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Lichtprojekt und Fahrradstraße:Leserbriefe

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Reine Verschwendung

Zu "Generalprobe mit dem Handscheinwerfer" vom 28. September:

Das Ambiente-Beleuchtungsprojekt im Zentrum Pasings halte ich für überflüssig und für reine Geldverschwendung, wo doch weltweit Lichter in der "Earth Hour" wegen Lichtverschmutzung abgeschaltet werden. Warum sich laut Projektleiter Zach außerdem "farbiges Licht im öffentlichen Raum schneller abnutzt als weißes Licht", erschließt sich mir nicht (außer beim Rot von Verkehrsampeln, das von immer mehr Verkehrsteilnehmern ignoriert wird). Wenn der Bezirksausschuss-Vorsitzende Vogelsgesang glaubt, dass durch das Beleuchtungskonzept "der eine oder andere Einzelhändler nach Pasing bewegt wird", so bleibt das ein frommer Wunsch, zum Beispiel für die augenblickliche Situation in der Gleichmannstraße: a) nur mehr Einbahnverkehr für den öffentlichen Verkehr, Taxis und Radfahrer, b) keine Kundenparkplätze, und c) der Fußgänger-Pendel-Verkehr zwischen Marienplatz (früher Endhaltestelle Tram 19) und S-Bahn-Station am Bahnhof existiert nicht mehr. Ein anderer Aspekt wird völlig außer Acht gelassen: Das Beleuchtungskonzept ist für das Karree Bahnhofplatz, Gleichmannstraße, Marienplatz, Landsberger Straße, Bäckerstraße vorgesehen. In diesem Bereich gibt es - zumindest in den oberen Stockwerken - viele Wohnungen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Anwohner, die vor 23 Uhr ins Bett gehen wollen, von der zusätzlichen Außenbeleuchtung begeistert sein werden.

Viele Baustellen: "Grundsätzlich kann die Verkehrsberuhigung im Pasinger Zentrum allerdings bereits heute als gelungen bezeichnet werden", steht im Beschluss des Mobilitätsausschusses. Wenn als Beispiel die Landsberger Straße zwischen Marienplatz und Bäckerstraße angeführt wird (früher 27 000 Fahrzeuge/24 Stunden, nun weniger als 2000), so ist das nichts als Augenwischerei. Dieser Straßenabschnitt ist nämlich nach dem Verkehrskonzept Pasing-Zentrum" von 2007 als Einbahnstraße nach Osten ausgewiesen und offiziell nur für den öffentlichen Verkehr (Tram, Busse, Taxis und Anlieger) freigegeben. Das Hauptverkehrsaufkommen konzentriert sich nun auf die "Schleichwege", sprich Nebenstraßen, südlich der Bahnlinie, da die Nordumgehung Pasing längst nicht in dem erhofften Umfang angenommen wird. Fragen Sie mal die Bewohner der betroffenen Nebenstraßen, was sie von den bisherigen Aktionen der städtischen Dienststellen halten! Obwohl der Mobilitätsausschuss einen "gewissen, spürbaren Schleich- und Durchgangsverkehr" einräumt, gibt es für Pasing Süd nicht die Spur eines Konzeptes (für Pasing Nord wird wenigstens schon seit 2013 geplant!). Das Verkehrsaufkommen wird nach der Fertigstellung neuer Wohngebiete wie Freiham (20 000 Einwohner), Paul-Gerhardt-Allee (5500 Einwohner) weiter steigen.

Ein persönliches "Schmankerl" zum Schluss: Mein Antrag vom 12. November 2018 auf Anbringung einer Bodenmarkierung (Piktogramm) "Tempo 30" wurde am 9. März 2020 abgelehnt. Schriftlich teilte mir dazu das Kreisverwaltungsreferat mit: "Eine Bodenmarkierung von 30 km/h ändert nichts am Verkehrsaufkommen und auch nichts an den gefahrenen Geschwindigkeiten." Ich persönlich würde mich in meinem Job nicht wohlfühlen, wenn ich wüsste, dass meine Arbeit nahezu wirkungslos ist.

Heribert Kulzer, München

Abenteuerliche Argumentation

Zu "Zu wenige Radler" vom 14. Oktober:

Die Argumentation ist abenteuerlich: Wenn es mehr Radler in der Maria-Theresia-Straße gäbe (mein Kommentar: die wegen des Autoverkehrs von Radlern gemieden wird), dann würde die Straße in eine Fahrradstraße umgewidmet. Wieso sollte ein Radfahrer eine Straße, die gerne als Umgehungsroute der Ismaninger Straße von Autofahrern genutzt wird, ohne Radweg benutzen, wenn ein breiter Weg durch den gleich daneben liegenden Park führt? Das wird auch eine bessere Verkehrsanbindung am Europaplatz nicht ändern, außer die Maria-Theresia-Straße würde mit Radwegen ausgerüstet.

Ich erwarte, dass das Thema erst eskalieren muss (Radfahrer überfährt Fußgänger im Park - wobei ich momentan eine friedliche Koexistenz sehe), bis dann die Radfahrer aus dem Park vertrieben werden und dann zwangsweise die Straße benutzen, bis dann ein Radfahrer von einem Auto verletzt wird, bis man dann einsieht, dass eine Fahrradstraße notwendig ist ... Ich dachte immer, Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie Entwicklungen voraussehen und entsprechend handeln, aber hier sehe ich nur die Zementierung der autogerechten Stadt.

Erich Würth, München

© SZ vom 22.10.2020

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