächlich auch richtige Neuerungen vorzuweisen. Auch wenn die Küche dort selbstverständlich dem Konzept "Fleisch und Fisch vom Grill" treu bleibt. In siebeneinhalb Monaten hat man aber höchst aufwendig renoviert, drinnen wie draußen auf der Dachterrasse. Vom Stil her läuft das alles unter "Neuer Münchner Edelschick", also alles eine Spur zu dunkel, mit anthrazitfarbenen Wänden, grünem Marmor, Messing und viel Holz. Neuerdings ist auch am Sonntag geöffnet, da gibt es dann zum Beispiel "Surf & Turf" für zwei Personen, bestehend aus 300 Gramm Filetsteak vom Simmentaler Rind (also der in Bayern am weitesten verbreiteten Rinderrasse) nebst einem "halben Pfund Black-Tiger-Garnelen". Macht zusammen mit Kopfsalat und Pommes 70 Euro. Neu auf der Karte: das Krusten- und Sauerteigbrot von Julius Brantner, der inzwischen vermutlich zwei Drittel aller besseren Münchner Restaurants beliefern muss, und Straußensteak aus dem Donaumoos (The Grill, Lenbachplatz 8, Mittwoch bis Samstag von 18 Uhr an, sonntags von 17 Uhr an, Telefon 45 20 59 50, www.the-grill-munich.de).

© SZ vom 23.07.2021
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