Leihaus-Betreiber Thomas Käfer:Die Lehre bei Bocuse war bereits ausgehandelt

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Michael Käfer beschreibt seinen Cousin als einen, "der immer positiv ist und nie schimpft", er sei ein cooler, lustiger Typ. "Ich mag ihn sehr gerne." Auch wenn sich die beiden fast nie sehen. Das war früher anders, bevor sich einer für den Betrieb und der andere für einen eigenen Weg entschied.

Natürlich sollte eigentlich auch Thomas im Imperium mitmischen. Sein Vater hatte für ihn bereits eine Lehre bei der französischen Kochlegende Paul Bocuse ausgehandelt, als der Teenager beschloss, dass ihm die Gastronomie zu anstrengend war. "Danach hat sich mein Vater nicht mehr um mich bemüht."

Thomas hatte das Gymnasium besucht und auf dem Oktoberfest und beim Partyservice für das Familienunternehmen gearbeitet. "Das ist ein unglaublich harter Job, dafür braucht man Fanatismus." Einen Fanatismus, den sein Cousin Michael hatte, "der wollte das unbedingt", Thomas Käfer nicht. Er wollte "etwas eigenes".

Thomas Käfer machte eine kaufmännische Lehre, hospitierte in einem Schmuckgeschäft, und 1988, mit 28, eröffnete er sein erstes Geschäft. Zeitweise hatte Käfer vier Filialen, dann stürzte die Branche in eine Krise und Käfer hielt sich mit einem Laden über Wasser. Einem, von dem aus man einen Blick auf ein Pfandleihhaus hatte. "Ich habe da so viele Leute ein und ausgehen sehen, dass ich dachte, das muss sich lohnen." 1999 eröffnete er sein Leihhaus. Er kann heute gut davon leben. Es ist eines von 14 Leihhäusern in München, seines zählt zu den vier großen, mit vielen Stammkunden.

Die kommen jeden Monat, zwischen dem 20. und 25., immer mit dem gleichen Wertgegenstand, und leihen sich Geld, mit dem sie bis zum nächsten Gehalt auskommen. Einmal ist es die Frau, die gerade die Schuhe ihres Lebens in irgendeinem Schaufenster gesehen hat, ein Jugendlicher bringt sein nagelneues iPhone 4GS, weil er feiern will am Wochenende, dafür bekommt er 350 Euro.

Manchmal sind die Kunden auch mittellos, so wie einmal eine alte Frau, die einen wertlosen Gegenstand abgeben wollte, um 20 Euro für die Stromnachzahlung zu bekommen. "Dann wird es schwer. Denn du darfst in dem Job kein Mitleid haben mit den Kunden." Und die Frau? Da hätte er dann mit seinen Mitarbeitern gesprochen, 20 Euro aus der Kasse genommen, und sie ihr gegeben.

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