Leihaus-Betreiber Thomas Käfer:Pfand statt Pfanne

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Ein iPhone für 350 Euro, ein Ring für 1900 Euro: Thomas Käfer betreibt eines der größten Pfandleihhäuser in München. Dabei sollte er eigentlich eine Kochlehre bei Bocuse machen und im Käferschen Feinkost-Imperium mitmischen. Der Cousin des Gastro-Multis Michael Käfer entschied sich dagegen. Was er jetzt macht, ist nicht im Sinne der Familie.

Philipp Crone

Wenn Thomas Käfer seinen Blick senkt, kann sein Gegenüber nur noch warten und hoffen. Käfer, 51, ein kräftiger Mann mit silbergrauem Dreitagebart und notdürftig zurückgekämmtem grauen Haar, schaut durch eine schmale Lesebrille. Auf seiner Stirn schieben sich vier Falten auf. Nach ein paar Sekunden hebt Käfer den Blick wieder, dreht den weißen Ring noch einmal in der linken Hand und sagt: "1900 kann ich Ihnen dafür geben." Euro.

Leihaus-Betreiber Thomas Käfer: Die letzte Station vor dem Bankrott: Thomas Käfer betreibt am Hauptbahnhof ein Pfandleihhaus. Eigentlich sollte er in den Gastronomiebetrieb seiner Familie einsteigen.

Die letzte Station vor dem Bankrott: Thomas Käfer betreibt am Hauptbahnhof ein Pfandleihhaus. Eigentlich sollte er in den Gastronomiebetrieb seiner Familie einsteigen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Mann auf der anderen Seite des Schalters, hinter der Glasscheibe, lässt die Schultern sinken und lächelt. Das sei ausreichend, sagt er, unterschreibt den Pfandschein, zählt das Geld nach, das Käfer auf die Theke legt und geht die Treppenstufen runter, hinaus auf die Bayerstraße.

Wieder einer, der mit einem Kurzkredit aus irgendeiner Klemme kommt. Wieder eine Entscheidung, die Käfer in kurzer Zeit treffen muss: Wie viel ist der Gegenstand wert, und was ist derjenige, der ihn bringt, für ein Typ? Ein Abzocker, ein Unglücksrabe? Auf jeden Fall ist es jemand, "der nicht mit Geld umgehen kann", sagt Käfer. So weit, so logisch. "Die meisten sind aber nicht arm, ich habe Stammkunden mit fünfstelligen Monatsgehältern."

Käfer sitzt in seinem Büro. Ein schmuckloser Schreibtisch, dazu ein runder Glastisch und ein Wasserspender. Schön ist hier wenig, höchstens der Schmuck, und der ist weggesperrt. Zu sehen sind Computer. Einen nagelneuen Laptop hat zum Beispiel ein junger Mann gebracht, der hat ihn am 1. des Monats gekauft, nun hat er, am 5., aber nicht mehr genug Geld für den Rest des Monats. Also schließt er mit Käfer einen Pfandvertrag.

Das System: Der Kunde bringt einen wertvollen Gegenstand, den Käfer schätzt und maximal ein Drittel des Wertes auszahlt. Der Vertrag läuft dann über drei Monate. Am Ende kommt der Kunde wieder, bezahlt Gebühren und Zinsen und das Geld zurück. Bei einer Auszahlung von 100 Euro zahlt er pro Monat 3,50 Euro an Käfer. Kann der Kunde den Gegenstand nicht auslösen, wird das Stück nach einer Frist versteigert. Den Gewinn, falls es einen gibt, erhält der Freistaat.

Nach diesem Prinzip arbeitet Thomas Käfer seit elf Jahren, und mittlerweile hat er dabei so viele Geschichten erlebt, dass er zuletzt ein Buch ("Lieber Kleingeld als kein Geld") darüber geschrieben hat. Dabei war sein Berufsleben im Prinzip ganz anders geplant, als Käfer-Spross in München.

Thomas Käfer ist der Cousin des Gastronomie-Unternehmers Michael Käfer. Als Thomas Käfer jung war, führten sein Vater Helmut und Gerd Käfer, Michaels Vater, das Unternehmen, damals ein Monopolist in der Luxusgastronomie. "Wir hatten die ersten Austern nach München gebracht." Käfer spricht schnell, wirbelt mit den Händen durch die Luft und lacht viel.

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